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„Klassik hat gerade ein Hoch“

Rüdiger Kutzner organisiert den Musiksommer Blankensee „Klassik hat gerade ein Hoch“

Ein Programm für die besondere Jehmlich-Orgel im Kirchenzentrum „Waldfrieden“ hat Rüdiger Kutzner für den nunmehr 23. Blankenseer Musiksommer zusammengestellt. Am Samstag beginnt die beliebte Konzertreihe wieder.

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Rüdiger Kutzner ist Musiker und Geschäftsführer der Berliner Agentur Franzhans. Er organisiert mit seinem Team Kulturveranstaltungen.

Quelle: Nadine Pensold

Blankensee.
Zu Pfingsten eröffnet der Johannische Chor Berlin mit einem neuen sommerlichen Programm den Blankenseer Musiksommer 2016. In diesem Jahr steht die klangvolle Jehmlich-Orgel im Mittelpunkt der beliebten Musikreihe. Das Instrument spielt in jedem der Konzerte einen wichtigen Part.

Am Samstag beginnt der Blankenseer Musiksommer – sind Sie mit den Vorbereitungen zufrieden?

Rüdiger Kutzner: Das Programm steht schon seit Weihnachten. Im Vorfeld bedeutet so ein Festival natürlich immer Stress, aber das gibt einem danach die Power zu sagen: Das hat sich gelohnt. Es ist prinzipiell schwierig, so etwas im Sommer zu organisieren, weil die Menschen dann lieber in die Sonne gehen oder Konzerte im Freien hören wollen. Aber in Blankensee funktioniert es trotzdem immer sehr gut.

Was ist das Erfolgsrezept?

Kutzner: Es liegt zum Beispiel daran, dass in der Region um Blankensee viele Menschen leben, die recht kulturbegeistert sind, die aber nicht unbedingt den Antrieb haben, für Konzerte nach Berlin zu fahren. Daher haben wir einen großen Zulauf. Wir haben aber auch viel Publikum aus Potsdam und Berlin, die Lust haben, aus der Stadt heraus zu kommen, einen schönen Tag auf dem Land zu verbringen und ihn mit einem schönen Essen und einem Konzert abzurunden.

Und was reizt Musiker an Konzerten in diesem kleineren Format?

Kutzner: Tatsächlich der Ort. Man kann bei so einem Festival nicht die üblichen Gagen zahlen, aber die Atmosphäre in Blankensee wird geschätzt. Bei vielen Musikern ist der Sommer auch eine ruhige Zeit. Es ist eine Zeit, in der man viel experimentieren kann – zum Beispiel in kleinerer Besetzung oder indem man mit anderen Künstlern zusammenspielt.

Den Musiksommer gibt es seit mittlerweile 23 Jahren. Wird es mit der Zeit schwieriger, besondere Akzente zu setzen?

Kutzner: Überhaupt nicht. Es gibt so viele fantastische Künstler auf der Welt und es kommen immer wieder neue dazu. Da habe ich keine Sorge. Wir können aus einem großen Pool an Künstlern schöpfen und bekommen immer sehr ausgefallene Bewerbungen. Da kann man so ein Festival auch die nächsten 100 Jahre beruhigt angehen.

Die Konzerte finden seit jeher in der Kirche am Waldfrieden statt. Warum wurde dieser Ort gewählt?

Kutzner: Die Location war schon immer herausragend. Die Johannische Kirche ist eine riesige Halle, die hauptsächlich für Gottesdienste genutzt wird, sie hat aber auch eine fantastische Akustik. In diese Halle wurde eine Orgel eingebaut – eine Jehmlich-Orgel mit der schönen Seriennummer 1001. Der Dirigent und Musiker Siegfried Lehmann zog dann nach Blankensee, gemeinsam mit Erhardt Marek gab er dort Orgelkonzerte. Meine beiden Vorgänger haben also mit einem Kulturangebot begonnen, zu dem die Leute gern kamen. Und daraus entwickelte sich das Festival.

Die Jehmlich-Orgel steht diesmal im Mittelpunkt des Musiksommers. Wieso dieser Schwerpunkt?

Kutzner: Sie stand zu Anfang immer im Mittelpunkt, die anderen Konzerte wurden dann um die Orgel herum organisiert. Sowohl meine Vorgänger als auch ich haben dann noch ganz andere Sachen ins Programm aufgenommen: Wir hatten Andrej Hermlin and his Swing Dance Orchestra, Gospelkonzerte, Chöre und reine Sinfonie-Orchester. Dann war die Orgel nur ein- bis zweimal pro Sommer mit dabei. Dieses Mal haben wir uns entschlossen, sie wieder in den Fokus zu stellen und eine Saison ausschließlich mit Orgelkonzerten zu gestalten.

Man vermutet nicht, dass die Orgel so vielfältig einsetzbar ist. Ist es schwer, ein solches Programm zu realisieren?

Kutzner: Nein, die Organisten, die wir ansprechen, kennen die Orgel. Diese ist ein sehr flexibles Instrument und die vier Konzerte werden den Charakter dieser Orgel ganz besonders darstellen. Wir haben selbst den „Karneval der Tiere“ schon auf ihr spielen lassen und dazu eine Lesung veranstaltet. So etwas Ähnliches haben wir dieses Jahr auch wieder dabei. Die Musiker waren immer begeistert von dieser Vielfalt, und so kombinieren wir die Orgel dieses Jahr mit Jazz, sakraler Musik und einem romantisch-ruhigen Part. Beim Abschlusskonzert haben wir eine Harfe dabei, diese Orgel kann das wunderbar begleiten, ohne die Harfe zu übertönen.

Mit Ihrer Konzertagentur organisieren Sie viele Veranstaltungen im Laufe des Jahres, was ist da das Besondere in Blankensee?

Kutzner: Der Sommer. Diese Zeit, dieses Rausfahren ins Grüne hat gerade für uns Großstädter eine jahrhundertealte Tradition. Und das ist der bedeutende Charakter. Diese Faszination für das Land sieht man auch bei anderen Angeboten. Für junge Leute finden Konzertfestivals draußen am See statt, und auch sie erfreuen sich daran.

Was macht für Sie ein gelungenes Konzert aus?

Kutzner: Ein gutes Konzert ist wie ein gutes Essen zu kochen. Die Leute gehen danach und sind angetan und berührt. Und wenn man ein Programm zusammenstellt, muss man an sein Publikum denken. Je breiter man sich aufstellt, desto mehr kann man dafür begeistern.

In der Region gibt es mittlerweile einige Klassikreihen – zum Beispiel die Jüterboger Kammermusiken oder die Schlosskonzerte Königs Wusterhausen. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Kutzner: Ich bin da Optimist und sage, dass sich das gegenseitig befruchtet und Konkurrenz das Geschäft belebt. Wenn es genug Menschen gibt, die Interesse haben, dann kann auch jeder bedient werden. In der Region kann es vielleicht gefährlich werden, wenn man zu dicht aneinander gerät. Deshalb führen wir Absprachen mit Trebbin und dem Sudermannschen Schloss in Blankensee, damit Konzerte nicht kurz nacheinander stattfinden. Wenn etwas in Jüterbog, Potsdam oder Königs Wusterhausen ist, ist das keine Konkurrenz, da sie aufgrund der Entfernung zu uns wieder ganz neue Personenkreise ansprechen.

Ist die Lust an klassischer Musik wieder gestiegen?

Kutzner: Ja. Die Klassik erlebt in einer Wellenform immer wieder eine Renaissance. Das liegt auch an Werbung oder Filmen. Da ist plötzlich eine Faszination für eine Filmmusik, die sich als Komposition von Bach oder Dvorák entpuppt und dann ist das Interesse da. Jeder, der mit Klassik in Berührung gekommen ist, merkt, dass sie beruhigt. Deshalb nutzen auch Eltern die klassische Musik für ihre Kinder. Die Klassik wird immer stärker in das Bewusstsein der Jüngeren – der Älteren sowieso – gerückt. Klassik hat gerade ein Hoch – und sie wird es weiterhin haben.

Die Konzerte im Kirchenzentrum „Waldfrieden“

Samstag, 14. Mai, 19.30 Uhr: Chor- und Orgelkonzert „Sollt ich meinem Gott nicht singen?“ mit dem Johanni­schen Chor Berlin.

Freitag, 17. Juni, 19.30 Uhr: Orgel- und Jazzkonzert „Plaudereien und Bach“ mit dem Trompeter Daniel Schmahl und dem Organisten Tobias Berndt.

Freitag, 19. August, 19.30 Uhr: „Das Hohelied Salomos“ – Orgelkonzert mit Lesung mit zwei Schülern der Berliner Hochschule für Schauspiel „Ernst Busch“.

Freitag, 16. September, 19.30 Uhr: „Trio Cantabile – Musikalische Raritäten“ mit Uta Hoyer (Cello), Dagmar Flemming (Harfe) und Heiko Holtmeier (Orgel).

Weitere Informationen zu den Konzerten gibt es unter www.blankenseer-musiksommer.org

Interview: Nadine Pensold

Von Nadine Pensold

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