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Mein Nachbar, der Polizist

Auf Streifenfahrt durch Blankenfelde Mein Nachbar, der Polizist

Menschliches Elend und körperliche Gewalt haben Marko Wanny (37) und Stephan Schmidt (33) genug erlebt. Seit etwas mehr als einem Jahr arbeiten sie nun als Revierpolizisten in Ludwigsfelde und Umgebung. Ihr Job ist ruhiger geworden, langweilig wird ihnen trotzdem nicht. Die MAZ hat die beiden einen Tag lang auf Streifenfahrt begleitet.

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Seit 2014 arbeiten der 33-jährige Stephan Schmidt (l.) und der 37-jährige Marko Wanny als Revierpolizisten in Ludwigsfelde und Umgebung.

Quelle: Martin Küper

Dahmeland-Fläming. Ein Mann hat seiner Exfreundin die Nase gebrochen und sie mit einem Messer bedroht, jetzt ist er auf der Flucht durch Potsdam. Aufmerksam verfolgen Marko Wanny und Stephan Schmidt den Funkverkehr ihrer Kollegen in der Landeshauptstadt, während sie ihre Streifenfahrt in einem Blankenfelder Wohngebiet fortsetzen.

Es ist noch nicht lange her, dass die beiden selbst regelmäßig das Blaulicht anwerfen und losspurten mussten, wenn Meldungen wie diese aus dem Funkgerät kamen. Seit etwas mehr als einem Jahr arbeiten sie nun als Revierpolizisten in Ludwigsfelde und Umgebung. Die ganz heiklen Fälle können sie inzwischen meist dem sogenannten Wach- und Wechseldienst überlassen. Das sind die Kollegen, die sich um polizeiliche Notfälle kümmern, häusliche Gewalt, Verfolgungsjagden und Verkehrsunfälle inklusive. Marko Wanny war 15 Jahre lang beim Wach- und Wechseldienst: „Ich hab so viel Elend gesehen, das reicht für zwei Leben“, sagt der 37- Jährige.

Revierpolizist war schon bei der Bereitschaftspolizei

Die Arbeit von Revierpolizisten ist ruhiger, planbarer und nicht zuletzt familienfreundlicher. Ermittlung und Prävention – anstatt der Hetze von einem Einsatz zum nächsten. „Aber wenn wir in der Nähe sind, kommen wir natürlich“, sagt Stephan Schmidt.

So erreichen Sie die Polizei

Am Mellensee :  03 37 03/ 95 90 oder  0 33 77/ 3 10 26 33

Bestensee :  03 37 63/ 2 27 69 oder  0 33 75/ 27 00

Blankenfelde-Mahlow:  0 33 79/ 37 27 42 oder  0 33 77/ 3 10 26 36

Jüterbog :  0 33 72/ 44 09 49 13

Königs Wusterhausen :  0 33 75/27 00

Luckenwalde :  0 33 71/ 60 00

Ludwigsfelde :  0 33 78/ 80 70

Schönefeld :  030/ 6 34 80 10 41

Wildau :  0 33 75/ 27 00

Zossen :  0 33 77/ 31 00

Weitere Telefonnummern , Kontaktmöglichkeiten und Hinweise finden sich auf www.polizei.brandenburg.de

Auch der 33-Jährige hat schon wildere Zeiten erlebt, drei Jahre Wach- und Wechseldienst, drei Jahre bei der Bereitschaftspolizei in Magdeburg. Genau wie Wanny hat sich auch Schmidt aus familiären Gründen für den Posten als Revierpolizist entschieden. Früher hat der Ludwigsfelder im Niedersächsischen Gorleben Castor-Transporte gegen Atomkraft-Gegner abgesichert oder bei den Mai-Krawallen in Berlin den linksautonomen „Schwarzen Block“ im Zaum gehalten. Schmidt weiß, wie sich körperliche Gewalt anfühlt.

Auch im Flüchtlingsheim zeigt die Polizei Präsenz

Die zumindest müssen Wanny und Schmidt bei ihrer Streifenfahrt „zwischen den Jahren“ nicht befürchten. Auf den Straßen ist kaum etwas los, die Stimmen aus dem Funkgerät klingen ruhig. Die erste Station an diesem Tag ist das Flüchtlingswohnheim in Ludwigsfelde, 167 Menschen wohnen dort zurzeit, noch einmal 60 in der benachbarten Turnhalle. Syrer, Tschetschenen, Somalier und andere Nationalitäten. Mindestens ein bis zwei Mal pro Woche schauen Wanny und Schmidt im Heim nach dem Rechten, sprechen mit dem Wachschutz und der Sozialarbeiterin.

Der Reporterblick aus dem Polizeiauto

Der Reporterblick aus dem Polizeiauto.

Quelle: MAZ

Aber nicht, weil das Heim ein Verbrechens-Schwerpunkt wäre: „Wir wollen hier viel Präsenz zeigen, damit die Bewohner merken, dass Polizei nicht gleichbedeutend mit Ärger ist“, sagt Marko Wanny. „Wer weiß, welche Erfahrungen die Leute in ihren Heimatländern mit der Staatsgewalt gemacht haben.“ Manche hätten anfangs skeptisch geschaut, wenn die zwei großen kräftigen Männer in ihren Uniformen durch die Flure liefen. Inzwischen lässt sich niemand mehr von den beiden aus der Ruhe bringen, stattdessen werden sie immer wieder freundlich begrüßt. „In jedem Studentenwohnheim geht es wilder zu“, sagt Stephan Schmidt.

„Die Bürger sollen sich sicher fühlen“

Präsenz zeigen, darum geht es auch beim nächsten Einsatz. Die Gemeinde Blankenfelde-Mahlow hat in den vergangenen Monaten eine ganze Serie von Wohnungseinbrüchen erlebt, meist schlugen die Täter in den Nachmittagsstunden zu. „Die Bürger sollen sich sicher fühlen, mögliche Täter sollen abgeschreckt werden“, erklärt Marko Wanny die Taktik. In Schleichfahrt geht es durch die Wohngebiete, dort, wo die Straßen „Rehwechsel“ und „Am Dachsbau“ heißen. „Einbrecher schlagen am liebsten dort zu, wo sie unbeobachtet sind und leicht fliehen können“, sagt Stephan Schmidt. „Am Waldrand gelegene Häuser trifft es eher, als solche, die mitten in einer Siedlung stehen.“ Dabei können schon heruntergelassene Jalousien einen Einbruch effektiv verhindern.

Vor dem Einsatz steht die Besprechung

Vor dem Einsatz steht die Besprechung.

Quelle: MAZ

Aufmerksam scannen die beiden ihre Umgebung nach offen stehenden Haustüren und Fenstern, verdächtigen Autos oder Nummernschildern. Für die Kinder werfen sie im Vorbeifahren schon mal kurz das Blaulicht an. Für die Polizei ist es auch eine Frage des öffentlichen Ansehens, die Strukturreform und der Stellenabbau der vergangenen Jahre haben am Vertrauen der Bürger gekratzt. Wohl auch deshalb ist an diesem Tag ein Reporter an Bord.

Streifenfahrt endet ohne große Auffälligkeiten

Ohne die Mithilfe der Bürger sei die Einbruchskriminalität schließlich kaum einzudämmen, glaubt Marko Wanny: „Aber die Leute wissen oft nicht, an wen sie sich mit Fragen oder Hinweisen wenden sollen.“ Auf Streife, zu Fuß oder im Auto komme man leichter mit den Anwohnern ins Gespräch. Außerdem gebe es in jedem Polizeirevier ein Bürgertelefon, auch die Internetwache der Brandenburger Polizei nimmt Hinweise entgegen (siehe Infokasten).

Zum Abend hin beenden Wanny und Schmidt ihre Streifenfahrt durch die Blankenfelder Wohngebiete. Das einzig Auffällige an diesem Nachmittag waren weihnachtlich-bunt geschmückte Häuser und ein Transporter mit Standlicht, der sich als Paketbote herausstellte. Ob sie die nervenaufreibende Arbeit beim Wach- und Wechseldienst manchmal vermissen? „Nö“, antworten beide wie aus einem Mund. „Wie kann man so was vermissen?“

Von Martin Küper

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