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Dahme-Spreewald Lutz Franzke redet zum Abschied Klartext
Lokales Dahme-Spreewald Lutz Franzke redet zum Abschied Klartext
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00:18 18.10.2017
Lutz Franzke (63, SPD) hat einen Job als Projektentwickler bei einem Unternehmen aus der Region in Aussicht. Quelle: Gerlinde Irmscher
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Königs Wusterhausen

An diesem Sonntag endet die achtjährige Amtszeit von Bürgermeister Lutz Franzke (SPD). Beim MAZ-Gespräch vor zwei Tagen wirkt das gar nicht so. Der 63-Jährige ist beschäftigt wie immer, eilt zwischendurch sogar kurz vor das Königs Wusterhausener Rathaus für ein Fernsehinterview zum Massenaustritt bei der Senziger Feuerwehr. In seinem Büro mit Blick auf das Schloss deutet fast nichts auf seinen baldigen Auszug hin. Bis auf den Umzugskarton, der zusammengefaltet an der Wand lehnt, und die fünf raumhohen, ausladenenden Pflanzen. Die hat er aus Galizien, Hawaii und Kuba mitgebracht und hier großgezogen. Die sehr sensiblen Pflanzen will er an Kollegen verteilen.

Herr Franzke, sind Sie erleichtert oder wehmütig, dass Sie den Chefsessel jetzt räumen müssen?

Lutz Franzke: Das kann ich auf Anhieb gar nicht sagen, weil ich noch gar nicht zur Ruhe gekommen bin. Meine Frau und meine Familie sehen es schon eher als kommende Erleichterung an. Mich beschäftigt im Moment mehr die Frage, wie es mit einigen Projekten weitergeht, die wichtig sind für die Stadt. Wenn man jetzt zum Beispiel die Technologiepark-Pläne für den Funkerberg für null und nichtig erklärt, dann wären 15 Jahre Arbeit, die noch unter meinem Vorgänger Stefan Ludwig begonnen wurde, umsonst gewesen. Mich wurmt, dass ich einige Probleme nicht lösen konnte, zum Beispiel bei der Senziger Feuerwehr. Da ist dann aber auch ein bisschen Erleichterung dabei, dass sich nun ein anderer um Konflikte wie diese kümmern muss.

Hat das Amt des Bürgermeisters Sie verändert?

Es hat sehr viel Kraft gekostet. Aber ich habe versucht, gesund zu leben, und hatte immer den mehrheitlichen Rückhalt im Stadtrat, in der Familie sowieso. Dann hält man das durch. Ich habe allerdings viel von meiner Naivität verloren. Die Zahl der Menschen, denen ich vertraue, hat sich erheblich verringert. Mein Respekt vor dem Amt ist aber noch genauso groß wie am ersten Tag.

Worauf sind Sie im Rückblick am meisten stolz?

Ich kann wirklich sagen, dass ich meine Hauptversprechen von der Wahl vor acht Jahren umsetzen konnte, gemeinsam mit den Bürgern, der Verwaltung und den Stadtverordneten. Breitbandausbau, Radwege, Wohnungsbau, Straßenbau – Königs Wusterhausen hat sich in vielen Bereichen nach vorne entwickelt. Bei meinem Amtsantritt lag die Arbeitslosenquote bei 7,2 Prozent, jetzt sind es 4,5. Die Einwohnerzahl ist von 33 000 auf 37 000 gestiegen, die Zahl der Jobs hat sich von 8200 auf 9500 erhöht, die Investitionen haben sich verdoppelt. Wir haben viel für den Sport gemacht. Darauf bin ich stolz, auch wenn mir bewusst ist, dass es noch viele Baustellen gibt. Kita-Plätze, Altansschließer und vieles andere. Aber das ist ja auch das Schöne an dieser Aufgabe. Es gibt immer wieder neue Herausforderungen, denen man sich stellen muss.

Was hätten Sie aus heutiger Sicht anders gemacht?

Kaufland war eine der Entscheidungen, die ich bereue. Die Stadt hätte diese Investition nicht gebraucht. Wir wollten in der Wiesenstraße gerne Wohnungen bauen, aber wir kamen an das Grundstück nicht ran. Es gibt weitere Areale in der Stadt, wo wir an privaten Eigentümern gescheitert sind. Auch die Bahnhofstraße hat sich fast nicht verändert, sie ist eher noch unattraktiver geworden.

Was war der schönste Moment Ihrer Amtszeit?

Ehrlich gesagt, gibt es den einen gar nicht. Am schönsten waren die kleinen Momente, in denen man sich im Stillen freuen kann. Ein dankbares Lächeln oder strahlende Kinderaugen. Die freundlichen Schulterklopfer am Rande, mit denen man nicht rechnet, das waren die schönsten Momente. In den zurückliegenden Wochen und Monaten kamen übrigens viele Leute auf mich zu. Ich bekam auch Anerkennung von Kritikern, das hat mich gefreut. Ich würde mir wünschen, dass die Leute auch im Alltag einmal Danke sagen zu allen Bürgermeistern in ihren Städten und Gemeinden. Das kommt leider nicht so häufig vor.

Was war der schwerste Moment?

Die Betrugsanzeige gegen mich. Zwar ist das Verfahren eingestellt worden. Aber wenn man öffentlich am Pranger steht und sich nicht wehren kann, dann brennt sich das ein. Der Spießrutenlauf in den Bürgerversammlungen zu den Flüchtlingsunterkünften hat mich ebenfalls extrem belastet. Es ist unerträglich, wenn man von Leuten angespuckt wird. Aber auch das muss man als Bürgermeister aushalten können. Insgesamt gesehen war es aber eine schöne Zeit.

Wie steht die Stadt Königs Wusterhausen heute im Land Brandenburg da?

Wir sind die heimliche Hauptstadt des Brandenburger Flughafenumfeldes. Wirtschaftlich, aber auch als attraktiver Wohnort. Wir sind stolzer und selbstbewusster geworden und genießen überregional einen exzellenten Ruf.

Welchen Tipp haben Sie für Ihren Nachfolger?

Ich hoffe, dass er die Vorreiterrolle von Königs Wusterhausen fortführen kann. Er ist klug genug, um einen guten Weg für die Stadt zu finden.

Ihre SPD hat bei der Bürgermeisterwahl ein Debakel erlebt, der sozialdemokratische Kandidat Georg Hanke war chancenlos. Was denken Sie, woran lag das?

Zunächst einmal war der Wahlsieger Herr Ennullat ein starker Kandidat. Die Aufstellung von Georg Hanke als SPD-Bürgermeisterkandidat war definitiv die falsche Entscheidung. Aber auch das verkopfte Wahlprogramm der Bundespartei war ein Grund für das Scheitern auf kommunaler Ebene. Es spiegelt nicht die Lebenswirklichkeit der Menschen wieder und ist obendrein kaum verständlich. Da muss sich die SPD dringend verändern – auch mit einer Abkehr von politischer Korrektheit und elitären Theorien.

Wie sieht Ihre berufliche Zukunft aus?

Ich gehe davon aus, dass ich bei einem Unternehmen in der Region als Projektentwickler arbeiten werde. Außerdem engagiere ich mich weiter ehrenamtlich im Flughafen-Dialogforum und werde hier besonders meine Heimatstadt im Kopf haben.

Werden Sie sich nun kommunalpolitisch in Königs Wusterhausen engagieren?

Vorerst nicht. Zur Kommunalwahl 2019 könnte ich mir vorstellen, für den Ortsbeirat Königs Wusterhausen zu kandidieren. Aber da ist noch nichts entscheiden. Meine Frau rät mir dringend davon ab.

Ihr größter Wunsch für die Zukunft von Königs Wusterhausen?

Mehr Gelassenheit und Harmonie aller untereinander. Jemand, der mal eine andere Meinung hat, sollte nicht zum Erzfeind gemacht werden.

Von MAZonline

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