Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Königs Wusterhausen Behutsame Annäherung an Geschichte
Lokales Dahme-Spreewald Königs Wusterhausen Behutsame Annäherung an Geschichte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:21 08.07.2018
Nach dem Treffen mit Zeitzeuge Arnold Mosshammer kamen die Schüler mit Dietmar Schultke (M.) zu einem Vortrag nach Märkisch Buchholz. Quelle: Karen Grunow
Anzeige
Märkisch Buchholz

Am Morgen waren die Schüler zunächst in Halbe unterwegs, trafen Arnold Mosshammer, der als Zeitzeuge seine Erinnerungen an die Kesselschlacht von Halbe im April 1945 berichtete. „Da hat man viel erfahren“, sagt Robin später im Literatur- und Begegnungszentrum „Franz Fühmann“ in Märkisch Buchholz. Der Sechstklässler ist mit seinen Mitschülern vom Friedrich-Schiller-Gymnasium in Königs Wusterhausen ins Schenkenländchen gekommen. Dietmar Schultke, als Referent für historische Bildung sowohl für den gesamten Landkreis Dahme-Spreewald als auch direkt im Amt Schenkenländchen angestellt, hat für die Begabtenklasse einen besonderen Projekttag vorbereitet. „Meine Aufgabe ist es, unter anderem die historische Bildung mit aktuellen Themen zu verbinden“, erklärt er.

Alle hören still zu

Weit greift er in die Geschichte, geschickt bis in die Entstehung der Menschheit zurück, um ihnen dann zu erzählen, wie die Nationalsozialisten zwischen 1933 bis 1945 bewusst Menschen ausgegrenzt, verfolgt, ermordet haben. Er erzählt von Anne Frank, zeigt Fotos von ehemaligen Konzentrationslagern. Die Mädchen und Jungen hören still zu, als Schultke versucht, ihnen all dies behutsam zu erklären. Im Schulunterricht waren Holocaust und Zweiter Weltkrieg bislang noch kein Thema.

Mit Zeitzeugen sprechen

Doch Lehrerin Beatrix Koebernik versucht dennoch immer wieder, das Thema anzuschneiden. Umso mehr freut es sie, dass es im Landkreis die Möglichkeit gibt, im Rahmen eines Projektes mit Zeitzeugen wie Mosshammer ins Gespräch zu kommen, Orte wie Halbe und eben Märkisch Buchholz besuchen zu können, an denen durch die Kriegsgräberstätte Waldfriedhof in Halbe oder die noch immer sichtbaren Spuren der massiven Kampfhandlungen zu Kriegsende in und um Märkisch Buchholz Geschichte authentischer vermittelt werden kann. „Es gefällt mir richtig gut, es ist gut gemacht“, sagt sie.

Förderbereich für Gedenkstätten-Fahrten

Und auch Gertrud Schmidt lobt den Tag. Arnold Mosshammer habe die Kinder auch dadurch sehr direkt angesprochen, weil er immer wieder seine Erinnerungen einleitete mit den Worten: „Als ich in eurem Alter war...“. Schmidt ist als Sozialarbeiterin für den Landkreis zuständig für Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit und Jugendschutz. Förderanträge wie der von Dietmar Schultke für das Projekt mit den jungen Königs Wusterhausener Gymnasiasten landen unter anderem bei ihr. Deshalb hat er sie nun eingeladen, einfach mal mitzuerleben, wie so ein Tag ablaufen kann. „Mir liegt das sehr am Herzen, gerade die historische Bildung“, betont Gertrud Schmidt. Der Landkreis habe extra auch einen Förderbereich für Gedenkstätten-Fahrten eingerichtet.

Fahrt nach Cottbus

Eine solche plant Dietmar Schultke vom 13. bis zum 17. August. Dann wird er mit Jugendlichen ins ehemalige Zuchthaus nach Cottbus fahren, wo sich seit 2012 ein Menschenrechtszentrum befindet. „Die Fahrt ist so gut wie ausgebucht. Doch in den Herbstferien vom 22. bis zum 26. Oktober wird diese wiederholt“, berichtet Schultke. Anmelden können sich dafür Zwölf- bis 18-Jährige, die Teilnahme kostet insgesamt nur 50 Euro, da der Landkreis diese Fahrt unterstützt.

Projekttag mit ARD-Korrespondenten

Auch Oliver Theel, der amtierende Amtsdirektor des Schenkenländchens, ist an diesem Tag in Märkisch Buchholz dabei. Denn angestellt ist Schultke nicht nur als Sozialarbeiter beim Landkreis, sondern teilweise eben auch direkt im Amt. Hier hat er sein Büro, und er kann Orte wie das Märkisch Buchholzer Literatur- und Begegnungszentrum nutzen, den Waldfriedhof in Halbe, die informativen Stelen dort im Ort und die erst kürzlich eingeweihte historische Wanderstrecke „Dunkler Weg“ mit Zeitzeugenberichten bei Märkisch Buchholz einbinden. „Wir unterstützen das, so gut wir können“, betont Theel, „um diese Gegend auch ein bisschen bekannter zu machen.“ Für Anfang September organisiert Schultke einen Projekttag über das Ende des Zweiten Weltkrieges gemeinsam mit der Grund- und Oberschule Schenkenland. Dazu wird ARD-Korrespondent und Regisseur Klaus Scherer erwartet.

Projekt läuft weiter

Für die Königs Wusterhausener Gymnasiasten läuft das Projekt im Oktober weiter. Sie werden an sich selbst beobachten, wie manchmal – vielleicht im Spiel – andere ausgegrenzt werden, was Ursachen von Rangeleien und Aggressionen sind. Und dann auch darüber sprechen, wie populäre Musik gewaltverherrlichend wirken kann, um künftig solche Lieder stärker zu hinterfragen.

Besuch auf dem Jüdischen Friedhof

Bei ihrem ersten Projekttag in Märkisch Buchholz besuchen sie zum Schluss noch den Jüdischen Friedhof, um dort die eigens von Schülern im vergangenen Herbst gepflanzten Friedensbuchen zu gießen. „Mir hat es sehr gefallen“, kommentiert Eric den Tag später, als die Klasse schon wieder am Bahnhof in Halbe steht, um nach Königs Wusterhausen zurückzufahren. „Weil wir noch mal viel mehr über die Sachen gelernt haben“, sind er und seine Mitschüler beeindruckt.

Von Karen Grunow

Eine Stellungnahme des Kreises könnte den Standort-Streit um den Schulneubau in Senzig beenden. Sie sorgt zumindest für Klarheit vor der Entscheidung im Königs Wusterhausener Stadtrat.

07.07.2018

Aufruhr am Wilhelm-Gymnasium in Königs Wusterhausen: Ein Schüler erlaubte sich zum letzten Schultag offenbar einen schlechten Scherz. Die Polizei gab Entwarnung und ermittelt wegen Vortäuschens einer Straftat.

07.07.2018

Die Rückzahlung von Beiträgen für alte Wasser- und Abwasseranschlüsse lässt im Verbandsgebiet des MAWV auf sich warten. Die größte Mitgliedskommune Königs Wusterhausen vertagte einen Beschluss.

07.07.2018
Anzeige