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Dahme-Spreewald Landesschülersprecher Wolff: "Schwerer einen Streik auf dem Land zu organisieren"
Lokales Dahme-Spreewald Landesschülersprecher Wolff: "Schwerer einen Streik auf dem Land zu organisieren"
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00:22 01.03.2019
Lambert Wolff nutzt das sonnige Wetter für einen Spaziergang auf der Mühleninsel in Königs Wusterhausen. Der Sprecher des Landesschülerrats Brandenburg macht am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium sein Abitur. Quelle: Till Uebelacker
Königs  Wusterhausen

Lambert Wolff ist Sprecher des Landesschülerrats Brandenburg (LSR). Mehr als 20  Stunden in der Woche engagiert sich der 18-Jährige aus Königs Wusterhausen für die Interessen der 228.000 Schüler des Bundeslandes. Im Interview mit der MAZ spricht Lambert Wolff über die Schülerstreiks für Klimaschutz, seinen Arbeitsplatz im Bildungsministerium und fehlendes W-Lan an den Brandenburger Schulen.

Herr Wolff, die ProtestbewegungFridays for Future“ ist in aller Munde. Tausende Schüler protestieren freitags und schwänzen teilweise den Unterricht, um Druck beim Thema Klimaschutz zu machen. Ist das auch in Dahme-Spreewald ein Thema?

Lambert  Wolff: Hier in den Flächenlandkreisen ist es deutlich schwerer, einen Streik zu organisieren als in Potsdam oder Berlin. Einzelne Schüler nehmen jedoch die Fehlstunden in Kauf, um an den Demos in den Großstädten teilzunehmen. Ich selbst war tatsächlich noch gar nicht mit dabei, da ich freitags immer anderweitig eingebunden war. Einige Schülervertreter aus Potsdam berichten mir jedoch davon und der Landesschülerrat unterstützt das Anliegen von „Fridays for Future“.

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Der Landesschülerrat hat eine Pressemitteilung versendet, in der Sie sich mit den Streikenden solidarisieren und einen konsequenteren Umweltschutz fordern. Der LSR hat eigentlich kein politisches Mandat. Wie kam es zu dieser Stellungnahme?

Der Landesschülerrat äußert sich eigentlich nicht zu allgemeinen politischen Themen wie zum Beispiel bei einem Kriegseinsatz. Bei Themen, die explizit die Schule betreffen, ist das aber anders, und es handelt sich ja um einen internationalen Schulstreik. Wir möchten diese Regelung zur Neutralität auch generell ändern und sind dazu im Dialog mit dem Bildungsministerium.

Gibt es genug Raum in der Schule, um über solche Themen wie die Erderwärmung zu diskutieren?

Ja schon. Im Fach Politische Bildung gibt es durchaus Zeit, und das ist auch Lehrplan vorgesehen. Das hängt aber auch immer von den Lehrern ab, inwieweit sie kontroverse Themen diskutieren lassen. Das Thema Kohleausstieg ist in Brandenburg natürlich von besonderer Relevanz.

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Der Landesschülerrat hat in Potsdam ein eigenes Büro im Bildungsministerium. Wie sieht dort Ihr Arbeitsalltag aus?

Die Anwesenheit im Ministerium erleichtert die Arbeit oft enorm. Dort sind die Wege kürzer, und man kann seine Anliegen dem Staatssekretär oder einem Referenten auch mal auf dem kurzen Wege persönlich mitteilen. Die anderen Vorstandsmitglieder investieren ebenfalls viel Zeit. Es gibt einige Sitzungen zu bestreiten. Zum Beispiel im Landesschulbeirat, der das Ministerium berät oder in verschiedenen Ausschüssen. In der Regel brauche ich etwa 40 Minuten mit dem Auto oder über eine Stunde mit der Bahn ins Ministerium.

In Brandenburg sind junge Menschen bereits ab 16 Jahren wahlberechtigt. Die Kommunalwahl fällt im Mai auf ein gemeinsames Datum mit der Europawahl, im Herbst folgen die Landtagswahlen. Was plant der Landesschülerrat, um Schüler für den Gang zur Wahlurne zu mobilisieren?

Wir beteiligen uns mit dem Landesjugendring an der Aktion „Mach’s ab 16“. Wir teilen und streuen das natürlich über all unsere Kanäle, und es wird eine Broschüre dazu geben. Darüber hinaus wirken wir bei einem Workshop mit der Landeszentrale für politische Bildung an den Fragen für den Wahl-O-Mat mit.

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Sie sind auch Mitglied im Kreisschülerrat. Die Linksfraktion möchte im Kreistag von Dahme-Spreewald ein kostenloses Ticket für alle Schüler durchsetzten? Begrüßen sie das?

Ja, natürlich. Rostock und Berlin sind da voran gegangen und haben gezeigt, dass das möglich ist. Ein kostenloses Schülerticket fördert auch Kinder aus finanziell schwächeren Haushalten. Es darf aber nicht dazu führen, dass die Infrastruktur von Bus und Bahn überlastet wird.

Wofür setzt sich der Kreisschülerrat aktuell noch ein?

Wir unterstützen, dass auch an allen Gymnasien im Landkreis ein Schulsozialarbeiter eingesetzt wird. Wir fordern auch eine bessere Hygiene auf den Schultoiletten und endlich ein bessere Versorgung mit W-Lan.

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Der Unterrichtsausfall ist ein großes Thema an den Schulen in Brandenburg. Freuen sich Schüler nicht logischerweise, wenn sie frei haben?

Da hat der Landesschülerrat eine etwas andere Position, auch wenn das nicht allen Schülern direkt einleuchtet. Wir wollen weniger Unterrichtsausfall. Die Schule sollte den Schülern eine bestmögliche Vorbereitung auf ihre Abschlussprüfungen wie den Mittleren Schulabschluss oder das Abitur ermöglichen.

Hintergrund

Der Landesschülerrat (LSR) ist die Interessenvertretung der brandenburgischen Schüler und vertritt etwa 228.000 Mädchen und Jungen.

Grundlage ist Paragraf 138 des Brandenburgischen Schulgesetzes. Jede allgemeinbildende oder berufliche staatliche Schule in Brandenburg wählt einen Vertreter in den Kreisrat. Diese 18 Kreisschülerräte wählen je zwei Vertreter in die Landesdelegiertenkonferenz des Landesschülerrates.

Ein Sprecher und ein achtköpfiger Vorstand werden vom Landesschülerrat gewählt. Gemeinsam repräsentieren sie die Schüler im Landesschulbeirat, dem auch ein Rat der Lehrer und Eltern angehört. Laut seinen Grundsätzen ist der Landesschülerrat überparteilich, überkonfessionell, tolerant und demokratisch organisiert. Seine Themen sind unter anderem die Schulqualität, Integration und Inklusion sowie Förderung der demokratischen Kultur.

Die Statistik zum Unterrichtsausfall ist doch vergleichsweise niedrig.

Diese Statistik ist aber nicht besonders aussagekräftig. Die Schule kann nämlich entscheiden, ob sie den Ausfall zulässt und meldet, oder ob sie die Schüler eigenverantwortlich arbeiten lässt. In den seltensten Fällen gibt es da eine Aufsicht, und es ist auch nicht immer klar, woran die Schüler dann arbeiten sollen. Wenn der Lehrer Aufgaben schickt, müssen sie diese erledigen.

Trägt der Lehrermangel auf dem Land zum Unterrichtsausfall bei?

Das Bildungsministerium sollte mehr Anreize in den ländlichen Regionen schaffen. Im Speckgürtel rund um Berlin ist es nicht besonders schwer, Lehrer zu gewinnen. Je weiter man aufs Land geht, desto schwieriger wird es generell für die Schulen. Das Leben auf dem Land ist nun mal nicht jedermanns Sache.

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Die Bundesländer haben sich mit dem Bund nun auf den Digitalpakt geeinigt. Die Schulen werden bei der Digitalisierung unterstützt. Es fließen fünf Milliarden Euro. Hat das nicht viel zu lange gedauert?

Kein Schüler stellt sich hin und ruft: Wir finden Bildungsföderalismus toll. Wir begrüßen daher Einigung. Die Schule der Zukunft ist nun mal voller Medien, und das muss so schnell wie möglich umgesetzt werden. Es war klar, dass die Länder die teuren Aufgaben wie die Digitalisierung nicht alleine leisten können.

Von Till Uebelacker

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