Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 5 ° heiter

Navigation:
Kunst als Dasein

Königs Wusterhausen Kunst als Dasein

Sie sind Künstler und Restauratoren zugleich: Irmgard und Dankwart Kühn leben und arbeiten seit mehr als zehn Jahren in Königs Wusterhausen. Kennengelernt hat sich das Paar 1952 auf der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle. Nach der Studienzeit wurden beide vor allem in der Restaurierung tätig, im Schloss Rheinsberg, auf der Wartburg, in der Semperoper.

Voriger Artikel
Waschbär, Fuchs und Wildschwein legen zu
Nächster Artikel
BMW-Fahrer gefährdet Leben des Polizisten

Irmgard und Dankwart Kühn in ihrer Wohnung in Königs Wusterhausen.

Quelle: Heidrun Voigt

Königs Wusterhausen. Das Spektrum der Kunst in der großen Wohnung am Notte-Kanal reicht von Stillleben über Porträts, Stadtansichten und Landschaften bis zu Fayence-Malereien. Biedermeier-Behaglichkeit und Holzdielen im Wohnzimmer. In den zwei Ateliers ist alles auf die Arbeit ausgerichtet. Staffelei, Pinsel, bemalte Leinwände, fertige Bilder in Regalen bis an die Decke.

Kunst und die Bewahrung alter Dinge sind die großen Leidenschaften von Irmgard und Dankwart Kühn. Dabei ist das Paar immer offen für Neues und nimmt am Kulturleben und der Stadtentwicklung von Königs Wusterhausen interessiert teil. „Wir sind 2004 hergezogen, weil unsere Tochter hier lebt. Es gefällt uns gut in Königs Wusterhausen und Berlin ist nicht weit weg“, meint Irmgard Kühn. Die Hauptstadt und ein Atelierhaus in Neuzelle waren lange der Lebensmittelpunkt der Kühns, bevor sie nach Königs Wusterhausen zogen.

„Bildnis Gerda Hagen“ (1975) und „Maya mit Holzpferdchen“ (1962) von Irmgard Kühn

„Bildnis Gerda Hagen“ (1975) und „Maya mit Holzpferdchen“ (1962) von Irmgard Kühn.

Quelle: Heidrun Voigt

„Unser erstes Atelier war eine ehemalige Kneipe in Weißensee. Der Tabakqualm und der Bierdunst steckten im Putz und wir haben ihn mit der Feuchtigkeit beim Malen wiedererweckt“, erzählt Dankwart Kühn lächelnd. Kennengelernt hat sich das Paar – die ausgebildete Porzellanmalerin und der Abiturient – 1952 an der damaligen Hochschule für künstlerische Werkgestaltung Burg Giebichen­stein in Halle. Beide studierten angewandte Malerei. „Bei unserer Aufnahmeprüfung war Erwin Hahs noch dabei. Ich erinnere mich, dass er sehr streng war“, sagt Irmgard Kühn. Zu Beginn des Studienjahres musste Hahs, der ab 1956 bis zu seinem Tod im Königs Wusterhausener Ortsteil Zernsdorf lebte, aus politischen Gründen sein Lehramt verlassen. Schon 1933 wurde er, ebenfalls aus politischen Gründen, von seiner Professur an der Kunstgewerbeschule Halle beurlaubt.

„Einer unserer Dozenten war Willi Sitte. Er hat die Weberei-Klasse geleitet und war ein toller Zeichner“, erinnert sich Dankwart Kühn. Er erzählt schmunzelnd von den damaligen Formalismusdiskussionen. „Wenn die Kunstkommission aus Berlin kam, haben wir kurzerhand unsere Arbeiten rumgedreht, ein Paar alte Schuhe auf den Tisch gestellt und diese gezeichnet.“

Schwere Zeit nach dem Studium

Nach dem Studium gab es eine schwere Zeit für den jungen Diplom-Werkkünstler und die Meisterschülerin der Deutschen Akademie der Künste in Berlin. „Wir hatten keine Aufträge und haben uns durchgeschleppt. Ich habe auf dem Bau gearbeitet“, sagt Dankwart Kühn. In seiner Not ist er zum Institut für Denkmalpflege gegangen. „Fassmalerei, die Bemalung und Vergoldung von Holzplastiken, war das Einstiegswort. Ich hatte diese beim Studium gelernt, aber keine Erfahrung und keine entsprechenden Pinsel.“ Als der Absolvent hörte, dass er in einem Wappen der Arnims eine vergoldete Kartusche restaurieren sollte, kam er „ganz schön ins Schwitzen“. Er fertigte selbst einen Pinsel an und kaufte Bücher, beschäftigte sich damit wochenlang. Als er gefragt wurde, was er dafür bekäme, antwortete er „40 Mark“. Das Institut gab ihm 45. Kühn lacht. „Aber dann ging das los mit den Anfragen.“ Restaurierungsarbeiten auf den Gebieten Architektur, Gemälde und Skulpturen folgten. Unter anderem im Dom zu Brandenburg, auf der Wartburg, im Schloss Rheinsberg und im Schlosskomplex Neuhardenberg. Irmgard Kühn war in die bildkünstlerische Ausgestaltung der Semperoper Dresden, des Schauspielhauses Berlin und die Restaurierung des Schlosses Friedrichsfelde sowie des Klosters Neuzelle eingebunden. Die engagierte Frau war ehrenamtlich auch an der Restaurierung des Tuchmacherhauses von 1780 in Neuzelle beteiligt und hat die Einrichtung eines Museums dort initiiert. Sie gründete zudem einen Verein, der dort Vorträge und Ausstellungen organisiert.

„Die freie Malerei hat wenig gebracht. Bei der Denkmalpflege lief es und das Restaurieren machte mir auch Spaß“, so Irmgard Kühn rückblickend. Sie erzählt, wie sie für die Semperoper Farbpulver und Hasenleim, der aus Hasenhäuten gewonnen wurde, angemischt hat. Die 60 Wandteller in Fayencetechnik, die die Künstlerin für den Rathauskeller in Frankfurt/Oder gestaltete, sind alle nach der Wende verschwunden. Geklaut, stellt sie traurig fest. „Das ist doch eine große Ehre“, tröstet sie ihr Mann.

Ruinen faszinieren den Maler besonders

Ruinen faszinieren den Maler besonders.

Quelle: Heidrun Voigt

Neben ihrer verantwortungsvollen Tätigkeit als Restauratoren haben die Kühns das Malen nie aufgegeben. Dankwart Kühns Städtebilder sind eine atmosphärische Abmischung aus Architektur, Licht und Landschaft. Das Gegenständliche, das leicht zu Entziffernde wird neu vermessen und respektvoll interpretiert. Dem Ort wird etwas sehr Persönliches hinzugefügt, die Perspektive verrückt.

Irmgard Kühn stellt in ihrer Malerei neben dem Stillleben das Porträt in den Vordergrund. Oft dient die Tochter Maya als Modell. Die Kindheit, meist im frühreifen Ernst erfasst, wird als prägende, eigenständige Lebensphase künstlerisch umgesetzt. Das Verletzliche und Flüchtige des Kindseins schimmern in den Porträts durch. Komposition und Farbklang stehen im Vordergrund.

„Beim Studium und noch später haben wir beide um die Wette gemalt, uns gegenseitig beeinflusst“, erinnert sich Irmgard Kühn. Jetzt mit über 80 Jahren malt das Paar nicht mehr um die Wette, aber die Kunst nimmt tagtäglich einen großen Raum in seinem Leben ein.

Von Heidrun Voigt

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Dahme-Spreewald

Wie wichtig sind Ihnen Bio-Lebensmittel?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg