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Königs Wusterhausen Psychosozialer Verein feiert Jubiläum
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02:18 31.05.2018
Monika Domdai (l.) mit Lebenswelten-Mitarbeiterin Dana Rasenack: Muffins-Backen für die Freitags-Kaffeerunde aller Besucher. Quelle: Andrea Müller
Königs Wusterhausen

Die Kontakt- und Beratungsstelle Lebenswelten feiert seit Montag bis zum 1. Juni mit der Woche der Begegnung ihr 25-jähriges Bestehen. Sie ist Anlaufstelle für Menschen, die an einer psychischen Erkrankung wie Depression, Burnout oder Ängsten leiden. Angefangen hatte alles 1993.

Kurz nach der Wende sollte sich auch in der Psychiatrie vieles ändern. Vor allem aber wollte man davon abrücken, dass betroffene Menschen über Wochen und manchmal auch Monate oder Jahre in Krankenhäusern verbrachten. „Ambulant vor stationär“ war die neue Losung, für die sich vor allem Gründungsmitglied Marlies Kanthak stark machte. Sie ist bis heute im Vorstand. Die Losung wurde mit dem psychosozialen Hilfsverein Realität. „Jedes Jahr haben wir 6500 Kontakte“, sagt Ilka Feierabend, Mitarbeiterin bei Lebenswelten. 90 Frauen und Männer besuchten regelmäßig die Kontakt- und Beratungsstelle. Sie seien längst nicht mehr nur aus Königs Wusterhausen, wo der Verein Am Amtsgarten 6 seinen Sitz heute hat. „Unsere Besucher kommen aus Wildau, Eichwalde, Ludwigsfelde, Wünsdorf und vielen anderen Orten in den beiden Landkreisen“, berichtet Feierabend.

Der Verein Lebenswelten in Königs Wusterhausen feiert mit der Woche der Begegnung 25 Jahre seines Bestehens. Quelle: Andrea Müller

Wachsener Druck

Eine von ihnen, die mindestens zweimal in der Woche zu Gast ist, ist Gerda Schneider (Name von der Redaktion geändert). Früher, da war sie fit wie ein Turnschuh, liebte ihre Arbeit im Büro, lernte Fremdsprachen, engagierte sich und spielte mit Leidenschaft Klavier. Sie hatte Familie und ein Haus. Dann lief es in der Beziehung nicht mehr. Sie verließ ihren Partner. Kurz darauf konnte das Haus nicht mehr gehalten werden. Neben all diesen Belastungen sollte es in der Arbeit weiter normal laufen. Gerda gab alles, doch immer mehr Akten türmten sich auf ihrem Schreibtisch, die unbearbeitet blieben. Sie versuchte, dies zu kaschieren. Statt eines hohen Stapels gab es zwei kleinere, dann waren es drei, vier ... zehn. Ärger mit den Vorgesetzten setzte ein. Der Druck wuchs. Doch die Aktenberge auch. Irgendwann ging es nicht mehr. Zuhause nicht und nicht auf der Arbeit. Plötzlich schaffte sie es kaum noch, am Morgen aufzustehen. Das Frühstück fiel aus, das Mittagessen, das Abendbrot. Gerda kam in eine Klinik. Man half ihr. Sie kehrte wieder nach Hause zurück. Doch bald folgte wieder ein Krankenhausaufenthalt, noch einer und noch einer. Bis sie zu Lebenswelten fand. Jetzt ist Gerda Schneider schon lange nicht mehr in der Klinik gewesen. Es geht ihr gut, auch wenn nicht alles perfekt ist.

Vielfältige Angebote

Oder Carola Bergt (Name geändert), die ebenfalls mit einer schweren Depression kämpfen musste, die dachte, dass das Leben keinen Sinn mehr hat. Sogar berentet sollte sie werden. Doch sie sagte ab, begann stattdessen eine Berufsausbildung. Dann lernte sie jemanden kennen. „Heute ist sie glücklich“, wissen die, die ihr in der schweren Zeit bei Lebenswelten geholfen haben: mit Gesprächen, mit Angeboten von basteln bis singen, von kochen bis tanzen und mehr. „Es gibt so viele rührende Geschichten. Jeder, der hierher kommt, bringt ja seine eigene Lebenswelt mit“, so Feierabend.

Von Montag bis Freitag ist die Kontakt- und Beratungsstelle ab 9 Uhr geöffnet – in der Regel bis 17 Uhr. Nur Freitag ist schon um 16 Uhr Schluss. Geleitet wird sie heute von Jörg Seiferth-Schulz, der Vereins-Vorsitzender ist und zugleich Psychologe. Er kann pro Woche zehn Stunden mit Besuchern sprechen, ihnen fachliche Hilfe und Unterstützung geben. Dazu kommt Teamchefin Angelika Keil, die quasi zu den Pionieren der ersten Stunde zählt. Sie wird aber in naher Zukunft in Rente gehen.

Den Tag strukturieren und ihm Sinn geben- auch mit Stickbildern. Quelle: Andrea Müller

„Der erste Schritt hierher ist der allerschwerste“

Schon jetzt hat Dana Rasenack einen Teil ihrer Stunden übernommen und wird später ganz in die Stelle von Angelika Keil hinein schlüpfen. Sie half auch Monika Domdai beim Backen der Muffins für die Abschluss-Kaffeerunde, die jeden Freitag stattfindet, bevor die Besucher nach Hause gehen. Es wird auch selbst gekocht, was keine einfache Aufgabe ist, wenn schließlich um die 20 Leute am Tisch sitzen. „All das gibt den Menschen hier Struktur, Aufgaben und das Gefühl, gebraucht zu werden“, berichten Ilona Szafranski und Annette Lux. Beide besuchen die Beratungsstelle schon seit einigen Jahren und wissen, wovon die Rede ist. Die beiden Frauen sind heute im Verein zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. Szafranski leitet darüber hinaus die Bastelgruppe. So übernehmen Menschen, die selbst einst Hilfe brauchten, jetzt, wo sie sich besser fühlen, Aufgaben, um für die anderen da zu sein, die neu sind.

„Der erste Schritt hierher ist der allerschwerste“, weiß Ilka Feierabend. Manche berichteten, sie hätten vorher fünfzig Mal den Wochenplan am Eingang studiert, ehe sie sich trauten. Der Ständer mit den Flyern gleich hinter der Eingangstür sei eine kleine Hilfe, bevor es ganz hinein geht. „Hier kann man erst einmal stehen und beim Lesen der Broschüren beobachten, wie es hier so zugeht“, erläutert Feierabend.

Schritt zurück ins Leben

Die meisten, die es bis in die Räume geschafft haben, bereuten es nicht. Für die Mehrzahl war es der Weg zurück ins Leben. Und nicht nur ihnen wurde geholfen, sondern auch oft ihren Familien. In den Angehörigengruppen konnten diese mehr erfahren über das Leid ihres lieben Menschen, trafen andere mit ähnlichen Problemen und fanden wieder Kraft, mit all dem umzugehen. Die Vernetzung zwischen ihnen sei genauso wichtig wie unter den direkt Betroffenen. „Es ist immer wieder toll zu erfahren, wenn sich Besucher anfreunden und sich auch an den Wochenenden verabreden, wenn die Türen bei Lebenswelten geschlossen sind“, sagt Feierabend. Oftmals seien es auch die Grüppchen, die gemeinsam in den Urlaub fahren, denn auch das bietet Lebenswelten an. In diesem Jahr geht es für die Rüstigeren ins Allgäu, für die anderen an die Ostsee.

All das kostet Geld. Zu knapp 75 Prozent werden die Kosten vom Landkreis übernommen, knapp 25 Prozent übernimmt das Land Brandenburg. Den Rest von etwa einem Prozent muss der Verein selbst stemmen. Für das Essen, für Materialien, für Transporte wird von den Besuchern ein geringer Obolus verlangt. Auch die Stadt Königs Wustehausen kommt dem Verein entgegen, denn Lebenswelten kann das Haus Am Amtsgarten mietfrei nutzen. Jedenfalls bis 2022 sei das so geregelt, erläutert Feierabend. Danach werde neu mit der Stadt verhandelt.

Tag der offenen Tür am 29. Mai

Die Besucher freuen sich auf die Woche der Begegnung, die in diesem Jahr eine Geburtstagswoche sein wird. Eine Reihe von Veranstaltungen wurde dafür vorbereitet. Am heutigen 29. Mai gibt es einen Tag der offenen Tür. „Das ist eine gute Gelegenheit bei uns mal rein zu schauen. Wir sind ja auch nur Menschen“, sagen die beiden Verantwortlichen für die Öffentlichkeitsarbeit. Zu oft erlebten die Besucher aufgrund ihrer psychischen Einschränkungen eine Stigmatisierung, würden abgestempelt, für verrückt erklärt. Einer, der das gut erklären kann, ist Peter Mannsdorff. Mit seinem Buch „Party im Kopf“ zeigt er, wie es diesen Menschen geht und widerlegt zugleich auf humorvolle Weise, was „Normale“ so im Kopf haben, wenn sie an Menschen denken, die bei Lebenswelten ein und aus gehen. Er liest heute um 14 Uhr.

Am Donnerstag, dem 31. Mai, beginnt um 14.30 Uhr die große Geburtstagsfeier. Erwartet werden dann auch LDS-Landrat Stephan Loge (SPD) und Sozialdezernent Carsten Saß (CDU). Sie haben ihr Kommen inzwischen zugesagt, teilte Pressesprecherin Heidrun Schaaf mit. Erscheinen wird aus Anlass des 25-jährigen Bestehens von Lebenswelten auch eine Chronik, die vor allem von Marlies Kanthak, Susanne Koch und Viola Wachs zusammen getragen wurde.

Von Andrea Müller

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