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Dahme-Spreewald Meilenstein für den Funkerberg
Lokales Dahme-Spreewald Meilenstein für den Funkerberg
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02:27 20.04.2018
Am 22. Dezember 1920 wurde auf dem Funkerberg in Königs Wusterhausen Geschichte geschrieben. Erstmals gelang es Technikern, Sprache und Musik zu senden. Quelle: Gerlinde Irmscher
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Königs Wusterhausen

„Hallo, hallo – hier ist Königs Wusterhausen auf Welle 2700.“ So klang es, als die Hauptfunkstelle der Post auf dem Funkerberg in Königs Wusterhausen am 22. Dezember 1920 den Betrieb aufnahm. Zum ersten Mal wurden Sprache und Musik in Form eines moderierten Programms gesendet – „also genau das, was man heute als Radio bezeichnet“, bringt es Rainer Suckow, der Vorsitzende des Fördervereins Sender Königs Wusterhausen, auf den Punkt.

Rainer Suckow, Vorsitzender des Fördervereins Sender KW. Quelle: Josefine Sack

Das damals vom Sendehaus 1 ausgestrahlte Weihnachtskonzert gilt als die Geburtsstunde des Rundfunks in Deutschland. Längst sind sich Kommunikationswissenschaftler, Hobbytüftler und Radiofans einig: Was den Technikern der Radiostation vor nunmehr 96 Jahren gelang, ist historisch gesehen ein Meilenstein. Am morgigen Sonnabend wird Königs Wusterhausen endlich ganz offiziell zum Meilenstein der Technikgeschichte ernannt. Das „Institute of Electrical and Electronics Engineers“ (IEEE), der weltweit größte Verband von Ingenieuren und Wissenschaftlern im Bereich der Elektrotechnik mit Sitz in New York, hat im vergangenen Jahr beschlossen, den Funkerberg für die 1920 gelungene Ausstrahlung des Weihnachtskonzerts zu ehren. Die Auszeichnung „IEEE Milestone“ ist vergleichbar mit dem Titel Weltkulturerbe der Unesco und gilt als technisches Pendant zum Nobelpreis.

Preisgeld oder Fördermittel gibt es nicht

„Schon die Gründerväter unseres Fördervereins hatten die Idee, die Radiostation Königs Wusterhausen zum Kulturerbe erklären zu lassen“, erinnert sich der heutige Vorsitzende des 1983 ins Leben gerufenen Vereins Sender Königs Wusterhausen. „Mit der Aufnahme in den Kreis der Meilensteine der Technikgeschichte ist diese Mission erfüllt“, sagt Suckow und grinst über beide Ohren.

Ein Preisgeld oder Fördermittel bringt die Auszeichnung zwar nicht, doch darum geht es den Rundfunkbegeisterten auch nicht. „Es geht in erster Linie um die Würdigung einer bedeutenden technischen Errungenschaft“, erklärt Suckow. Er selbst hat in der Keimzelle des deutschen Radios Sendetechniker gelernt, 30 Jahre ist das her. Heute bildet er aus, bei einem der größten europäischen Telekommunikationsunternehmen.

Internationale Anerkennung ist sicher

Dank des Meilensteins des IEEE dürfte nun auch das Sendehaus 1 auf dem Funkerberg international Anerkennung erfahren: Denn mit der Auszeichnung befindet sich Königs Wusterhausen in einem weltweit noch überschaubaren, exklusiven Kreis. 180 anerkannte Meilensteine der Technikgeschichte wurden bislang vom IEEE geehrt. In Deutschland würdigte der Verband erst zwei technisch-historische Erfindungen: 2014 wurden das alte Wasserkraftwerk in Rheinfelden (Baden) sowie die Entdeckung der elektromagnetischen Wellen durch den Physiker Heinrich Hertz (1857-1894) in Karlsruhe ausgezeichnet.

Historische Aufnahmen belegen die Ausstrahlung. Quelle: Förderverein

Seit 2011 setzte sich auch der Förderverein in Königs Wusterhausen für die Anerkennung ein. Ein Jahr lang durchforsteten die Mitglieder Archive und prüften historische Quellen, die belegen sollten, dass es sich bei dem Weihnachtskonzert im Jahr 1920 tatsächlich um die Geburtsstunde des deutschen Rundfunks handelte. Denn das Aufnahmeprozedere des IEEE ist alles andere als ein Kinderspiel: „Mindestens fünf unabhängige historische Quellen muss man nachweisen“, sagt Suckow. Die technischen Informationen habe man schnell zusammengehabt. Wie die Techniker die Sendung am 22. Dezember 1920 bewerkstelligten, ist anhand von historischen Fotos belegt. „Aber der Text, der ausgestrahlt wurde, war nur überliefert, also machten wir uns auf die Jagd nach alten Zeitungsartikeln“, erinnert sich Suckow. Mit Erfolg. 2014, drei Jahre nach Beginn der Recherchen, konnte der Antrag schließlich beim IEEE eingereicht werden.

Ein Jahr später erhält die Radiostation die lang ersehnte Bronzetafel samt Inschrift. Die 30 mal 46 Zentimeter große Plakette wird morgen im Maschinensaal enthüllt. Am Festakt nehmen auch Brandenburgs Staatssekretär Martin Gorholt (SPD), sowie IEEE-Präsident Barry L. Shoop, der eigens aus den USA anreist, teil. Ab 13 Uhr können dann auch die Museumsbesucher die Tafel, die künftig im Sendesaal ihren Platz hat, besichtigen.

Von Josefine Sack

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