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Lebensräume zwischen Wasser und Land

Erhalt der Moore Lebensräume zwischen Wasser und Land

Damit seltene Pflanzenarten überleben können, werden im Naturpark Nuthe-Nieplitz regelmäßig Schutzmaßnahmen durchgeführt – so wie etwa die Entbuschung der Moorwiesen. Diese können der globalen Erderwärmung entgegenwirken. Derzeit ist den Naturwächtern ein spezielles Gewächs ein Dorn im Auge, die eine Fläche schnell überwuchern kann.

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Bei der Arbeit kommt auch die Motorsäge zum Einsatz.

Dahmeland-Fläming. Der Kleine Baldrian hat schon bessere Tage gesehen. Das kniehohe Pflänzchen stand früher auf vielen Feuchtwiesen der Region, und seine Blütendolden überzogen das Grün der Graslandschaft mit einem blassrosa Schleier. Dann kam die Landwirtschaft und mit ihr die Melioration. Der Kleine Baldrian ist in der Fläming- oder der Dahme-Landschaft nahezu ausgerottet. Und damit ist er weiß Gott nicht allein. Sein Schicksal spiegelt das der Moore und Feuchtwiesen, von denen es schon einmal deutlich mehr gab als heutzutage.

Brandenburg war und ist ein ausgewiesenes Moorland. Kaum ein anderes Bundesland verfügt über so viel Niedermoorflächen wie die Mark. Die Löptener Fenne, die Wiesen bei den Pätzer Hinterseen oder die Salzwiesen bei Storkow geben noch einen Eindruck davon, wie die Landschaft bis in die 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts hinein vielerorts aussah. Von den 300 000 Hektar brandenburgischen Moorflächen ist inzwischen aber etwa ein Drittel trockengelegt, mit Bäumen und Büschen zugewuchert und damit verschwunden. Was ein Problem ist, sowohl für den Artenschutz als auch für das Klima.

Hauptgrund dafür, dass sich die Moorkörper abbauen, ist die Entwässerungstechnik der DDR-Landwirtschaft, erläutert Ingo Höhne, Gebietsleiter der Naturwacht Nuthe-Nieplitz. Um die vernässten Flächen landwirtschaftlich nutzen zu können, zog man tiefe Gräben, führte systematisch das Wasser ab und erhielt Wiesen, auf denen Viehfutter geerntet werden konnte. Die Gräben sind teilweise noch immer vorhanden – und schränken die Funktionsfähigkeit der Moore weiter ein.

Schon vor der Wende, aber vor allem danach, wurden zahlreiche Moorschutzprogramme aufgelegt, mit deren Hilfe bestehende Moore und Feuchtgebiete erhalten und trockengelegte Moore renaturiert werden sollen. In der Nuthe-Nieplitz-Niederung wurden seither große Flächen wieder vernässt. Im Naturschutzgebiet Zarth etwa wurden Meliorationsgräben geschlossen. Die Hoffnung ist, dass sich der unterliegende Torfboden wieder aufbaut und dauerhaft mit Wasser vollsaugt.

Viel Geld und Zeit investiert

Stabil ist eine Moorlandschaft aber erst, wenn der Wasserstand so hoch ist, dass vorhandene Bäume absterben und keine neuen mehr nachwachsen. Das dauert freilich seine Zeit. Im Naturpark Nuthe-Nieplitz setzt man deshalb seit Jahren viel Geld und Zeit ein, um die noch vorhandenen Feuchtwiesen und Moore per Hand von Bäumen zu befreien. Damit erzielt man zwei Effekte, sagt Ingo Höhne. Die Pflanzenarten, die auf den Feuchtwiesen leben – rare Orchideenarten wie das Breitblättrige Knabenkraut – bekommen das Licht, das sie brauchen. Und den ansässigen Tieren bleibt ihr gewohnter Lebensraum erhalten. Der Neuntöter etwa, der zu den Sperlingsvögeln zählt, braucht freie Flächen, um Insekten zu jagen. Die Insekten wiederum werden vom Blütenreichtum angezogen. Ebenso sei es für Greifvögel auf offenen Wiesen viel einfacher, Frösche oder Mäuse zu fangen. „Alles ist ein Kreislauf“, so Naturwächter Höhne. Die Wiese sei besonders für Botaniker und Entomologen wertvoll, da sich dort spezielle Falter und Laufkäferarten tummeln.

Zusammen mit seinem Kollegen Karsten Voigt und mehreren ehrenamtlichen Helfern kümmerte sich Ingo Höhne in der vergangenen Woche wieder um eine etwa 10 000 Quadratmeter große Moorwiese in der Nähe von Bardenitz. Sie stutzten Büsche und sägten Neuaustriebe des Erlenwaldes hinter der Wiese ab.

Entbuscht wird immer in den Wintermonaten, bis März sollten die Arbeiten beendet sein. Dann beginnt die Brutzeit. Ingo Höhne und seine Kollegen müssen sich die Zeit für die Landschaftspflege freischaufeln, denn sie haben auch abgesehen vom Moorschutz ein volles Pensum im Naturpark.

Ein Traktor mit Moorbereifung

Karsten Voigt etwa ist auch Biber-und Otter-Beauftragter, er betreut Kindergruppen und muss auch Schilder erneuern, wenn sie gestohlen oder zerstört wurden. Voigt misst auch regelmäßig den Pegel des Landschaftswasserhaushalts: „Das ist vor allem vor dem Hintergrund der Moorschutzmaßnahmen im Zarth sehr interessant“, sagt er. Im Naturschutzgebiet Nuthe-Nieplitz gibt es etwa 50 weitere Wiesen, die regelmäßig entbuscht werden. Weil die vier Angestellten das nicht alleine schaffen, haben sie jemanden beauftragt, einen Privatmann, der einen Traktor mit Moorbereifung hat und inzwischen seit Jahren einen Teil der Landschaftspflege für die Naturwacht erledigt.

Derzeit ist den Naturwächtern die Spätblühende Traubenkirsche ein Dorn im Auge, denn diese Pflanze ist besonders austriebsfreudig, wie der Biologe sagt, und kann eine Fläche schnell überwuchern. „Dann haben Holunder oder Eberesche keine Chance mehr“, sagt Karsten Voigt. „Das ist eine Gefahr für schützenswerte Biotope.“

Auch Moore sind schützenswerte Biotope, denn sie können Kohlenstoffdioxid aufnehmen und so der globalen Erwärmung entgegenwirken. Moore entziehen der Atmosphäre weltweit jedes Jahr 150 bis 250 Millionen Tonnen CO2 und wirken damit als Kohlenstoffsenke, heißt es vom Bundesamt für Naturschutz. Vor allem die Artenvielfalt im Moor müsse erhalten bleiben. Ingo Höhne fasst es so zusammen: „Es ist eine Bedrohung, wenn wir solche Lebensräume nicht mehr haben.“

Von Melanie Höhn

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