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Dahme-Spreewald „Künstler docken in ihren eigenen Kreisen an“
Lokales Dahme-Spreewald „Künstler docken in ihren eigenen Kreisen an“
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00:19 11.08.2017
Das Atelier der Bildhauerin Franziska Gußmann in Oehna. In dem Flämingort haben sich in den vergangenen Jahren mehrere Künstler unterschiedlicher Sparten niedergelassen, wie Margitta Wünsche im Interview berichtet. Quelle: Karen Grunow
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Dahmeland-Fläming

Margitta Wünsche (65) ist seit 1989 zuständig für die Kulturförderung im Landkreis Teltow-Fläming. Carsten Saß (45, CDU) ist Dezernent für Bildung und Kultur im Landkreis Dahme-Spreewald.

Welchen Stellenwert haben Künstler und Kulturschaffende für Ihren jeweiligen Landkreis?

Margitta Wünsche: Ich denke schon, dass die Kultur in Teltow-Fläming im Allgemeinen einen hohen Stellenwert hat, auch dank der Arbeit des Amtes für Bildung und Kultur, das sich seit Jahren für ihre Förderung einsetzt. Auch im Kreishaus in Luckenwalde selbst haben Kunst und Kultur ihren festen Platz mit unseren Ausstellungen und Veranstaltungen.

Carsten Saß: Die Künstler leisten einen entscheidenden Beitrag für die Attraktivität der Region, etwa für den Tourismus, aber auch für das Selbstverständnis. Ich denke da an Initiativen wie die Chorgemeinschaft Eichwalde, den Kulturverein in Zeuthen, den Freundeskreis Schlösser und Gärten der Mark oder den Kulturbund Dahme-Spreewald mit Sitz in Königs Wusterhausen. Mir fallen auch viele einzelne Künstler ein, die die Region bereichern. Aber einen zu nennen, hieße, etliche andere nicht zu nennen. Einen guten Überblick liefert da unser Kulturadressführer Ateliers und Werkstätten.

Wie sieht die Kulturförderung in Ihren Landkreisen konkret aus?

Wünsche: Zum einen bieten wir Künstlern die Möglichkeit auszustellen, sowohl hier im Kreishaus als auch in der Neuen Galerie in Wünsdorf, die ebenfalls eine Einrichtung des Kreises ist. Zum anderen fördern wir Projekte von Künstlern finanziell. Das Budget dafür beträgt insgesamt 90 000 Euro. Außerdem organisieren, finanzieren und publizieren wir die landesweite Aktion „Offene Ateliers“.

Saß: Wir haben eine Kulturförderung mit einem Budget von knapp 50 000 Euro im Jahr, für die sich jeder bis zum Oktober für das folgende Jahr bewerben kann. Das Geld kann für Kulturprojekte aller Art genutzt werden, seien es Probewochenenden für Chöre, seien es Werkausgaben oder -verzeichnisse einzelner Künstler. Darüber hinaus stehen wir gern für Vernetzungsrunden mit anderen Künstlern zur Verfügung.

Welche Ansprüche stellt der Kreis bei der Förderung?

Wünsche: Da gibt es verschiedene Kriterien. Ein Projekt sollte eine gewisse Außenwirkung haben, also über den Kreis hinaus Besucher anlocken. Das ist zwar keine Grundvoraussetzung, aber wir begrüßen es natürlich, wenn ein Projekt den Tourismus beflügelt, damit die Förderung auch dem Landkreis etwas bringt. Auch sollte es zur kulturellen Bildung beitragen und die regionale Identität stärken.

Saß: Wir maßen uns nicht an, zu entscheiden, was Kunst ist. Wir fördern auch nicht nur Künstler, die beim Brandenburgischen Verband Bildender Künstler engagiert sind. Es gibt dort ja keine Zwangsmitgliedschaft wie bei der IHK. Insofern sagt die Mitgliedschaft nichts über die Wertigkeit der Kunst. Es kann sich grundsätzlich jeder bewerben, wir sehen uns vor allem bei Projekten von regionaler Bedeutung in der Pflicht.

Woran messen Sie die Bedeutung eines Projekts?

Saß: Vor allem an der Besucher- und Öffentlichkeitsrelevanz. Manchmal geht es aber auch darum, zarte Pflänzchen in bestimmte Regionen zu setzen, wo es aus unserer Sicht sinnvoll und notwendig ist. Gerade den Norden des Kreises haben wir in den vergangenen vermehrt gefördert und sehen jetzt, dass sich etwa der Kulturbund Dahme-Spreewald, der Kulturverein Zeuthen oder der Verein „Kind & Kegel“ in Eichwalde mit unserer Unterstützung gut entwickelt haben.

Fallen Ihnen Beispiele für gelungene Förderprojekte ein?

Wünsche: Wir haben schon öfter Produktionen von Theater ’89 gefördert, das in sein Spiel gern die Menschen vor Ort einbezieht. In diesem Jahr wird die Gruppe mit unserer Unterstützung in Jüterbog den „Kohlhaas“ aufführen, anlässlich des Lutherjahrs. Und das nicht in einem Theater, sondern mitten in der Stadt unter Mitwirkung des Publikums. Auch das Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf und die Gedok-Galerie in Rangsdorf unterstützen wir bei ihren Vorhaben. Und vor zwei Jahren haben wir ein Projekt des Kunstvereins Schlachten in der Luckenwalder Mendelsohnhalle gefördert. Das hat sich mit dem Thema Flucht, Vertreibung, Zuwanderung und Integration auseinandergesetzt, das ja viele Menschen derzeit beschäftigt. Es gab Ausstellungen, Theater und Konzerte mit internationalen Künstlern. Das zog insbesondere Berliner Publikum an.

Beobachten Sie einen Zuzug von Künstlern in der Region?

Saß: Künstler haben ja nicht sofort einen Bezug zur öffentlichen Verwaltung, sondern docken eher in ihren eigenen Kreisen an. Darum erfahren wir von Zuzügen nicht automatisch, wenn jemand nicht im Verband Bildender Künstler organisiert ist. Wir beobachten aber, dass viele junge Künstler in die Region zurückkehren, weil sie hier familiäre Wurzeln haben. Das sind Leute, die die Region für das Studium verlassen haben und jetzt mit 30 wiederkommen. Außerdem gibt es einige, die nach ihrem Berufsleben noch mal einen Meisterkurs machen oder sich künstlerisch weiterentwickeln.

Wünsche: In den vergangenen Jahren haben sich etliche Künstler aus Berlin im Landkreis angesiedelt. Zum Beispiel in Gottsdorf bei Luckenwalde, auch im Nachbarort Frankenfelde oder in Oehna, wo sich gleich mehrere Künstler unterschiedlicher Sparten niedergelassen haben. Es lässt sich schon beobachten, dass Künstler aus Berlin hier Möglichkeiten suchen, weil es in Berlin finanziell nicht mehr zu stemmen ist.

Können Künstler Orte wie Gottsdorf oder Frankenfelde neu beleben?

Wünsche: In Gottsdorf ist es auf jeden Fall so. Das ist auch dem Projekt „Offenes Atelier“ geschuldet. Auf dem Wege werden Künstler in den Orten bekannt, in denen sie sich niedergelassen haben. Da kommen ja nicht nur Leute von außerhalb, auch die Nachbarn werden dann neugierig und schauen, was die Künstler dort machen. So entsteht ein Kontakt und dann gibt es die unterschiedlichsten Reaktionen. Manche finden es spannend, manche sagen, damit kann ich nichts anfangen. Das ist ja normal. Wichtig ist, dass die Menschen zueinander finden.

Finden Künstler in der Region denn genügend Ateliers?

Saß: Bei uns haben sich noch keine Künstler gemeldet mit der Frage nach Räumlichkeiten, aber mir ist auch nicht bekannt, dass das ein Problem wäre. Der Kreis vermietet zwar keine eigenen Ateliers, aber für die Spektrale im kommenden Jahr in Luckau wollen wir Künstlern leerstehende Ladenlokale als Ateliers und Galerien zur Verfügung stellen.

Wünsche: Im Moment ist die Situation generell schwierig in diesem Sektor, sei es eine Wohnung zu finden oder ein Atelier. Aber Künstler suchen sich auch gern ein altes bezahlbares Bauernhaus, sanieren es und arbeiten und leben dort. Und die Möglichkeit gibt es auf dem Land noch hin und wieder.

Welche Rolle spielt die Kunst für die regionale Wirtschaft, etwa für den Tourismus?

Wünsche: Die Kultur ist auf jeden Fall wichtig für den Tourismus. Unsere Ausstellungen, Theaterprojekte und Konzerte locken viele Besucher in den Landkreis. Auch die Aktion „Offene Ateliers“, mit der wir auf der Internationalen Berliner Tourismusbörse (ITB) vertreten sind, wird gut angenommen. Bei so einer Gelegenheit schauen die Leute auch, was es noch so gibt in der Gegend.

Saß: Wir bekommen von den Tourismusverbänden immer wieder die Rückmeldung, dass Touristen mehr brauchen als schöne Landschaften. Die Leute suchen nach Zielen und Veranstaltungen im kulturellen Bereich. Kahnfahren im Spreewald ist schön, aber die Touristen fragen uns, was sie am dritten und am vierten Tag machen können. Und da spielt die Kultur eine wichtige Rolle.

Wie stellen Sie sich die Kulturförderung in den kommenden Jahren vor?

Saß: Wir werden sicherlich mit dem Kreistag über die Frage der finanziellen Förderung reden müssen. Wir bekommen schließlich immer mehr Förderanträge. Die Gemeinden haben zwar auch ihre Möglichkeiten, aber ein Budget von 80 000 Euro wäre angemessen. Zudem wollen wir den Austausch von Künstlern im Norden und im Süden des Landkreises vertiefen und das Thema Nachlasssicherung angehen. Da stellt sich die Frage, wer fachlich und inhaltlich entscheidet, welcher Nachlass erhaltenswert ist und was damit geschehen soll.

Wünsche: Die oberste Priorität ist es, die Fördersumme auf dem jetzigen Niveau zu halten und interessante gute Ausstellungen zu machen. Der Kreis war jahrelang in den roten Zahlen und in solchen Zeiten ist es schwierig, diese Gelder im freiwilligen Bereich aufrecht zu erhalten. Ich gehe im nächsten Jahr in den Ruhestand und wünsche mir, dass die Kulturarbeit in Teltow-Fläming erfolgreich fortgesetzt wird.

Von Martin Küper

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