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Mehr Spenden, aber auch mehr Nachfrage

Kleiderkammern in der Region Mehr Spenden, aber auch mehr Nachfrage

Sie geben Schuhe, Jacken, Pullover und vieles mehr zu symbolischen Preisen ab, doch mit der steigenden Zahl der Flüchtlinge wächst auch bei den Kleiderkammern in der Region die Nachfrage. Von Konkurrenz mit der traditionellen Klientel ist dennoch nichts zu spüren – dank der Spendenbereitschaft der Bevölkerung. Nur die Qualität der Sachen könnte besser sein.

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Die Nachfrage bei den Kleiderkammern wie hier in Königs Wusterhausen wächst, aber auch die Spendenbereitschaft.

Quelle: Martin Küper

Dahmeland-Fläming. „Ein Rollbett? Wo soll ich denn das noch unterbringen?“, sagt Regina P. mehr zu sich selbst als zu dem Menschen am Telefon. Es ist kurz nach 14 Uhr, die Kleiderkammer an der Königs Wusterhausener Maxim-Gorki-Straße hat gerade geöffnet. Es herrscht Hochbetrieb vor dem Wandregal voller Hosen, Pullis, Jacken, Schuhe und Schals. Aber die Stimmung ist gelöst, die Kunden und die ehrenamtlichen Helfer kennen sich gut, es wird viel gefeixt. Von Konkurrenz um die Kleider, die hier für Euro- und Centbeträge den Besitzer wechseln, ist nichts zu spüren – trotz der gestiegenen Nachfrage vor allem von Flüchtlingsheimen in der Region.

„Es kommen schon spürbar mehr Anfragen, auch von den Pfarrämtern“, erzählt Regina P., die seit vielen Jahren in der Kleiderkammer hilft und lieber nicht mit vollem Namen in der Zeitung stehen will. „Am meisten gebraucht wird zurzeit Kinderkleidung.“ Aber mit der Nachfrage durch die Flüchtlingsheime ist auch das Spendenaufkommen gewachsen. Die schiere Menge an Kleiderspenden ist also nicht das Problem. Hinter vorgehaltener Hand ist zu erfahren, dass es der Kleidung häufig eher an Qualität mangelt. Viele Leute würden nur Sachen abgeben, die sie sonst nicht mehr loswürden. Die Helfer müssen viel aussortieren, denn Stauraum ist in der Kleiderkammer Mangelware. Anfragen von Flüchtlingsheimen und Pfarrämtern haben Priorität, was sonst noch taugt, kommt ins Wandregal.

Hintergrund

Kleiderkammern und Anlaufstellen für Bedürftige in der Region:

Jüterbog: Arbeitslosenverband, Gewerbering 7, 0 33 72/44 04 90.

Luckenwalde: Kleiderkammer des DRK, Neue Parkstraße 18,  0 33 71/64 11 25.

Ludwigsfelde: „Haus der kleinen Preise“, Ernst-Thälmann-Straße 26,  0 33 78/87 98 00.

Zossen: Arbeitslosenservice, Stubenrauchstraße 26,  0 33  77/39 98 50.

Königs Wusterhausen: Arbeitslosenservice, Scheederstr. 9-10,  0 33 75/29 49 69.

Bestensee: Mehrgenerationenhaus „Kleeblatt“, Waldstraße 33,  03 37 63/2 28 75.

Wildau: Fahrradwerkstatt und Kleiderkammer der ABS, Straße des Friedens 8, geöffnet werktags von 8 bis 13 Uhr,  0 33 75/21 29 32.

Doch grundsätzlich profitieren von der gewachsenen Spendenbereitschaft der Bevölkerung nicht nur die Neuankömmlinge in den Flüchtlingswohnheimen, sondern auch die traditionelle Klientel der Kleiderkammern. Dazu gehören Hartz-IV-Betroffene, aber auch junge Leute, die wenig Geld verdienen und Rentner mit einer Minimalrente. „Die Leute denken heute vielleicht zweimal nach, bevor sie etwas wegschmeißen, was noch gut in Schuss ist“, sagt etwa Angelika Klettke.

Sie ist verantwortlich für den „Laden mit Herz“, den die Beschäftigungs- und Aufbaugesellschaft in Luckenwalde betreibt. In den großen Kellerräumen stapeln sich gebrauchte Bad- und Küchenutensilien, Schränke, Regale und vor allem Klamotten. „Das Spendenaufkommen ist im Vergleich zum Vorjahr um einiges angewachsen“, sagt die Chefin. Wobei: Genug kann es nie sein. „Warme Sachen werden nach wie vor gebraucht, gerade für junge Männer.“ Jacken, Hosen, Schuhe, aber auch Bettwäsche, Handtücher und Rucksäcke kann der „Laden mit Herz“ unter die Leute bringen.

Auch bei der Kleiderkammer des DRK in Luckenwalde ist in diesem Jahr mehr als sonst eingegangen. „Was wir am dringendsten brauchen, sind freiwillige Helfer“, sagt Tatyana Zabiyaka. Denn die Kleider werden meistens in Säcken abgegeben. Sie müssen ausgepackt, gesichtet und sortiert werden. Nach Männer-, Frauen- und Kinder-Kleidung, nach Jacken, Hosen und Pullovern, nach Größen. „Wir haben schon ganz fleißige Ehrenamtler, aber die Spendenbereitschaft ist enorm und entsprechend groß auch der Arbeitsaufwand“, sagt sie.

Darüber kann auch Regina P. ein Lied singen, in der Kleiderkammer in Königs Wusterhausen geht es an diesem Nachmittag zu wie in einem Taubenschlag. Aber wenn die Stammkunden sich mit passenden Kleidungsstücken, heißem Kaffee und Kuchen versorgt haben, kann auch Regina P. endlich durchschnaufen.

Von Oliver Fischer

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