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Königs Wusterhausen So schlimm steht es um die Jugendklubs
Lokales Dahme-Spreewald Königs Wusterhausen So schlimm steht es um die Jugendklubs
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00:21 03.02.2019
Das Jugendfreizeitzentrum Weinert in Königs Wusterhausen ist baulich so marode, dass es geschlossen werden müsste, empfiehlt ein Experte. Quelle:  
Königs Wusterhausen

Die Jugendarbeit in Königs Wusterhausen findet unter katastrophalen räumlichen Bedingungen statt, in denen die Sozialarbeiter aber einen hervorragenden Job machen. Das ist das Ergebnis eines Bestandsanalyse, die im Auftrag der Stadt durchgeführt wurde. Es gibt klare Empfehlungen, wie die Angebote für Jugendliche verbessert werden können.

Ein vernichtendes Urteil fällt Autor Jan Kasiske über den baulichen Zustand der Klubs. Er entspreche den frühen 1990er Jahren, seit 25 Jahren sei nicht maßgeblich investiert worden. „Der Zustand der Immobilien entspricht nicht ansatzweise den Qualitätsstandards für Kinder- und Jugendarbeit im Landkreis“, schreibt er in seinem Bericht. Zweckmäßige Möbel und Spielgeräte, zeitgemäße Multimedia-Technik und Computer, Büroräume, Gruppenräume oder ein Raum für persönliche Beratungen soll es laut den Kriterien in Jugendhäusern in Dahme-Spreewald geben. Nicht eines dieser Kriterien treffe auf eine Jugendeinrichtung in Königs Wusterhausen zu, so Experte Jan Kasiske. „Es bestehen in allen Immobilien eklatante bauliche Mängel und Gefahrenquellen.“

Kernstadt braucht ein Jugendhaus

Für die Kernstadt empfiehlt er deshalb den Neubau eines Jugendhauses. Die Freizeitzentren Fontane und Weinert in der Kernstadt müssten geschlossen werden. Ebenso der Jugendraum Clunie am Fußballplatz in Niederlehme, wo statt dessen Container „an einem zentral gelegenen und für die Jugendlichen gut erreichbaren Ort“ aufgestellt werden sollen. Der Jugendraum in Senzig sollte zu einem Freizeitzentrum zu erweitert werden. Keine Empfehlungen gibt es zu den Jugendzentren in der Scheedersraße sowie im Ortsteil Zernsdorf. In Zeesen soll laut dem Bericht ein Standort für einen Jugendraum gesucht werden.

Der Senziger Jugendtreff soll zu einem Freizeitzentrum erweitert werden, heißt es in dem Bericht. Quelle: Frank Pawlowski

Gute Noten gibt es hingegen für die Sozialarbeit in den bestehenden Treffpunkten und in Schulen. Die Stadt Königs Wusterhausen fördert fünf Vollzeitstellen freiwillig aus eigenen Mitteln. „Damit engagiert sich die Stadt überdurchschnittlich beim Personal im Vergleich zu anderen Städten im land Brandenburg“, urteilt der Experte. Die Jugendarbeit selbst sei durch die „außerordentlich hohe Qualität, Leistung und Vernetzung der Fachkräfte gekennzeichnet“, lobt er.

Mehr Sozialarbeiter sind ratsam

Trotzdem sieht er auch hier Reserven. So müsse es zwei Fachkräfte in den Jugendfreizeitzentren geben. Nur der Fontane-Club der Diakonie ist derzeit so besetzt. Kasiske empfiehlt weiterhin, Sozialarbeit an allen Grundschulen anzubieten. Für die neue Gesamtschule sieht er einen zusätzlichen Bedarf an Jugendsozialarbeit. Außerdem regt er an, eine städtische Stelle „Jugendförderung“ zu schaffen.

Die Analyse fand von Juni bis Oktober 2018 statt. Kasiske sprach mit Fachkräften und Jugendlichen. Er schaute sich alle Einrichtungen an. In einem SVV-Ausschuss stellte er die Ergebnisse bereits vor. Der Vorsitzende der SVV, Georg Hanke (SPD), erwartet weitere Beratungen dazu in diesem Jahr. Ein schriftlicher Bericht liege den Stadtverordneten noch nicht vor.

Der Vorsitzende des Sozialausschusses, Thorsten Kleis (Linke), sagte der MAZ: „So alarmierend die Ergebnisse sind, so schwierig wird es sein, die Empfehlungen umzusetzen.“ Es müsse sich viel ändern, aber die Stadt werde dafür nicht genügend Mittel aufbringen können, fürchtet er.

Die Stadtverwaltung teilte auf MAZ-Anfrage mit: „Die Analyse kann Basis für ein Sozialraumkonzept sein, in dem die Jugendarbeit einen festen Platz erhält. Es geht darum, die Voraussetzungen für persönlichkeitsfördernde Angebote zu verbessern.“

Von Frank Pawlowski

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