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Kreis ist Vorreiter im Land

Präventionskonzept für sichere Flüchtlingsunterkünfte Kreis ist Vorreiter im Land

Als erster Landkreis im Land Brandenburg kann Dahme-Spreewald jetzt ein Präventionskonzept „Sichere Flüchtlingsheime“ vorweisen. Es wurde am Dienstag in Königs Wusterhausen von Landrat Stephan Loge (SPD), dem Leiter der Polizeiinspektion Christian Hylla sowie vom Leiter des Amtsgerichts Matthias Deller unterzeichnet.

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Das Konzept unterschrieben Christian Hylla, Stephan Loge und Matthias Deller (v.l. ) in der Polizeiinspektion Königs Wusterhausen.

Quelle: Franziska Mohr

Königs Wusterhausen. Bisher einzigartig im Land Brandenburg unterzeichnete am Dienstag Landrat Stephan Loge (SPD) während einer Pressekonferenz ein gemeinsames Präventionskonzept „Sichere Flüchtlingsheime“, das das enge Zusammenwirken der Kreisverwaltung mit der Polizeiinspektion sowie dem Amtsgericht Königs Wusterhausen bei der Integration von Flüchtlingen offiziell besiegelt. Der Leiter der Polizeiinspektion Dahme-Spreewald, Christian Hylla, sagte, dass sich aufgrund der kulturellen Unterschiede gezeigt habe, dass Behörden ebenso wie Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte im Umgang mit Flüchtlingen vor den gleichen Herausforderungen stehen.

Hylla verschwieg nicht, dass die Polizei derzeit an jedem Wochenende, wenn die Sozialarbeiter nicht anwesend sind, bei zwei bis drei Einsätzen Konflikte in Flüchtlingsheimen der Region schlichten muss. „Dabei geht es nicht um Glaubenskriege, sondern meist um banale Alltagsprobleme wie die Nutzung der Gemeinschaftsküche“, sagt er. Zu den Einsatzerfahrungen der vergangenen Monate gehört dem Leiter der Polizeiinspektion zufolge aber auch, dass eine Rettungsärztin bei der Reanimation eines Kleinkindes in einer Flüchtlingsunterkunft weggedrückt wurde. Ihre medizinischen Kenntnisse als Frau wurden nicht wertgeschätzt.

Als problematisch erweisen sich dem Bericht zufolge auch die fehlenden Kenntnisse der Flüchtlinge beim Brandschutz. Rauchmelder sind demnach vielfach völlig unbekannt, sodass die Batterien daraus einfach entfernt werden. Der Kreisfeuerwehrverband setzt dem künftig einen Comic entgegen, der die wichtigsten Verhaltensregeln beim Brandschutz umfasst.

Möglichen Konflikten wollen Landkreis, Polizei und Gericht präventiv durch Aufklärung sowie die Vermittlung hiesiger Werte begegnen. Vorbeugend wird der Dialog der Kulturen gesucht. Es geht um Gespräche über das Leben in Deutschland einschließlich des hiesigen Arbeits- und Freizeitverhaltens sowie um die Gleichberechtigung der Frau. Unter dem Thema „Nähe, Liebe und Sex“ wird auch die sexuelle Selbstbestimmung nicht ausgespart. In diesem Zusammenhang unterstrich der Leiter des Amtsgerichts Königs Wusterhausen, Matthias Deller: „Straftaten von und gegen Flüchtlinge spielen am Amtsgericht derzeit keine Rolle.“ Auch sexuelle Übergriffe sind weder im Landkreis noch bei Polizei oder Gericht bekannt. Nicht wenige Flüchtlinge weisen Deller zufolge aufgrund ihrer traumatischen Erfahrungen aber psychische Auffälligkeiten auf. „Außerdem sind die meisten Flüchtlinge rechtsstaatliche Legastheniker“, sagt Deller.

In einer ehrenamtlichen Initiative bieten Richter des Amtsgerichts daher bereits in den Flüchtlingsheimen Gesprächskreise zum Thema „Rechtsstaat und Grundgesetz“ an, die vor allem die Menschenrechte, die Religionsfreiheit sowie die freie Entfaltung der Persönlichkeit berühren.

Zum Präventionskonzept gehören auch Veranstaltungen mit Anwohnern von Asylunterkünften. Hier geht es um Fragen wie „Wer darf bleiben und wer muss gehen?“ oder „Bund, Länder und Kommunen – wer zahlt was für die Flüchtlinge?“. Sichtlich erleichtert meinte der Landrat: „So widerliche Vorfälle wie jüngst in Clausnitz gab es und gibt es hoffentlich auch künftig nicht im Landkreis.“

Von Franziska Mohr

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