Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Dahme-Spreewald Landung ohne Risiken
Lokales Dahme-Spreewald Landung ohne Risiken
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:30 20.05.2018
Die MAZ macht mit: Reporterin Josefine Sack lässt sich im Simulator einer Boeing 737 von Ingenieur Dieter Müller-Danert das Fliegen zeigen. Quelle: Gerlinde Irmscher
Anzeige
Schönefeld

Eben noch lag es vor mir, das neue Fluggastterminal des Hauptstadtflughafens BER. Unübersehbar thront der Gebäudekoloss gleich rechts neben der Nordbahn. Normalerweise. Jetzt ist das Terminal beinahe verschwunden. Vor dem Cockpit der Boeing 737 macht sich dichter Nebel breit. „Gute Sicht kann jeder“, sagt Dieter Müller-Danert und grinst. Der 62 Jahre alte Ingenieur arbeitet im Aviation Training Center, das die Lufthansa ganz in der Nähe des Flughafens Schönefeld betreibt. In dem Gebäude, in dem schon zu DDR-Zeiten Piloten der Interflug übten, trainieren jährlich an die 6000 Piloten in zwölf Flugsimulatoren.

In dieser Woche bin ich einer von ihnen. Müller-Danert ist mein Instrukteur – so heißen die Ausbilder, die die Piloten bei jeder Trainingseinheit begleiten – und zeigt mir das Fliegen. 2017 schickten 115 Fluggesellschaften ihre Piloten und Co-Piloten in das Simulatorenzentrum nach Schönefeld. Ein Drittel der Kunden entstammt den konzerneigenen Airlines der Lufthansa. Der Rest kommt aus der ganzen Welt. Neben Tuifly und Condor schicken unter anderen auch Norwegian, die türkische Sunexpress und die israelische El Al ihre Crews in das Schulungszentrum an der Landesgrenze Berlin-Brandenburg. Zweimal pro Jahr müssen Piloten und Co-Piloten ihr Können unter Beweis stellen, um ihre Lizenz zu behalten. Als oberste Bundesbehörde für die zivile Luftfahrt muss das Luftfahrt-Bundesamt jeden Kurs im Lufthansa Aviation Training Center genehmigen. Insgesamt kam man dort im vergangenen Jahr auf 68 000 Flugstunden im Simulator.

Im Flugsimulatorenzentrum der Lufthansa in Schönefeld trainieren jährlich 6000 Piloten aus aller Welt den Ernstfall. Beim Besuch vor Ort wurde MAZ-Reporterin Josefine Sack selbst zur Pilotin.

Zu den größten Kunden zählte bis vor Kurzem Airberlin. Das hundertprozentige Tochterunternehmen der börsennotierten Air Berlin PLC, deren größter Einzelaktionär zuletzt die emiratische Etihad Airways war, hatte am 15. August 2017 den Betrieb eingestellt. „Die Insolvenz von Airberlin hat uns rund 10 000 Simulator-Flugstunden gekostet“, sagt Holger Klein, Chef des Simulatorenzentrums. Zum Glück sei die Nachfrage groß, sagt Klein. „Den Verlust konnten wir schnell kompensieren.“ Aktuell seien die etwa 13 Tonnen schweren Simulatoren, die am Standort verteilt in mehreren Hallen stehen, zu etwa 90 Prozent ausgelastet.

An den Geräten werden vor allem extreme Szenarien virtuell durchgespielt, verrät Ingenieur Müller-Danert. Dazu zählen Triebwerksausfälle, das Starten und Landen bei schlechter Sicht, Rauch in der Kabine, starke Turbulenzen. Etwa vier Stunden dauert eine Trainingseinheit. Für die Piloten bedeutet das Stress pur: Im Ernstfall muss jeder Handgriff sitzen. „Im Cockpit gibt’s eine klare Rollenverteilung“, so Müller-Danert. Neben dem eigentlichen Fliegen müssen Pilot und Co-Pilot die fingierten Extremsituationen lösen und möglichst zügig Entscheidungen treffen. Dafür steht ihnen ein an die 20  000 dickes Handbuch zur Verfügung. „Deshalb ziehen Piloten immer einen schweren Koffer hinter sich her“, weiß der Fachmann.

80 Flughäfen virtuell abrufbar

Auf Knopfdruck ändert Müller-Danert das Wetter. Der Nebel hat sich verzogen. Vor uns liegt Schönefeld, links Berlin. Die Häuser auf der rechten Seite könnten Mahlow (Teltow-Fläming) sein. „Die Ortslagen sind zwar erkennbar, aber eher generisch“, sagt Müller-Danert. Rund 80 reale Flughäfen weltweit können fürs Training im Simulator relativ modelgetreu abgerufen werden. Doch zurück im Cockpit: Unsere Boeing hat schon einiges an Höhe verloren. Wir befinden uns im Anflug auf die alte Landebahn. Müller-Danert fordert mich auf, den großen Hebel rechts neben mir zu betätigen – „um das Fahrwerk auszufahren“, wie er sagt.

PAPI-System unterstützt sichere Landung

Auch die „Autobrake“, die automatische Bremse, soll ich per Knopfdruck aktivieren. Das System unterstützt die Piloten beim Abbremsen des Flugzeugs, indem es nach dem Aufsetzen automatisch die Radbremsen aktiviert. „Sehen Sie die zwei Lichtbalken vor sich?“, fragt mich Müller-Danert von der Seite. „Die Markierung zeigt die richtigen Gleitwinkel an“, ergänzt er, wohl um mich zu beruhigen. Der Precision Approach Path Indicator (PAPI), zu deutsch „Präzisions-Anflug Gleitwinkelbefeuerung“, dient als optische Hilfe bei der Landung. Denn während so ein Jumbojet weit oben auch auf Autopilot fliegt, sind sowohl der Start als auch die Landung noch echte Handarbeit. Ich bin konzentriert, lasse die projizierte Markierung nicht aus den Augen, um den Kurs auf die Bahn vor mir zu halten. Plötzlich geht alles ganz schnell. Wir sind unten. Es ruckelt nicht ganz so stark wie bei einer realen Landung. Trotzdem ist die Geschwindigkeit spürbar, mit der wir übers Rollfeld rasen. Bis Müller-Danert die Trainingseinheit per Knopfdruck beendet. Wie aus dem Nichts taucht vor dem Cockpitfenster der Aiport Hannover-Langenhagen auf. Draußen vorm Simulator warten schon die nächsten Piloten.

Von Josefine Sack

Kathrin Rudolph wird die neue Superintendentin im Kirchenkreis Zossen-Fläming. Die Synode hat sich im vierten Wahlgang für die 43-Jährige entscheiden. Sie wird die Nachfolgerin von Katharina Furian.

19.05.2018

Obwohl die Technik-Tochter der Lufthansa gute Geschäfte macht, schließt sie in Schönefeld eine Spezialwerkstatt für Triebwerke. Die Halle steht der BER-Erweiterung im Weg. 60 Mitarbeiter fürchten um ihren Job.

19.05.2018

Unbekannte waren in der Nacht zu Mittwoch gerade dabei, einen Heuwender der Agrargenossenschaft in Gräbendorf zu verladen, um diesen zu stehlen, als sie von Anwohnern entdeckt wurden. Lärm hatte die Nachbarn alarmiert.

16.05.2018
Anzeige