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Königs Wusterhausen So werden Gemälde restauriert
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12:09 09.10.2018
Restauratorin Anja Lindner-Michael aus Königs Wusterhausen arbeitet gerade an diesem Ölgemälde aus dem 19. Jahrhundert. Quelle: Frank Pawlowski
Königs Wusterhausen

Ihre Arbeit erkennt der Betrachter bestenfalls gar nicht. „Eine gute Restaurierung ist unsichtbar“, sagt Anja Lindner-Michael. Wie das geht, erfahren Besucher am 14. Oktober in ihrem Königs Wusterhausener Atelier in der Erich-Kästner-Straße 12.

Europäischer Tag der Restaurierung

Die 31-Jährige Diplom-Restauratorin beteiligt sich am ersten Europäischen Tag der Restaurierung und gibt von 12 bis 16 Uhr einen seltenen Einblick in ihre Tätigkeit. Gerade arbeitet sie an einem Gemälde aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Es soll die Schwester des deutschen Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe zeigen. „Vornehme Weimarer Dame im schwarzen Kleid“ nennt Anja Lindner-Michael das namenlose Bild. Es ist ihr Arbeitstitel.

Spezialisiert auf Gemälde

Gemälde sind ihre Spezialität. Fünf Jahre studierte sie in Dresden, wie Gemälde konserviert und restauriert werden. Seit 2013 arbeitet die Königs Wusterhausenerin freiberuflich. „Eine Anstellung im Museum zu bekommen, ist fast unmöglich“, sagt sie. Im Moment ist die Auftragslage gut, nachdem es in der ersten Jahreshälfte eine längere Durststrecke gab.

Restauratorin Anja Lindner-Michael aus Königs Wusterhausen öffnet am 14.10.2018 zum 1. Europäischen Tag der Restaurierung ihr Atelier für Besucher. Quelle: Frank Pawlowski

Die Schönheitskur für die Weimarer Dame ist ein privater Auftrag. Das Ölgemälde hat unübersehbar gelitten. An den Rändern ist es teilweise ausgefranst. Die Leinwand wirft Falten. Aber auch am Bild selbst gäbe es einiges zu tun, so die Expertin. „Der Auftraggeber war unglücklich, weil es sehr dunkel geworden ist mit der Zeit.“ Das liegt nicht nur an einer Schmutzschicht, die sich gebildet hat. Es wurde teils großflächig übermalt.

Sichtbarer Unterschied

An einer kleinen Stelle über dem Ausschnitt des Kleides hat Anja-Lindner das Bild gesäubert und das die originale Schicht freigelegt. Sie ist viel heller. Der Unterschied wird schlagartig sichtbar. Der Eigentümer muss nun entscheiden, ob mit der Restaurierung der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt oder ob das Bild die Patina behalten soll.

Ausdrucke des Damen-Gemäldes hängen an der Wand. Quelle: Frank Pawlowski

Den Atelierbesuchern wird Anja Lindner-Michael erklären, wie sie das Kunstwerk bearbeitet. Außerdem zeigt sie Dokumentationen ihrer bisherigen Arbeiten. Darunter ist ihre Diplomarbeit, für die sie das Bild „Heinrich der Fromme“ von Christoph Lindemann restauriert hat. Es stammt von 1616 und ist im Stadt- und Bergbaumuseum in Freiberg zu sehen. Das Gemälde ist das älteste Kunstwerk, das sie bisher bearbeitete. Das größte war ein Rom-Panorama, das Friedrich Loos 1850 malte. Anja Lindner-Michael hat es für eine Ausstellung der Alten Nationalgalerie bearbeitet.

Kaputtes Tiergemälde wieder schick

Eine der aufwändigsten Arbeiten war ein Tier-Gemälde von 1920. Es stand Jahrzehnte in einem Schuppen, war von Schrotkugeln durchlöchert und generell in einem bedauernswürdigen Zustand. „Bei einem Auto würde man sagen, das ist ein Totalschaden.“ Die Königs Wusterhausenerin hat ihn tatsächlich reparieren können.

Arbeitsecke im Atelier. Quelle: Frank Pawlowski

Nicht nur handwerklich und künstlerisch sind Restauratoren gefordert. Die Recherche zu historischen Hintergründen von Gemälden findet Anja Lindner-Michael mindestens genauso interessant. „Sehr schön ist es auch, wenn ich Aufzeichnungen des Künstlers zu einem Kunstwerk finde. Dann kann ich seine Absichten besser verstehen.“

Der Restauratorinnen-Blick

Allerdings kann Anja Lindner-Michael den Restauratorinnen-Blick nur noch schlecht ausschalten. „Ich muss mich dazu zwingen, Kunst als Kunst zu genießen, ohne nach Fehlern suchen.“ Das ist einer der wenigen Nachteile ihres Traumberufs.

14. Oktober, 12-16 Uhr, Erich-Kästner-Straße 12, Königs Wusterhausen

Von Frank Pawlowski

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