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MAZ-Reporterin stellt sich Sechstklässlern

MAZ macht mit: Mathe-Olympiade MAZ-Reporterin stellt sich Sechstklässlern

Bruchrechnung, Geometrie und logisches Denken: Bei der Mathematik-Olympiade rechnen deutschlandweit Schüler von Klasse 3 bis zum Abitur um die Wette. Kommen Erwachsene da überhaupt noch mit? MAZ-Reporterin Anja Meyer hat es ausprobiert. Sie nimmt es beim Brandenburger Landesentscheid der Mathe-Olympiade mit den Sechstklässlern auf.

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MAZ-Reporterin Anja Meyer (M.) mit 120 Schülern beim Landesentscheid der Mathematik-Olympiade in Blossin.

Quelle: Gerlinde Irmscher

Blossin. Diese Enge im Brustkorb, der schummrige Kopf und der Wunsch, die Zeit ein paar Stunden vorzudrehen – oder direkt abzuhauen. Ich hatte dieses schreckliche Gefühl vor Prüfungen ganz verdrängt. Lang ist es her. Jetzt ist es urplötzlich wieder da. Ich stehe mit 120 Schülern der Klassenstufen 6 bis 12 vor der Mehrzweckhalle der Jugendbildungsstätte in Blossin, Gemeinde Heidesee. In 20 Minuten geht es los: 55. Mathematik-Olympiade, 26. Landesrunde Brandenburg.

Warum bin ich noch mal hier? Genau! Ich will herausfinden, ob ich es mit Sechstklässlern aufnehmen kann. Nur deshalb schreibe ich mit. Als ich mich daran erinnere, ist das schreckliche Gefühl weg.

Da raucht der Kopf

Da raucht der Kopf.

Quelle: Gerlinde Irmscher

Für mich geht es heute weder ums Sitzenbleiben, noch um das Bestehen eines Studiensemesters. Für mich geht es heute um die Ehre. Hätte ich doch den Kollegen bloß nicht erzählt, dass ich immer gut war in Mathe. Und dass ich die Sechste-Klasse-Klausur locker schaffen werde. In den nächsten fünf Stunden werde ich sehen, ob ich an Selbstüberschätzung leide, oder ob noch etwas in den grauen Zellen hängen geblieben ist.

Für die Schüler um mich herum geht es ebenfalls um die Ehre, oder auch einfach nur um den Spaß am Rechnen, Knobeln und Denken. Der olympische Gedanke steht im Vordergrund. Die Mathematik-Olympiade ist ein bundesweiter Wettbewerb, an dem jährlich mehr als 250.000 Schüler teilnehmen, von Klasse 3 bis zum Abitur. Die erste Mathe-Olympiade wurde Anfang der 1960er Jahre ausgerichtet, die Aufgaben gehen weit über den Schulstoff hinaus.

Nicht nur das Ergebnis zählt, sondern auch der Rechenweg muss notiert werden

Nicht nur das Ergebnis zählt, sondern auch der Rechenweg muss notiert werden.

Quelle: Gerlinde Irmscher

Im September haben sich die besten 4500 Mathe-Schüler Brandenburgs an ihren Schulen mit einer Hausaufgabe für den Kreisentscheid qualifiziert. Dort rechneten sich im November die besten 120 Schüler in die Landesrunde. Für die jüngeren Klassenstufen endete die Olympiade mit dem Kreisentscheid. Für die Klassen 8 bis 12 geht es im Juni weiter zum Bundesentscheid in Jena.

Die Startzeit, 13.30 Uhr, rückt näher. Fast alle haben ihre Startnummer. Ich wende mich an eine Lehrerin. Angemeldet habe ich mich zuvor bei Christian Theuner, dem Brandenburger Landesbeauftragten der Mathematik-Olympiade. Die Lehrerin bringt mich zu ihm. „Wir haben hier eine großgewachsene Sechstklässlerin“, sagt sie und grinst dabei. Theuner weiß Bescheid. „Sie haben die Startnummer 631“, erklärt er mir und schickt mich in den Raum.

Erfrischung für Olympioniken

Erfrischung für Olympioniken.

Quelle: Gerlinde Irmscher

„Alles klar“, sage ich. Naja, noch nicht ganz. Der erste Intelligenztest besteht darin, den Tisch mit der Nummer 631 zu finden. Theuner hilft mir, daran scheitere ich schon einmal nicht. Ich sitze ganz hinten, direkt neben den Getränken. Ein guter Platz. Ich schaue mir die Schüler um mich herum an. Schräg vor mir sitzt ein Mädchen mit einem blauen T-Shirt. Darauf steht: „Nachts teilen wir heimlich durch Null.“

Auf den Tischen der anderen Schüler stapeln sich Kekse, Schokolade und Traubenzucker. Mist, das habe ich vergessen. Ein Junge, etwa 12. Klasse, setzt sich in die Reihe vor mir. „Ich habe mich überhaupt nicht vorbereitet“, sagt er betont lässig zu seiner Sitznachbarin. Das habe ich auch nicht, wirklich nicht. Ich hätte nicht einmal gewusst, womit ich anfangen soll. Bruchrechnung wäre nicht schlecht gewesen, wie ich gleich merken soll. Christian Theuner begrüßt alle. „Ich freue mich, dass Ihr Euch für die 26. Landesrunde qualifizieren konntet“, sagt er. Ich komme mir schlecht vor, mich hier einfach hereingemogelt zu haben. Außerdem schreibe ich nur die Hälfte mit, für die Schüler geht es morgen mit einer zweiten Klausur weiter.

Helfer verteilen die Aufgaben

Helfer verteilen die Aufgaben.

Quelle: Gerlinde Irmscher

Theuner erklärt den Ablauf: Bis 15 Uhr dürfen wir Fragen stellen. Um 18.30 Uhr ist Abgabe. Wer eine Pause mache, solle in der Zeit abschalten. Nach der Klausur gebe es Freizeitangebote. Dann verteilen Theuner und seine Helfer die Aufgabenblätter. Es geht los.

Ich schlage das Blatt auf: Was?! Nur drei Aufgaben für fünf Stunden? Das wird ja ein Kinderspiel, denke ich mir und lese die erste durch. Ich verstehe – nichts! Emily, Nils, Meike und Tom wollen zu ihren Verwandten fahren. Onkel, Tante, Opa und Oma bekommen jeweils Besuch von einem Kind. Jeder bringt ein Geschenk mit, Lesezeichen, Schale, Bild und Pflanze. Man soll durch kleine Hinweise herausfinden, wer wohin fährt. Ich schweife ab, zwinge mich aber zur Konzentration. Nach viermaligem Lesen ist mir die Aufgabe klar. Dann geht es. Ich male Tabellen auf und komme über das Ausschlussverfahren zur Lösung. Jetzt bin ich voll drin.

Die zweite Aufgabe ist komplizierter: Bruchrechnung mit drei Unbekannten. Die Lösung habe ich schnell – durch Ausprobieren und wildes Zahlen-Einsetzen. Die Krux: Jeder Lösungsweg soll genau dokumentiert werden. Das war schon in der Schule mein Pro-blem. Auf das Ergebnis bin ich meist gekommen, den Weg konnte ich selten sauber erklären. Daran wird sich heute nichts ändern.

Trotzdem probiere ich es weiter und beiße mich an der Aufgabe fest. Drei Schmierzettel habe ich schon vollgeschrieben, doch das Ergebnis liegt in weiter Ferne. Ich schaue auf die Uhr, es ist 16 Uhr. Der erste Schüler gibt ab, alle anderen rechnen emsig weiter. Es ist mucksmäuschenstill.

Abgabe

Abgabe.

Quelle: Gerlinde Irmscher

Bevor die Zeit abläuft, mache ich mich an die dritte Aufgabe: Geometrie. Ich soll mit verschiedenfarbigen Würfeln unterschiedliche Kreuze legen. Geht irgendwie, aber der Weg zur zweiten Lösung fehlt noch. Es wird immer später, schließlich schreibe ich auf, wie ich durchs Ausprobieren auf die Lösung gekommen bin. Kurz vor 18 Uhr gebe ich ab. Die Anspannung fällt von mir ab. Es war anstrengend.

Ein paar Tage später rufe ich Christian Theuner an, um mein Ergebnis zu erfahren: 14 von 20 Punkten. Damit liege ich im Mittelfeld. Der beste Sechstklässler hat 18 Punkte erreicht. Ich bin etwas geknickt. „Das ist ja nicht so doll“, sage ich zu Christian Theuner. Er beruhigt mich. Das Ergebnis sei in Ordnung. Die Lösungen waren richtig, nur am Rechenweg haperte es. Das würden nur wenige Erwachsene ohne Vorbereitung besser hinbekommen. „Die Sechstklässler sind eben nicht zu unterschätzen“, sagt er. Das würde ich auch niemals tun.

Von Anja Meyer

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