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Lieber unbequem als angepasst

Königs Wusterhausen Lieber unbequem als angepasst

Die Stadtverordnete Priska Wollein aus Zernsdorf legt als fraktionslose Einzelkämpferin oft den Finger in die Wunde. In der Stadtpolitik müsste vieles anders laufen, sagt sie im MAZ-Gespräch. Das Parteiengekungel ist ihr ein Graus, deshalb engagiert sie sich bei den Freien Wählern.

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Stadtverordnete Priska Wollein aus Zernsdorf ist Mitgründerin der Freien Wähler KW.

Quelle: Privat

Königs Wusterhausen. Über die Wir-für-KW-Liste zog die Zernsdorferin Priska Wollein in den Königs Wusterhausener Stadtrat ein. Doch sie wandte sich enttäuscht von der Fraktion ab, legt nun in der SVV als Einzelkämpferin oft den Finger in die Wunde. Im MAZ-Gespräch erklärt die 52-jährige Kommunaktionsdesignerin, was sie antreibt.

Als fraktionslose Stadtverordnete sitzen Sie zwischen allen Stühlen. Entmutigt Sie das?

Priska Wollein: Nein, das spornt mich eher an. In der SVV ist nicht erkennbar, dass Politik für die Bevölkerung gemacht wird. Beobachtern muss es wie ein abgekartetes Spiel vorkommen. SPD und CDU geben ja auch ganz offen zu, dass sie sich vor den Sitzungen abstimmen. Fragen von Einwohnern werden teilweise drastisch abgewiesen. Es gibt keine Debattenkultur.

Wie sehen Sie Ihre Rolle?

Ich freue mich, Fragen zu stellen, mich mit konstruktiven Vorschlägen einzubringen. Ich bin gerne unbequem. Mich ärgert, dass ich in eine Oppositionsrolle geraten bin. Ich beanspruche das nicht für mich. Aber sonst hinterfragt kaum einer etwas, mit Ausnahme von Birgit Uhlworm von der Frauenliste.

Frau Uhlworm steht jetzt ebenfalls alleine da, nachdem Wir für KW die Fraktion mit der Frauenliste aufgelöst und sich der SPD angeschlossen hat. Können Sie sich vorstellen, mit ihr eine neue Fraktion zu bilden?

Im Moment ist Wahlkampf. Aber ich kann mir vorstellen, dass es Umgestaltungen nach der Wahl in der SVV geben wird. Unzufriedene gibt es dort einige.

Sie haben sich den Freien Wählern angeschlossen, die aber nicht in der SVV vertreten sind. Warum machen Sie nicht bei einer der im Stadtrat vertretenen Parteien mit?

Man braucht keine Parteistruktur, um auf kommunaler Ebene vernünftige Politik zu machen. Die Freien Wähler machen vor Ort eine pragmatische, bürgernahe Arbeit. Deshalb war es naheliegend, mich dort zu engagieren. So habe ich übrigens vor drei Jahren selbst angefangen, als wir eine Bürgerinitiative in Zernsdorf gründeten. Es gab genügend Themen, vom Autobahnlärm bis zu den Sandpisten. Ich sehe es eher als Vorteil, dass wir keine etablierte Partei sind.

Das hat sich auch Wir für KW auf die Fahnen geschrieben, ist das noch glaubhaft für Sie?

Nein. Die Fraktionsbildung mit der SPD ist ein wahlpolitischer Schachzug, mit stabilen Mehrheiten, wie behauptet wird, hat das nichts zu tun. Wir für KW ist einmal angetreten, das Verwaltungshandeln und die Politik zu kontrollieren. Als Fraktionspartner der SPD kann davon keine Rede mehr sein.

Ihr Plan für Königs Wusterhausen?

Ich möchte die gewachsenen Strukturen bewahren und keinen Ausverkauf, zum Beispiel von Flächen, betreiben. Die Frage ist, ob man den Prozess bewusst steuert oder nur reagiert, wie es im Moment passiert. Kitaplätze, Grundschulen, Hafens – schon vor fünf Jahren war die aktuelle Entwicklung absehbar, aber diese Themen wurden vom Bürgermeister und von den Kommunalpolitikern verschlafen. Die Stadt hat so viele Potenziale, aber keinen Masterplan. Was machen wir mit dem öffentlichen Stadtraum, wie öffnen wir die Stadt zum Wasser, was wird aus dem Industriehafen? Es gibt spannende Fragen, auf die Kommunalpolitiker und Bürger gemeinsam Antworten finden müssen.

Die Elektromobilität ist ebenfalls ein Zukunftsthema. Königs Wusterhausen will ein Vorreiter in der Region sein, mit einer guten Infrastruktur von Ladestationen und auch im öffentlichen Nahverkehr. Stellt die Politik hier rechtzeitig die Weichen?

Es stimmt, der Bürgermeister tut sich gerade besonders damit hervor. Wenn es Fördermittel gibt, kann man die ja gemeinsam mit den anderen beteiligten Kommunen Schönefeld und Wildau nutzen. Andererseits stelle ich mir die Frage, ob diese Infrastruktur jetzt mit Steuergeldern aufgebaut werden muss. Das ist nun im Gegensatz zu vielen anderen ein Problem, das der Markt regeln wird.


Von Frank Pawlowski

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