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Mit FH-Abschluss zum Doktortitel

Wildau Mit FH-Abschluss zum Doktortitel

Noch haben hierzulande Fachhochschulen wie die Technische Hochschule Wildau kein Promotionsrecht. Doch dank einer sehr engen Kooperation mit einer römischen Universität gibt es auch an der TH Wildau Promovierende. Eine überaus erfolgreiche Zusammenarbeit, die bereits so einige herausragende Arbeiten hervorgebracht hat.

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Patrick Steglich wird Ende des Jahres seine Doktorarbeit abschließen, für die er sich mit chip-integrierter Photonik befasst.

Quelle: Karen Grunow

Wildau. Wer nach dem Studium eine Doktorarbeit schreiben möchte, braucht nicht nur ein gutes Thema, sondern auch eine Doktormutter oder einen Doktorvater. Diese finden die Promotionswilligen hierzulande jedoch nur an den Universitäten, denn Fachhochschulen wie die Technische Hochschule Wildau haben kein Promotionsrecht. Es gibt allerdings Bestrebungen in einigen Bundesländern, auch in Brandenburg, das künftig zu erleichtern. Bislang jedenfalls läuft es so, dass eine Fachhochschule für die Promotion eines Absolventen eine Kooperation mit einer Uni eingehen muss. Nur: Deutsche Universitäten tun sich da oft etwas schwer.

Carsten Stollfuß und Kai-Hening Lietzau mit Andreas Foitzik (vl)

Carsten Stollfuß und Kai-Hening Lietzau mit Andreas Foitzik (v.l.).

Quelle: Karen Grunow

An der Technischen Hochschule Wildau wurden dennoch bereits einige Doktorarbeiten sehr erfolgreich betreut. Denn seit einigen Jahren gibt es eine intensive Kooperation mit der Uni Roma II Tor Vergata. „Wir hatten mit der Universität in Rom über viele Jahre eine Forschungskooperation“, erzählt Sigurd Schrader, Photonik-Professor an der TH Wildau. Aus dieser fachlichen Zusammenarbeit entstand dann die Idee, auch in der Lehre enger zu kooperieren.

Drittmittel für Forschungsprojekte übersteigen den Haushaltsetat

Einer der ersten, die so binnen drei Jahren ihren Doktortitel erlangten, war Schraders Mitarbeiter Helge Lux. Vor wenigen Wochen folgten Carsten Stollfuß und Kai-Henning Lietzau. Die beiden gehören zur Arbeitsgruppe Mikrosystemtechnik und Systemintegration, die von Andreas Foitzik geleitet wird. „Wir haben mittlerweile fast 30 Leute auf dem Campus, die promovieren“, sagt der Professor, der gemeinsam mit seinem Kollegen Schrader den Austausch mit Rom koordiniert. Dieser hatte dorthin schon Verbindungen, als er noch an der Potsdamer Uni war und hat die Kontakte dann ab 2004 in Wildau mit seinen römischen Professoren-Kollegen Mauro Casalboni und Roberto Montanari ausgebaut. „Durch die Erfolge in der Forschung wächst Vertrauen“, sagt Schrader.

Denn gerade Wildau ist ein leuchtendes Gegenbeispiel für das hierzulande noch immer verbreitete Klischee, dass an Fachhochschulen nur wenig geforscht würde: Die für Forschungsprojekte eingeworbenen Drittmittel übersteigen sogar den Haushaltsetat; die bundesweite Forschungslandkarte der Hochschulrektorenkonferenz verzeichnet an der Wildauer TH sogar drei Forschungsschwerpunkte – so viele hat in Brandenburg nur die Uni Potsdam. Mit den beiden TH-Professoren Andreas Foitzik und Jörg Reiff-Stephan wurden Ende vergangenen Jahres zwei Fachhochschulkandidaten in ein Fachkollegium der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG gewählt – auch das zeigt, wie sehr die Wildauer nicht nur in der Lehre, sondern längst auch in der Forschung anerkannt sind. Und mittlerweile eben auch, was die Betreuung von Doktorarbeiten angeht.

Verteidigung der Doktorarbeiten findet in Rom statt

Italienisch lernen müssen die Doktoranden dafür aber nicht; sie verfassen ihre Arbeiten auf Englisch. Sie werden sowohl in Rom als auch vor Ort in Wildau betreut. Regelmäßig stellen die Promovierenden in beiden Orten ihre Fortschritte vor. „Über Email und Skype treffen wir weitere Absprachen“, so Lietzau. Er erzählt, dass er lange damit geliebäugelt habe, eine Promotion zu beginnen. Doch es scheiterte zunächst daran, einen Partner für eine kooperative Promotion zu finden. „Ab Mitte 2012 ebnete sich der Weg“, erinnert sich Carsten Stollfuß. „Wir wurden in Rom auf Herz und Nieren getestet“, so Foitzik, bevor die Zusage zur künftigen Zusammenarbeit bei kooperativen Promotionen kam. EU-weit schrieb die römische Uni Themen aus, auch die Wildauer konnten sich nun bewerben; mussten Exposés einreichen und Vorstellungsgespräche absolvieren.

Patrick Steglich, der zu Sigurd Schraders Arbeitsgruppe für Photonik, Laser- und Plasmatechnologien gehört, will bis Ende des Jahres seine Doktorarbeit abgeben. Kürzlich wurde er bei einem der wichtigsten internationalen Photonik-Fachkongresse für den besten Forschungsbeitrag ausgezeichnet. Am Anfang seiner Promotion war er häufiger in Rom, um Messungen machen zu können. Er beschäftigt sich mit Silizium-Photonik und wandelt elektrische in optische Signale um. Er möchte wie auch Lietzau nach der Promotion in Lehre und Forschung weiterarbeiten, während Stollfuß sich doch eher in der Industrie sieht. Letzterer hatte für seine Doktorarbeit ein Messsystem entwickelt, um Zellen hinsichtlich ihrer Vitalität zu untersuchen. Während Lietzau geforscht hat, ob sich Krebszellen so verformen lassen, dass sie absterben.

Beide haben schon erlebt, was Steglich noch bevorsteht: die offizielle Verteidigung der Doktorarbeit in Rom. Anders als in Deutschland finden dort sämtliche Promotionsverteidigungen einer Hochschule am selben Tag statt. „Eine Riesenveranstaltung, bei der ganze Familien, sogar Babys, dabei sind“, erzählt Lietzau.

Von Karen Grunow

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