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Konstruktionsfehler am Turnhallendach

Zeuthen Konstruktionsfehler am Turnhallendach

Der Schaden am Turnhallendach der Grundschule am Wald ist ein Konstruktionsfehler. Das ist das Ergebnis des Sonderausschusses zur Schadensursache. Der falsche Farbanstrich und die andere Holzgüteklasse vergrößern das Schadensbild. Wegen Verjährung wird von einer Klage der Gemeinde abgeraten.

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Am Donnerstag hatte der Sonderausschuss Gutachter, Rechtsbeistand der Gemeinde, Bürgermeisterin und Amtsleiterin geladen.

Quelle: Oliver Becker

Zeuthen. Lange mussten Bauverwaltung, Gemeindevertreter und Eltern auf den gutachterlichen Abschlussbericht zum Schaden am Turnhallendach der Grundschule am Wald in Zeuthen warten. Am Donnerstag nahm Gutachter Mario Koch im Sonderausschuss schließlich zum kürzlich vorgelegten Abschlussbericht Stellung. Demnach ist der Schaden am Dach ein Konstruktionsfehler, der bereits bei der Planung durch den Architekten erfolgt sei. Die Halle war am 4. Oktober 2016 geschlossen worden. Wegen der Innenfäule im Holz konnte die vorgeschriebene dreifache Tragfähigkeit der Dachkonstruktion rechnerisch nicht mehr nachgewiesen werden. Nachdem Stützelemente angebracht und das Dach wieder gesichert wurden, wurde die Halle Anfang des Jahres wieder in Betrieb genommen. Die Sanierung steht noch aus. Der Sonderausschuss, der Schadensursache und mögliche Fehler im Verfahrensablauf ergründen will, hatte am Donnerstag neben Gutachter Koch auch den Rechtsanwalt Frank Boermann, Bürgermeisterin Beate Burgschweiger (SPD) und Amtsleiterin Erika Brüsehaber geladen.

„Die Ursache des Schadens ist die Konstruktion an sich“, sagte Koch. „An den Fachwerkknoten schließen eine Diagonale und ein Stiel an. Hier läuft seit 22 Jahren das Wasser herunter und dazwischen sammelt sich im Winter der Schnee und sickert, wenn er schmilzt, in den offenen Knoten ein“, sagte der Gutachter. Die Hälfte des Knotens liege außerhalb des Gebäudes, was dazu führe, dass das Holz zudem ständig Tauwasser aufnehme. Dennoch spräche das geringe Ausmaß von Rissen und Verformungen nicht dafür, dass das Tragwerk bald zusammenbricht. Darüber hinaus sei bei der Dachkonstruktion eine schlechtere Holzgüteklasse verbaut worden als angenommen und vor 22 Jahren beauftragt. Sie führe dazu, dass ursprüngliche Lastreserven schneller ausgereizt sind. Durch die Innenfäule und das gespeicherte Wasser im Holz sei das Dach schwerer. Die Konstruktion sei mit Blick auf die Belastungsfähigkeit daher an seiner Grenze.

Außenbalken müssten abgedeckt werden

Koch stellte aber klar, dass wegen der fehlerhaften Konstruktion der Schaden auch bei Einbau der besten Holzgüteklasse im Laufe der Zeit entstanden sei. Darüber hinaus sei der falsche aufgebrachte Farbanstrich nicht die Schadensursache, wie zuvor noch von einigen Ausschussmitgliedern und dem vorigen Gutachter angenommen. Verwendet worden war ein Anstrich, der die Feuchtigkeit einschließt und die Innenfäule begünstigte. Dagegen soll im Innenbereich das Holz atmen und Feuchtigkeit wieder abgeben können. „Der Anstrich ist ein Glücksfall, da dadurch der Schaden deutlicher in Erscheinung und früher zutage getreten ist, als mit einer für Innenholz üblichen Lasur“, sagte Koch. Für die Sanierung empfahl er eine Prüfung verschiedener Varianten, die derzeit läuft. „Das Problem bekommt man nur in den Griff, wenn man den Dachüberstand so weit herüberzieht, dass er die Außenbalken abdeckt, um eine geringe Wasserbeansprung zu haben“, sagte Gutachter Koch.

Für Diskussionsstoff sorgte erneute die Frage, ob die Halle nicht bereits früher von der Verwaltung hätte gesperrt werden müssen. „Die Verwaltung hat korrekt gehandelt“, sagte Burgschweiger. „Wie empfohlen, wurde schnell ein Experte für Fachwerkkonstruktionen zu Rate gezogen“, sagte Brüsehaber. Auch eine mögliche Klage der Gemeinde wurde erörtert. Trotz des Konstruktionsmangels, der Mitverantwortung der ausführenden Baufirma und der falsch verwendeten Holklasse schätzt Rechtsanwalt Boermann den Erfolg einer Klage als gering ein. „Die Klagefrist ist bereits im Jahr 2012 – zehn Jahre nach dem Bau der Halle – abgelaufen“, sagte er. Zudem fehlten die nötigen Unterlagen über Auftragsvergaben aus dieser Zeit. Künftig will die Gemeinde mit Gebäudeschäden sensibler umgehen. „Wir sind dabei, uns besser aufzustellen“, so Brüsehaber. Ein Leitfaden für Rundgänge werde erarbeitet, Begehungsprotokolle angefertigt, fachliche Expertise hinzugezogen, Gebäudeakten angelegt und Archivakten länger aufbewahrt sowie eine Fachkraftstelle für diesen Bereich geschaffen.

Der Ausschuss will die Variantenprüfung begleiten, um eine Empfehlung für die Gemeindevertretung abzugeben.

Von Oliver Becker

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