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Mehr als nur ein grüner Daumen

Baumschule Puchert in Zeesen Mehr als nur ein grüner Daumen

Stefan Pucherts Gewächse in seiner Baumschule in Zeesen brauchen zurzeit besonders viel Aufmerksamkeit. Er hat mehr als 1000 Sorten im Angebot. Seine Baumschule gibt es schon seit fast 100 Jahren. Er übernahm den Betrieb 1992 von seiner Mutter Barbara. In der DDR war er einst der beste Baumschuler-Lehrling seines Jahrgangs.

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Stefan Pucherts Baumschule in Zeesen gibt es schon fast seit mehr als 100 Jahren. Foto: Melanie Höhn

Königs Wusterhausen. Stefan Puchert weiß, wie man die Natur überlistet und doch lebt er mit ihr im Einklang. Aus einer Vogelkirsche macht er eine Süßkirsche, eine Sandbirke wird durch sein Zutun eine Trauerbirke. „Es ist wie eine Transplantation“, beschreibt er die Technik namens Veredelung, die der Inhaber der Baumschule Puchert schon seit Jahrzehnten mit Erfolg durchführt. Mit einem Gummiband verbindet er beide Pflanzen und streicht heißes Wachs darüber, damit nichts verdunstet. Die Kirschbäume werden – wie auch andere Obstgehölze – durch Veredlung vermehrt. Auf diese Weise entsteht ein sortenreiner Abkömmling.

Das ist nur eine der Aufgaben, die im Frühjahr in der Baumschule anstehen. Auch Pflanzarbeiten für viele der mehr als 1000 Sorten sind notwendig, denn sie müssen nun schnell aus dem Boden in den Topf, bevor sich Wurzeln bilden, erklärt Mitarbeiterin Ute Grünert. „Jetzt gibt es viel zu tun. Es wird schnell warm und wir haben Zeitdruck“, sagt sie. Alle zwei Jahre stehen Umpflanzungen an, damit die alten Wurzeln nicht zu dick werden und sich wieder frische bilden können. Denn die Bäume und Sträucher sollen noch weiterverkauft werden. Im Jargon der Baumschuler: Neu verpflanzen heißt aufschulen, umpflanzen nennt sich verschulen.

An diesem kalten Aprilmorgen führt Ute Grünert Schnittarbeiten an einem kleinen Apfelbaum durch, „damit er sich noch formen kann,“ erklärt die 57-Jährige, die schon seit 20 Jahren Stefan Puchert unterstützt. „Es ist schön, viel draußen zu sein. Die frische Luft tut gut“, sagt die Bestenseerin. Ihr Arbeitstag fängt morgens um 7 Uhr an. Im Sommer nimmt tägliches Gießen und Unkraut jäten einen Großteil der Tagesaufgaben ein.

Bis zu 70 000 Pflanzen im Angebot

Gartenliebhaber können aus dem großen Sortiment der Baumschule, das aus 60 000 bis 70 000 Pflanzen der verschiedenen Altersklassen besteht, wählen. Stefan Puchert und seine drei Angestellten ist die ausführliche Kundenberatung wichtig. In letzter Zeit häufen sich Fragen zum Thema Baumflechten, kleine grüne oder graue Stellen am Stamm: „Weil nicht mehr so viel Schwefeldioxid in der Luft ist und die Filteranlagen besser geworden sind, können sich die Flechten, eine Kombination aus Alge und Pilz, entwickeln“, erklärt der Baumschuler. „Das ist aber nichts Schlimmes.“ An diesem Morgen musste er noch Nägel für die Baumanbindung – ein Gestell aus Holz – besorgen, das die frisch umgepflanzten Bäume stabil halten soll. „Die Wurzeln sind zu dünn, der Baum fällt bei einem Windstoß sonst um“, sagt der 51-jährige.

Neben Nadelgehölzen, Straßen- und Obstbäumen, Ziersträuchern und Rosen hat er unter anderem auch den rotblättrigen Pfirsich und Kuchenbäume im Angebot, deren trockene Blätter nach Anis duften. Die ältesten seiner Bäume sind zwischen 20 bis 25 Jahre alte Kiefern. Je langsamer die Wachstumsgeschwindigkeit, desto teurer – bis eine Blutbuche etwa zehn Meter hoch ist, dauert es 20 Jahre, bei einer Linde nur die Hälfte der Zeit. „Ahorn, Birken und Pappeln wachsen ebenfalls schneller“, so der Gartenexperte. Auch Hecken sind in der Baumschule in großer Stückzahl vorhanden. Sie werden von den Kunden oft nachgefragt. Seine Pflanzen stehen in vielen Privatgärten in und um Königs Wusterhausen, auch die Gemeinde kauft bei ihm ein. Manche seiner Kunden kommen sogar extra aus Cottbus oder Brandenburg an der Havel nach Zeesen.

Zwerghühner als Schädlingsbekämpfer

Zur Schädlingsbekämpfung setzt Stefan Puchert Zwerghühner ein. Sie fressen den Dickmaulrüssler, eine nachtaktive Käferart, und andere Schädlinge wie Blattläuse und Wanzen. „Gartenpracht und Kleintierhaltung schließen sich nicht aus“, sagt er. Demzufolge sei auch keine chemische Bekämpfung notwendig. Theo, der kleine Mischlingshund der Pucherts, tobt sich ebenfalls auf dem Gelände der Baumschule aus und sorgt für gute Laune der Mitarbeiter. Stefan Puchert ist gelassen. Angst vor unvorhergesehenen Situationen hat er nicht: „Man wird zunehmend erfahrener und findet eigene Methoden, wenn mal etwas nicht funktioniert.“ Schwierige Zeiten gab es trotzdem, etwa wenn die Nachfrage oder das Wetter nicht mitspielten. Nach der Wende waren lange exotische Pflanzen beliebt. Die Leute wollten etwas Neues, erzählt er. „Der Kirschlorbeer war auf einmal gefragt, doch der kann auf unseren leicht sandigen Böden im Winter schlecht Wasser aufnehmen.“ Inzwischen besinnen sich die Leute wieder auf altbewährtes Obstgehölz, berichtet er: „Es gibt wieder ein Bewusstsein, Dinge selbst zu machen, Marmelade zum Beispiel.“

Die Baumschule von Stefan Puchert ist ein echter Familienbetrieb: Er führt die Firma seit 1992 in dritter Generation. Der Zeesener ist Baumschuler mit Leidenschaft und war der beste Lehrling seines Jahrgangs in der DDR. Seine Schwägerin arbeitet im Büro und sogar seine 84-jährige Mutter Barbara macht oft noch kleinere Arbeiten auf dem 45 000 Quadratmeter großen Gelände, das direkt am Zeesener See liegt – die Familie wohnt in einem Haus neben der Baumschule. „Ich bin stolz auf unseren Betrieb. Gartenbau liegt in der Familie“, sagt Barbara Puchert. Schon ihr Vater war Kunstgärtner auf dem Schloss Oels, etwa 30 Kilometer östlich von Breslau. Ihren Lehrmeistern an der Berliner Baumschule Späth, die um 1900 die größte Baumschule der Welt war, ist sie heute noch dankbar.

Baumschule mit Tradition

Inzwischen gibt es die Baumschule seit etwa 100 Jahren: 1920 erwarben Fritz und Lisbeth Puchert das Gelände, 1954 übernahmen Sohn Waldemar Puchert und seine Frau Barbara den Hof. Neben dem Abgabesoll von Eiern, Fleisch und Milch produzierten die gelernten Gärtner bereits Baumschulware. Ab 1960 führte Barbara Puchert die Gärtnerei und lieferte an die staatliche Baumschulwirtschaft zu, vor allem Sträucher und Alleebäume. „So richtig konnten wir den Betrieb erst nach der Wende aufbauen. Vorher wurde grundsätzlich zu wenig zugeteilt“, entsinnt sich Barbara Puchert. Vieles war nur durch Improvisation möglich. Von Angestellten aus der Umgebung bekamen sie Margarinenbecher, im Gegenzug stellte die Baumschule Pflanzen zur Verfügung. Stefan Puchert erinnert sich: „Auf den Bechern war eine Sonnenblume abgebildet. Wir hatten damit die lustigsten Blumentöpfe. Man musste sich eben etwas einfallen lassen.“

Von Melanie Höhn

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