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Königs Wusterhausen Geschichte einer Flucht
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11:09 22.09.2018
Paul Nkamani und Anna Spangenberg beim Filmgespräch im Capitol-Kino in Königs Wusterhausen. Quelle: Gerlinde Irmscher
Königs Wusterhausen

Die Befürchtung von Anna Spangenberg vom Aktionsbündnis Brandenburg, das das Kino „Capitol“ in Königs Wusterhausen am Donnerstagabend leer bleiben könnte, war umsonst. Viele waren gekommen, um sich den Film „Als Paul über das Meer kam“ anzusehen. Der Dokumentarfilmer Jakob Preuss begegnete dem Flüchtling aus Kamerun in einem Camp im Norden Marokkos und dokumentierte seinen Weg bis nach Eisenhüttenstadt. Es entstand ein Film über Freundschaft, aber auch über Abhängigkeiten und Erwartungen. Das Aktionsbündnis Brandenburg mit seiner Kampagne „Schöner Leben ohne Nazis“ hatte eingeladen und Paul Nkamani mitgebracht.

„Ich freue mich sehr, dass Sie die letzte Veranstaltung dieser Aktion in Königs Wusterhausen machen. Danke auch an Familie Jurk, die das Kino immer wieder für solche Aktionen zur Verfügung stellt“, sagte Carsten Saß (CDU), Dezernent für Soziales, Gesundheit, Jugend und Kultur im Landkreis. Da der Film viel mit Heimat zu tun hat, habe er nachgedacht, was Heimat ist beziehungsweise für ihn bedeutet. „Für mich ist Heimat dort, wo man sich trifft, nicht unbedingt einer Meinung ist, sich aber gegenseitig respektiert“, so Saß.

Ausreise für Studium im Ausland verweigert

Ob seine Familie den Film gesehen hat und was sie dazu gesagt hat, lautete eine der Fragen an Paul Nkamani in dem Filmgespräch nach der Vorführung. „Meine Mutter ist schwer krank und darf ihn nicht sehen. Nur meine kleine Schwester hat den Trailer gesehen“, erzählte Paul Nkamani.

„Was war der Grund, deine Heimat zu verlassen?“, wollte ein Besucher von ihm wissen. „Ich wäre gerne in meiner Heimat geblieben, aber sie hat mir keine Chance gegeben“, sagte Paul Nkamani und dass er nicht wisse, wie er mit den sozialen Problemen in seinem Land umgehen soll. Er erzählte, dass er sein Studium abbrechen musste, weil er in einer Studentenbewegung war. Als er ein Stipendium für ein Studium im Ausland bekam, sei ihm die Ausreise verweigert worden.

Paul Nkamani arbeitet als Pflegehelfer

Jetzt, ein Jahr nach dem der Film auf die Leinwand kam, wartet Paul Nkamani immer noch auf die Entscheidung über sein Asylverfahren, das in erster Instanz abgelehnt wurdet. Sein Rechtsanwalt hat Widerspruch eingelegt. „Aber er meint, ich habe keine Chance, da ich nicht aus einem Land komme, wo Krieg ist“, sagt der 39-Jährige. Nach einem Freiwilligendienst arbeitet er seit fast zwei Jahren als Pflegehelfer. Die Stelle ist unbefristet. „Ich bezahle meine Miete selbst und bezahle auch Steuern“, berichtete er.

Chris Wochnik aus Deutsch Wusterhausen zählt zu den Stammgästen im „Capitol“ und ließ sich auch den Film über Paul Nkamani nicht entgehen. „Schließlich ist es ein aktuelles Thema und es ist gut, mal ein Einzelschicksal zu sehen“, sagte sie. „Es war einmal gut, so eine zurückhaltende Dokumentation und ehrliche Darstellung zu sehen“, sagte Benjamin Weichert. Sie könne das Interesse der Leute für das Flüchtlingsthema wecken. Information sei nun einmal das A und O.

Von Gerlinde Irmscher

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