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Königs Wusterhausen Ende einer Fleischer-Ära
Lokales Dahme-Spreewald Königs Wusterhausen Ende einer Fleischer-Ära
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05:18 27.07.2018
Klaus-Michael Grüning, Corinna Siemer und Klaus Grüning (v.l.) verabschieden sich am 28. Juli von ihren Kunden. Dann öffnet die Fleischerei zum letzten Mal. Quelle: Frank Pawlowski
Niederlehme

Gerade wurde Klaus Grüning eine besondere Ehre zuteil. Vor wenigen Wochen bekam der 78-Jährige von der Handwerkskammer Cottbus feierlich den Goldenen Meisterbrief zum 50. Meisterjubiläum überreicht. Die Urkunde hängt an einer Wand des Geschäfts in der Karl-Marx-Straße 19 in Niederlehme, neben vielen anderen Auszeichnungen. Doch weitere werden nicht hinzukommen. Die Fleischerei Grüning schließt.

Das Geschäft in der Karl-Marx-Straße 19 in Niederlehme. Quelle: Frank Pawlowski

Heute von 8 bis 17 Uhr und am Sonnabend von 7 bis 13 Uhr ist sie noch einmal geöffnet. Dann ist Schluss. „Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht“, sagt Corinna Siemer, die mit ihrem Bruder Klaus-Michael Grüning das Fleischerhandwerk in vierter Generation fortführt. Klaus Grünings Großvater begründete 1897 die Tradition. Gesundheitliche Gründe zwingen die Familie nun zur Aufgabe.

Die Produkte der Fleischerei Grüning sind vielfach ausgezeichnet worden. Quelle: Frank Pawlowski

Grünings stammen aus Derenburg im Harz. Sie übernahmen die Niederlehmer Fleischerei. Am 1. Juni 1981 wurde das Geschäft eröffnet. Nach dem Ende der DDR brachen zunächst schwere Zeiten an. Kunden blieben aus. „Wir haben die Ware trotzdem immer gut gemacht“, sagt Klaus Grüning. „Wir dachten nie daran, aufzugeben. Wir sind Kämpfer.“

Familienfoto im Laden mit Alice Grüning (4.v.l.), die 2017 verstarb. Quelle: Frank Pawlowski

Grünings gewannen Kunden zurück und neue hinzu. Auch in der Branche werden die Produkte des Niederlehmer Familienbetriebes geschätzt. Bei der Internationalen Fachmesse der Fleischwirtschaft in Frankfurt/Main gibt es regelmäßig Gold-, Silber- und Bronzemedaillen. Preisgekrönt sind die unter anderem die Knacker mit Kümmel, Eisbeinsülze, Knoblauch-Metwurst, Bierschinken, Rotwurst, Lachsschinken, Jagdwurst oder Sülzfleischwurst aus dem Hause Grüning.

Spenden für die Tee- und Wärmestube

„Wir bieten nur das an, was wir auch selber essen“, sagt Corinna Siemer. Regelmäßig spendete die Fleischerei Wurst für die Tee- und Wärmestube in Königs Wusterhausen. Ein Schicksalsschlag traf die Familie im vorigen Jahr, als Klaus Grünings Ehefrau Alice nach einer schweren Krankheit verstarb. Corinna Siemers Sohn Marcus half fortan oft im Laden aus. Doch als sie selbst auch noch erkrankte, wurde die Belastung zu groß.

Eigene Produktion: Wegweiser zum Kundenparkplatz. Quelle: Frank Pawlowski

Zuletzt konnte die Fleischerei deshalb nur noch donnerstags bis samstags öffnen. Seit die Schließung bekannt gegeben wurde, ist der Andrang enorm. Das ist noch einmal eine echte Herausforderung. „Wir müssen unsere Kunden bis zum Schluss zufrieden stellen“, sagt Klaus Grüning, der noch selbst mit anpackt. Für die Kunden gibt es am Samstag eine kleines Getränk zum Abschied. „Wir bedanken uns bei ihnen für die langjährige Treue“, sagt Corinna Siemer.

Noch 29 Fleischereien in LDS

In Dahme-Spreewald gibt es laut Handwerkskammer noch 29 Fleischereibetriebe. Einen weiteren Goldenen Meisterbrief erhielt Wilhelm Jaekel aus Mittenwalde. Diamantene Meisterbriefe für das 60. Meisterjubiläum bekamen Siegfried Kayser aus Prieros und Gerhard Weihrauch aus Lübben.

Im Kammerbezirk sind neun freie Lehrstellen gemeldet, allerdings nicht aus Dahme-Spreewald. Die theoretische Fleischer-Ausbildung findet in Leipzig statt. In Berlin und Brandenburg gibt es solche Angebote nicht mehr.

Von Frank Pawlowski

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