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Landrat-Kandidaten auf dem Prüfstand

MAZ-Forum 2015 Landrat-Kandidaten auf dem Prüfstand

Die Kandidaten zur Wahl des Landrats in Dahme-Spreewald haben sich beim MAZ-Wahlforum in Königs Wusterhausen präsentiert. Sie gaben dabei Privates preis und stellten sich den Fragen der Redakteure und der gut 100 Besucher des Forums. Beherrschendes Thema des Abends war der Umgang mit dem wachsenden Strom der Flüchtlinge im Land.

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Schwierige Verhandlungen

Jens-Birger Lange (AfD), Carsten Saß (CDU), Birgit Uhlworm (UBL) und Stephan Loge (SPD; v. l.) beim Wahlforum der Märkischen Allgemeinen.

Quelle: Gerlinde.Irmscher

Königs Wusterhausen. Der Landrat von Dahme-Spreewald hat viel zu tun. Er ist Chef einer Behörde mit fast 1000 Beschäftigten, Mitglied in vielen Gremien und Aufsichtsräten, er ist verantwortlich für zig Dinge des öffentlichen Lebens, Komunikator, Manager, Sorgen- und Grüßonkel für die 160 000 Einwohner des Landkreises. Am Dienstagabend, beim Forum der Märkischen Allgemeinen zur bevorstehenden Landratswahl, konnten Anwesende allerdings leicht den Eindruck bekommen, der Landrat muss im Grunde nur für ein einziges Thema seinen Kopf hinhalten: Asyl.

Rund 100 politisch Interessierte waren in den Saal des Königs Wusterhausener Rathauses gekommen, und sie nutzten ihren Teil der Veranstaltung ausgiebig und fast ausnahmslos, um die vier Kandidaten zu dem Thema zu befragen, dass derzeit die Volksseele am meisten bewegt. Unter anderem wollten sie wissen, wie es um die Kriminalitätsraten im Umfeld von Flüchtlingsunterkünften bestellt ist, wie die Integrationskonzepte der Kandidaten aussehen, ab wann Flüchtlinge überhaupt integriert werden sollten und wie der neue Landrat denn bitteschön künftig die Bürger zeitnah über neue Flüchtlingsunterkünfte in ihrer Nachbarschaft informieren will.

Die vier Kandidaten blieben dabei ihren Rollen treu, die sie schon den gesamten Wahlkampf über spielen. Stephan Loge (SPD) gab als amtierender Landrat teils emotionale Einschätzungen der derzeitigen Situation, Carsten Saß (CDU) antwortete mit strukturierten Fachvorträgen. Jens-Birger Lange gab den humorigen wie angriffslustigen AfD-Provokateur, der erst einen Schenkelklopfer erzählt und dann unnachgiebig Abschiebung fordert. Und Birgit Uhlworm (UBL) verweigerte sich dermaßen konsequent dem Kampf um die Wählergunst, dass Lothar Mahrla, Geschäftsführer des MAZ-Regionalverlages Dahmeland-Fläming und einer der Moderatoren des Abends, zwischendurch fast die Geduld mit ihr verlor: „Sie sind ein bisschen kompliziert, Frau Uhlworm.“

Das hatte sich bereits ab den ersten Minuten der Veranstaltung so abgezeichnet. Zu beginn versuchten Lothar Mahrla und sein Stellvertreter und Co-Moderator Ekkehard Freytag, die Bewerber mit persönlichen Fragen aus der Reserve zu locken. Bei AfD-Mann Lange, CDU-Kandidat Saß und Amtsinhaber Loge gelang das recht gut. Lange, zu DDR-Zeiten Amateur-Kabarettist, erzählte als einziger seinen Lieblingswitz. Über ihn erfuhren die Gäste außerdem, dass er außer einem verfallenen Privathaus in seinem Heimatdorf Löpten auch gern den BER abreißen würde, dass er am liebsten beim Griechen in Zeesen speist und für den Anzugkauf auf Geschäfte für Übergrößen angewiesen ist.

Sozialdezernent Carsten Saß offenbarte anschließend, dass er sich bei Peek und Cloppenburg einkleidet, sich selbst für einen guten Zuhörer hält und gerne Techno von Paul Kalkbrenner oder klassische Gitarrenmusik hört. Stephan Loge hingegen – bekennender Fan von „Pink Floyd“, Roland Kaiser und Howard Carpendale – überraschte in dieser Runde mit seiner Antwort auf die Frage, welchem anderen Kandidaten er denn den Wahlsieg wünscht. Er gönne ihn Birgit Uhlworm, sagte er. Vor allem, weil ihn interessiere, wie die UBL-Kandidatin ihre frauen- und familienpolitischen Forderungen, mit denen sie politische Gremien seit Jahren piesackt, in die Praxis umsetzt.

Dass man Birgit Uhlworm mit einem Wahlsieg eine große Freude machen würde, bezweifelten am Ende des Abends allerdings einige der Zuschauer. Uhlworm, die in der Kommunalpolitik mit Vehemenz für Geschlechtergerechtigkeit kämpft, zeigte beim Forum wenig von diesem Esprit. Sie antwortete kurz und unpräzise, mochte das Wappen des Landkreises nicht zeichnen und überraschte mit ihren Vorstellungen zum Arbeitspensum eines Landrates. Während sich ihre Mitbewerber auf Arbeitszeiten von mindestens zwölf Stunden täglich eingestellt haben, verwies sie auf das Arbeitszeitgesetz, das eine Regelarbeitszeit von 40 Wochenstunden vorsieht. Birgit Uhlworm: „Daran will ich mich schon halten.“

Die drei anderen Kandidaten hatten auch bei politischen Inhalten und Wahlversprechen etwas mehr zu bieten als die UBL-Kandidatin. Stephan Loge etwa will nicht nur die Kreisstraßen im Norden fit für den Pendlerverkehr zum BER machen, sondern sich auch für ein zweites S-Bahn-Gleis in Königs Wusterhausen einsetzen, wie er sagte. Carsten Saß stellte eine bessere Infrastruktur für Elektrofahrzeuge und schnelleres Internet in Aussicht. Jens-Birger Lange versprach, als Landrat die Ausstattung der Feuerwehren zu verbessern und den Feuerwehrleuten eine vernünftige Aufwandsentschädigung zu zahlen, um so die Personalsorgen in den Griff zu bekommen.

Bei einer Runde mit Schätzfragen (siehe Infokasten) lagen die vier Landratsanwärter teils erstaunlich weit daneben. In anschließenden Blitz-Bewerbungsreden blickten sie auf bereits Erreichtes zurück (Loge), brachten ihre Abneigung gegen Moscheen im Dahmeland zum Ausdruck (Lange), stellten die Zukunftschancen des Landkreises heraus (Saß) oder mahnten mehr Geschlechtergerechtigkeit an (Uhlworm).

Und dann war das Publikum an der Reihe, das sich dieser Tage eben vor allem für eines interessiert, nämlich Flüchtlingspolitik – und deshalb teilweise auch mehr über aktuelle Entwicklungen wissen wollte als über die Ideen der Kandidaten für die nächsten acht Jahre.

Auf diesem Gebiet punkteten dann vor allem Loge, Saß und Lange, jeder allerdings auf seine Weise und bei seiner jeweiligen Anhängerschaft. Saß etwa, als Sozialdezernent seit elf Jahren zuständig beim Landkreis für genau dieses Thema, betete ohne Hänger und Verhaspler die Integrationsmöglichkeiten des Landkreises herunter, das Engagement der Volkshochschulen bei Deutschkursen, die Bemühungen der Schulen um die Einbindung der Flüchtlingskinder und auch die Erfolge des Landkreises bei der Vermittlung von Asylbewerber in Betriebe.

Stephan Loge erklärte, dass er trotz der immer weiter ansteigenden Prognosen weiterhin nicht gewillt ist, Turnhallen und öffentliche Gebäude zu Notunterkünften für Flüchtlinge umzufunktionieren, und dass er auch die Verhältnisse in den bestehenden Gemeinschaftsunterkünften nicht gut heißt – wenngleich er sie nicht ändern kann. „Ich finde nichts gut an Gemeinschaftsunterkünften und wäre froher, wenn wir die Flüchtlinge menschenwürdiger unterbringen könnten“, so Loge. Für ihn gehört zur Flüchtlingspolitik im Landkreis auch zwingend Integration.

Für den AfD-Kandidaten Jens-Birger Lange gilt das nicht unbedingt, wie er mehrere Male an diesem Abend betonte. Wer Asyl bekommt, solle auch integriert werden, so Lange. Bei den anderen aber müsse man sich einzig darum kümmern, dass sie so bald wie möglich wieder in ihre Heimatländer zurückgeführt werden. Auf die Frage, weshalb die AfD sich dann nicht für die Integration von Menschen mit Bleiberecht einsetzt, blieb er allerdings eine Antwort schuldig.

Von den rund 100 Besuchern beteiligten sich etwa 70 an einer nicht repräsentativen Saalwahl, die vor allem belegt, wer seine Mitstreiter mobilisieren konnte. Dabei siegte AfD-Mann Jens-Birger Lange mit 27 Stimmen vor Stephan Loge (22), Carsten Saß (17) und Birgit Uhlworm (2).

Von Oliver Fischer

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