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Kupferjäger auf Schönefelder Kirchdach

Wegen vieler Diebstähle müssen Gotteshäuser schließen Kupferjäger auf Schönefelder Kirchdach

Seit 34 Jahren ist der Schönefelder Manfred Mikoleit fast ununterbrochen im Gemeindekirchenrat, aber so eine Dreistigkeit ist ihm noch nicht untergekommen: Immer häufiger suchen Diebe die Kirchen der Region heim und stehlen wertvolle Bauteile. Erst vor wenigen Tagen war seine Dorfkirche Ziel der finsteren Gesellen.

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Von diesem Dach stahlen Diebe eine etwa sechs Quadratmeter große Kupferplatte, zeigt Gemeinderatsmitglied Manfred Mikoleit.

Quelle: Klaus Bischoff

Schönefeld. Diesmal hatte es ihnen wieder ein Edelmetall angetan. Vom Dach eines Gebäudes, dass das Kirchenschiff mit der Sakristei verbindet, stahlen sie eine etwa sechs Quadratmeter große Dachplatte. Auch ein Stück von der Schornsteineinfassung ließen sie mitgehen und verbogen bei ihrem Kraftakt in luftiger Höhe den Blitzableiter. Der Schaden dürfte sich auf eine vierstellige Summe belaufen.

Nun bedeckt nur noch Dachpappe den Verbindungsgang. Regenstürmen dürfte sie kaum lange standhalten. „Also müssen wir bald für Abhilfe sorgen“, stellt Mikoleit fest. Was nicht ohne einen Griff in die Kasse der Kirchgemeinde abgeht. „Die Gemeindemitglieder kümmern sich um die Erhaltung der Kirchgebäude, haben auch zur Sanierung vor zwanzig Jahren einen wesentlichen Beitrag geleistet und müssen dann auch noch die Folgen derartiger Verbrechen tragen“, schimpft er.

Zumal die Demontage auf dem Dach der vorerst letzte Akt eines mehrteiligen Krimis ist. „Schon zweimal wurden uns Dachrinnen aus Kupfer abgebaut“, zählt der engagierte Christ auf. Vor drei Jahren brachen Unbekannte durch ein Fenster in die Kapelle ein, fanden zwar keine Wertsachen, beschädigten beim Durchwühlen der Räume aber mehrere Einrichtungsgegenstände. Den vorläufigen Höhepunkt stellte der Einbruch ins Pfarrhaus im Sommer vergangenen Jahres dar. Die Täter entwendeten nicht nur Fernseher und Computer, sondern auch noch ein Auto. Wenigstens das erhielt der Pfarrer zurück. Es war von der Polizei einige Zeit danach entdeckt worden.

Auch die Wildauer Friedenskirche suchten Diebe heim

  • Kupferrohre sind ein bevorzugter Gegenstand der Langfinger. So wurden im vergangenen Jahr auch an der Wildauer Friedenskirche Fallrohre aus dem begehrten Material abgebaut, nebst einer Abdeckplatte am Nebeneingang des Gebäudes. Wie im jüngsten Schönefelder Fall summierte sich der Schaden auf eine vierstellige Summe. Versicherungsansprüche konnten die beiden Kirchgemeinden nicht geltend machen. Die Lage der Gotteshäuser dürfte die Diebeszüge begünstigen. Beide Kirchen liegen etwas abseits und damit nicht gut einsehbar, trotzdem aber in der Nähe von Hauptverkehrsstraßen und Autobahn.
  • Kupferkabel sind ein mindestens ebenso begehrtes Diebesgut. Allein die Telekom musste für den Ersatz entwendeter Leitungen im Jahre 2012 rund 1,2 Millionen Euro aufbringen. Ein Vielfaches davon beträgt der Verlust, der der Deutschen Bahn entstand – laut Konzernangaben rund 17 Millionen Euro. Dazu kommen Zugausfälle und Verspätungen. Überproportional viele Kupferdiebe sind im Osten Deutschlands unterwegs. Sie reizt der relativ kurze Fluchtweg nach Osteuropa.
  • Kupferschutz könnte mit künstlich hergestellter Desoxyribonukleinsäure (DNA) möglich sein, mit der die Kabel markiert werden. Vor eineinhalb Jahren wurden in Schönefeld Kabelstränge an Bahngleisen damit besprüht. Die für das bloße Auge unsichtbare Markierung ist mit einer Speziallampe von Polizisten und Schrotthändlern zu lesen. Das soll es Dieben erschweren, ihre Beute zu Geld zu machen.

Neben den materiellen Verlusten bedauert Mikoleit noch etwas anderes. „Diebstähle wie diese sind der Grund dafür, dass viele Kirchen, so auch unsere, in der Regel verschlossen sind“, hebt er hervor. „Und das, obwohl die Türen der Gotteshäuser doch jedem, der nach Einkehr verlangt, offenstehen sollten.“ Gerade in der Flughafengemeinde gebe es zuweilen durchaus Touristen, die einen Blick in das Innere des für die Denkmalschutz-Liste angemeldeten Baus werfen wollten. Das können sie außerhalb von Gottesdiensten schon seit 30 Jahren nicht mehr. Der Schlüssel im Schloss drehte sich, nachdem in den 80er Jahren eine wertvolle mittelalterliche Bibel verschwand.

Schätze gibt es in der Schönefelder Dorfkirche nun nicht mehr zu holen. Trotzdem wurde sie ebenso wie die Nebengebäude mit einer Alarmanlage ausgerüstet. „Nun müssen wir wohl noch Bewegungsmelder und Scheinwerfer installieren“, vermutet Kirchenfreund Mikoleit mit Blick auf den jüngsten Diebeszug. Obwohl die Kupferjäger kaum noch fündig werden dürften. Die neuen Regenrinnen sehen zwar kupferfarben aus, sind aber aus Plaste.

Von Klaus Bischoff

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