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Lehrermangel auf dem Lande

Schuljahr 2016/17 in Dahmeland-Fläming Lehrermangel auf dem Lande

Im Land Brandenburg fehlen zum kommenden Schuljahr noch gut 400 Lehrer. Auch in der Region Dahme-Spreewald sind noch nicht alle Stellen besetzt – 64 Pädagogen werden noch gesucht. Das Problem: Kaum jemand möchte auf dem Land unterrichten. Manche nehmen sogar lange Pendelzeiten in Kauf.

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Volle Klassenzimmer, wenig Lehrer – besonders im Süden der Region gibt es noch diese Probleme.

Quelle: dpa

Dahmeland-Fläming. Im Land Brandenburg sind zum kommenden Schuljahr noch 400 Stellen für Lehrer vakant – so ging es vor ein paar Tagen landesweit durch die Presse. Vor allem ländliche Regionen seien vom Lehrermangel betroffen, hieß es aus dem Bildungsministerium. Bildungsminister Günter Baaske (SPD) erwägt deshalb sogar, eine Zulage von 300 Euro pro Monat zu zahlen. Auch in der Region Dahmeland-Fläming stehen noch nicht alle Lehrer für das Schuljahr 2016/2017 fest, 64 werden aktuell noch gesucht. Und auch hier zeichnet sich der Negativtrend vor allem für den ländlichen Raum ab.

Vor allem in Teltow-Fläming fehlen laut Antje Grabley, Sprecherin des Bildungsministeriums, noch Lehrkräfte. Das zuständige Schulamt in Brandenburg an der Havel sucht derzeit noch 41 Fachkräfte, davon 39 Lehrer und zwei pädagogische Unterrichtshilfen. Laut Schulamt ist es vor allem in Luckenwalde und in Jüterbog schwierig, neue Lehrer zu finden. Gerade laufen die Bewerbungsgespräche, das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen – die Hoffnung auf neue Kollegen noch nicht erloschen.

Hintergrund

Zum kommenden Schuljahr müssen in ganz Brandenburg 1400 neue Lehrkräfte eingestellt werden.

Gut 400 der benötigten Pädagogen fehlen derzeit noch.

Aus der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) hieß es dazu, dass es schwer sei, diese Pädagogen noch rechtzeitig zu finden.

Die GEW kritisiert, dass der Lehrerberuf in Brandenburg zu unattraktiv sei – vor allem wegen schlechter Aufstiegsmöglichkeiten und befristeter Arbeitsverträge.

Tatsächlich sind laut Bildungsministerium 150 Verträge der für das kommende Schuljahr neu verpflichteten Lehrkräfte befristet. Das betreffe vor allem Seiteneinsteiger.

Im Landkreis Dahme-Spreewald sind etwas weniger Stellen vakant – aktuell werden noch 23 Lehrer gesucht. Das staatliche Schulamt in Cottbus geht derzeit noch davon aus, diese bis zum Schuljahresbeginn besetzen zu können. Sollten sich keine passenden Kandidaten finden lassen, werden in beiden Kreisen erst einmal Bewerber mit anderen Fächerkombinationen gesucht.

Eine Stadt, die schon seit Jahren unter der Landflucht junger Lehrer leidet, ist Dahme. In der örtlichen Grundschule mit 230 Kindern sind aktuell 17 Lehrer beschäftigt. Für das kommende Schuljahr werden weitere Kollegen gesucht, wie viele genau, will Schulleiterin Elke Thier nicht sagen. Nur so viel: Bisher habe sich noch niemand auf die Ausschreibung des Schulamtes beworben. Immerhin hat sich jetzt eine Lehramtsstudentin für ein Praktikum beworben, worüber sich Elke Thier sehr freut. Doch für viele junge Menschen seien so kleine Orte wie Dahme zu unattraktiv, mutmaßt sie. „Es ist dasselbe Problem wie bei den Ärzten, die wollen ja auch nicht aufs Land.“

Durchschnittsalter des Lehrerkollegiums liegt bei über 50 Jahren

Für die Schüler hat das unschöne Folgen: Arbeitsgemeinschaften fallen aus, Lehrer geben fachfremden Unterricht, das Durchschnittsalter des Kollegiums liegt bei über 50 Jahren, vor drei Jahren wurden die letzten Referendare ausgebildet. Elke Thier kann nur bedingt nachvollziehen, dass junge Kollegen nicht nach Dahme wollen. „Die Nähe zur Natur hat große Vorzüge – auch für den Unterricht“, sagt sie. Eine junge Lehrerin habe sich in den vergangenen Jahren bewusst dafür entschieden, mit ihrer Familie von Berlin nach Dahme zu ziehen. Sie sei mit der Entscheidung sehr glücklich. Eine andere Kollegin ziehe es jedoch vor, täglich mit der Bahn von Berlin nach Dahme zu pendeln. „Solch ein langer Weg ist natürlich kaum zumutbar“, sagt Elke Thier.

Auch nach Luckenwalde nehmen manche Lehrer lange Wege auf sich. „Wir haben einige Kollegen, die aus Potsdam oder Berlin zu uns pendeln“, sagt Michael Kohl, Schulleiter des Luckenwalder Friedrich-Gymnasiums. „Das ist so ein bisschen unser Handicap.“ Zwar gebe es nur selten Ausfälle wegen verspäteter Bahnen, doch mit vor Ort lebenden Kollegen sei die Organisation einfach flexibler, sagt er. Doch Michael Kohl will sich nicht beschweren, die gute Anbindung Luckenwaldes an öffentliche Verkehrsmittel scheint zu helfen. Immerhin hat die Schule kein Problem damit, das Kollegium ausreichend zu besetzen – für das Schuljahr 2016/2017 sind alle Stellen besetzt. Derzeit zählt die Schule 56 Lehrkräfte für 710 Schüler. „Allerdings“, gibt Kohl zu Bedenken, „kann es passieren, dass Kollegen wieder abspringen, wenn sie kurzfristig noch etwas in Potsdam oder Berlin finden.“

Situation im Norden ist entspannter

Im Norden der Region sieht die Situation weniger problematisch aus. So berichtet beispielsweise Gertraud Apel, stellvertretende Schulleiterin der Johann-Gottfried-Herder-Oberschule in Königs Wusterhausen, dass sie sich noch nie über unbesetzte Stellen beschweren musste. Auch wenn derzeit noch zwei Posten vakant sind, ist sie sich sicher, neue Kollegen über das Schulamt zu bekommen. Und wenn nicht: „Ich habe noch einige Kandidaten in petto“, so Apel.

Die Suche nach neuen Lehrkräften läuft laut Bildungsministeriumssprecherin Antje Grabley über eine bundesweit angelegte Bewerber-Datenbank im Internet. Dort sind aktuell 4800 Bewerber aus ganz Deutschland registriert. 1600 von ihnen sind an einer Hochschule ausgebildete Lehrkräfte mit abgeschlossenem Referendariat. Sobald klar ist, für welche Unterrichtsfächer an welcher Schule noch Lehrer benötigt werden, fragt das Schulamt sie systematisch an. Wenn auf diesem Weg keine erfolgreiche Vermittlung zustande kommt, werden die Stellen im Bewerberportal direkt von den Schulen veröffentlicht.

„Erst wenn eine Stelle nach zweimaliger Ausschreibung nicht besetzt werden kann, kann eine Ausschreibung für die 300-Euro-Zulage erfolgen“, sagt Antje Grabley. Es ist also noch ein bisschen Zeit, bis darüber auch bei Schulen in der Region nachgedacht wird.

Von Anja Meyer

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