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Mit Charon im Boot

Ausstellung Mit Charon im Boot

Der Rangsdorfer Maler und Grafiker Ronald Paris zeigt demnächst in Königs Wusterhausen Landschaftsbilder. Die Ausstellung „Im Dialog mit der Landschaft“ im Bürgerhaus „Hanns Eisler“ in Königs Wusterhausen wird am 1. April eröffnet.

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Blick in das Rangsdorfer Atelier von Ronald Paris: Das Bild „Charons Boot“ und die Studien dazu.

Quelle: Fotos: Karen Grunow

Königs Wusterhausen/Rangsdorf. Sofort fällt der Blick auf dieses Bild, unweigerlich. So gegenwärtig ist die Situation, die Ronald Paris mit „Charons Boot“ zeigt: Verzweifelte Flüchtlinge auf einem sinkenden Boot, zu viele Menschen in der Enge, ein Baby auf dem Schoß der Mutter, die Nacht ist mondklar, das Meer unruhig. Erst im Dezember ist das Gemälde fertig geworden. Nun wird der Maler es in seiner Ausstellung zeigen, die am 1. April im Königs Wusterhausener Bürgerhaus „Hanns Eisler“ startet.

Auf den Vorstudien vor und neben der Staffelei in Paris’ Rangsdorfer Atelier wird sichtbar, wie er die Bildidee nach und nach entwickelt hat. Charon, jene Gestalt der griechischen Mythologie, die die Toten über den Fluss in den Hades bringt, rückt immer mehr aus der Bildmitte heraus zur Seite. Doch er bleibt der schreckeinflößende Alte, der mit unheilvoller Ruhe die Menschen in den Tod begleitet. Er hat das Ruderblatt in der Hand, aber er hält es nur, er tut nichts. Seine Kapuze ist ihm auf die Schultern gerutscht. Es scheint so, dass selbst Charon, der Fährmann der Toten, in stillem Entsetzen verharrt. Durch den zur aktuellen Realität hinzugenommenen Mythos des Charon entstehe ein Gleichnis, erklärt Ronald Paris selbst sein Bild, das nicht nur in seinem Atelier Blickpunkt ist, sondern auch in der Königs Wusterhausener Ausstellung im Mittelpunkt stehen wird.

Diese ist eigentlich vor allem Paris’ Landschaftsmalerei gewidmet. Unter den rund 30 Arbeiten, die in den nächsten Tagen im Bürgerhaus aufgehängt werden, sind viele jüngere Werke, die zum Teil noch nie gezeigt wurden. Impressionen aus Spanien und Portugal, oder von Reisen im mediterranen Raum. Noch hängt ein Madrid-Bild im großen Wohnzimmer von Isolde und Ronald Paris in Rangsdorf. Vor einem Jahr waren sie dort, kalt sei es gewesen, erinnert er sich. Die Stimmung des Bildes mit den hohen Bäumen im Park verrät das Wetter, Paris deutet auf „das flirrende Licht in den Kronen“, die Farben sind kühl. Es ist die Atmosphäre des Moments, so scheint es, den er einfängt.

Doch viel mehr findet statt in diesen Bildern, was vielleicht nicht sichtbar wird, weil Paris es nicht vorführt, aber es ist doch fühlbar. Malt er den Hafen von Sóller auf Mallorca, dann schwingt zugleich mit, dass Frédéric Chopin und George Sand hier einst gewesen sind. „Es ist wichtig, dass man von den Dingen weiß“, sagt er. Die Geschichte, die Gegenwart, das eigene Erleben, Wahrnehmen, all das spielt zusammen in diesen Landschaften, die er auf Reisen erkundet. „Für mich ist der schönste Urlaub, wenn ich in Ruhe arbeiten kann“, sagt er. Und fügt hinzu: „Ich bin ja kein Tourist. Ich bin unterwegs.“

Zurück in Madrid: Vor finsterem Himmel leuchtet eine von kräftigem Sonnenstrahl beglänzte Kirche, davor Werbung für eine Picasso-Ausstellung im Prado, zu sehen ist die Studie einer weinenden Frau aus Picassos berühmtem Guernica-Bild. „Ich bemühe mich immer, Sinngebung so anspruchslos wie möglich zu halten, wahrhaft muss es sein“, erklärt Ronald Paris seine Kunst.

Im Jahr 2013 wurde der damals 80-Jährige mit dem Brandenburgischen Kunstpreis für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Der Künstler, der schon in der DDR zu den bekanntesten Malern gehörte, ist bis heute voller Schaffenskraft und Neugier, ein Beobachter unserer Zeit. Als er 1993 als Professor an die Kunsthochschule Burg Giebichenstein nach Halle berufen wurde, gab ihm das umso mehr Gelegenheit, als Vermittler der Kunst, des Handwerklichen und der Methodik zu wirken. Saß er mit seinen Studenten in den Hallenser Kneipen, dann zeichnete er: die Runde am Tisch, die motivierten, auch exaltierten jungen Frauen und Männer. Erst in den vergangenen Jahren hat er jene Skizzen wieder hervorgekramt, aus einigen sind große Porträts entstanden.

Eines seiner berühmten Bildnisse, die er in all den Jahrzehnten von Freunden und Weggefährten, darunter die große Schauspielerin Inge Keller, angefertigt hat, zeigt den Komponisten Hanns Eisler. Gewissermaßen, so sagt Paris, sei der Kontakt zum Kulturbund Dahme-Spreewald, der die Königs Wusterhausener Ausstellung organisiert, über dieses bekannte Eisler-Porträt entstanden. Denn schließlich sei das vom Kulturbund bespielte Bürgerhaus nach dem Komponisten benannt.

Zur Vernissage der Ausstellung am 1. April wird Gerlinde Förster, die Vorsitzende des brandenburgischen Landesverbandes der Gedok, der Gemeinschaft der Künstlerinnen und Kunstförderer, sprechen. Musikalisch begleitet wird die Eröffnung am Klavier von Christiane Scheetz, Kantorin der evangelischen Kirchengemeinde Königs Wusterhausen, und der Bratschistin Ulrike Paetz von der Lautten Compagney.

Am 17. April wird Paris außerdem für ein Gespräch während eines gemeinsamen Frühstücks mit den Besuchern erwartet. Dann wird er auch erzählen, wie er arbeitet: „Ich porträtiere vor der Natur nach Möglichkeit die Dinge, unter Aufnahme des Atmosphärischen zugleich, um dann später im Atelier den Freiraum zu haben zu komprimieren, zu verdichten.“ Zwei Kaffeehaus-Bilder hat Paris auch für die Ausstellung ausgewählt. Im römischen Caffè Greco, in dem schon Goethe einkehrte, entstand 1977 eine Skizze, aus der er 2014 ein großformatiges Gemälde entwarf. Der Kaffee war gut, erinnert sich Paris. Auch dieses Bild ist noch nie gezeigt worden. Der Maler lässt es sich nie nehmen, bei der Gestaltung seiner Ausstellungen selbst dabei zu sein. „Man sieht seine Arbeiten immer neu“, sagt er. So kann auch „Charons Bild“ nicht nur für die Besucher, sondern auch für ihn noch mal eine Überraschung werden.

Info: Die Ausstellung „Im Dialog mit der Landschaft“ im Bürgerhaus „Hanns Eisler“ in Königs Wusterhausen wird am 1. April um 19 Uhr eröffnet. Zu sehen ist sie bis zum 1. Mai, geöffnet ist freitags bis sonntags von 14 bis 19 Uhr.

Von Karen Grunow

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