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Mittenwalde Das Giftbuch der Stadtapotheke
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05:33 30.08.2018
Anke (l.) und Christa Nedwed sind Apothekerinnen durch und durch. Heute hilft die Mutter der Tochter nur noch ab und zu aus. Das Giftbuch halten beide in Ehren. Quelle: Andrea Müller
Mittenwalde

In der Mittenwalder Stadtapotheke ist ein altes Giftbuch erhalten. Apothekerin Anke Nedwed bewahrt es sorgfältig auf. Angelegt worden war es im Jahr 1896 von Otto Reinke. Der hatte 1885 die Apotheke übernommen. In der Stadt gab es indes schon viel früher eine Apotheke.

Kirchenbuch belegt frühe Existenz einer Apotheke

Dies ist im Kirchenbuch der Stadt belegt. Hier heißt es in einer Eintragung von 1570, dass der Sohn des Apothekers Grohnen heiratet. Auch im alten Kirchengestühl in der St. Moritz Kirche gibt es Anhaltspunkte für das frühe Vorhandensein einer Apotheke in Mittenwalde. Denn im Kirchengestühl selbst gibt es die Darstellung eines Apothekers. 1577 war der Mittenwalder Apotheker an der Pest gestorben – auch darüber legt das Kirchenbuch Zeugnis ab.

Privileg vom Kurfürsten

Das Privileg, eine Apotheke in Mittenwalde zu betreiben, hatte nach Angaben von Anke Nedwed, Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg erteilt. Dies bedeutete, dass die Mittenwalder Apotheke in jener Zeit eine Monopolstellung einnahm und kein anderer im Umkreis eine weitere Apotheke eröffnen durfte. Nicht einmal in Königs Wusterhausen gab es zu dieser Zeit eine Apotheke.

Von Arsen bis Strychnin

In dem Giftbuch, das von 1896 bis 1949 geführt worden ist, wurden alle potenziell tödlichen Substanzen penibel aufgeführt. Anke Nedwed blättert die handschriftlich geführten Notizen durch. Da finden sich Strychninweizen zur Mäusevernichtung, eine Strychninlösung gegen Füchse, Arsen gegen Ratten und Phosphor gegen Insektenbefall. Gegen Ungeziefer wurde seinerzeit auch Schweinfurther Grün eingesetzt. Neben den Substanzen finden sich Eintragungen über die Menge und an wen und wozu diese ausgegeben worden waren. „Manche Familien, die hier eingetragen sind, gibt es bis heute in der Stadt“, so Christa Nedwed. Sie hatte vor ihrer Tochter die Mittenwalder Stadtapotheke geführt. Gerade Mittel gegen Ungeziefer seien in dem Ackerbürgerstädtchen immer wieder gefragt gewesen, das vor allem von der Landwirtschaft lebte. Dass damit kein Unfug getrieben werden konnte, wurde zudem eingetragen, wer die Erlaubnis erteilt hatte, das Gift abzugeben. Manchmal wurde dies von der Polizei erlaubt, manchmal aber auch vom Gemeindevorstand. Der jeweilige Empfänger hatte den Empfang zu quittieren. Der Apotheker musste ebenfalls unterschreiben.

Das Giftbuch von Otto Reinke liegt in der historischen Stadtapotheke in Mittenwalde. Quelle: Andrea Müller

Brusendorf brauchte Giftpaste

Die erste Eintragung im Giftbuch stammt vom 11. Februar 1896 über die Ausgabe von Strychninweizen. Die letzte Notiz ist vom 2. April 1949, als für Brusendorf Giftpaste zur Rattenvernichtung gebraucht wurde.

Wenige Eintragungen während der Weltkriege

Anke Nedwed war aufgefallen, dass sich während des Ersten und Zweiten Weltkrieges kaum Eintragungen finden. „Da hatten die Leute sicher andere Sorgen“, meint sie.

Ein Blick ins Giftbuch – alles wurde sehr sorgfältig dokumentiert. Quelle: Andrea Müller

Alles muss weiterhin dokumentiert werden

Heute werden solche Stoffe gar nicht mehr von Apotheken ausgegeben. Das hätten inzwischen die Schädlingsbekämpfer übernommen. Gefahrstoffe würden dagegen immer noch über die Apotheken verteilt; ebenso Betäubungsmittel. Ähnlich wie früher müsse dies akribisch dokumentiert werden.

Ausstellung in der Apotheke

Das Mittenwalder Giftbuch befand sich über all die Jahre in einem Schrank in der Apotheke. Als vor einigen Jahren eine Ausstellung über die Apotheke gezeigt wurde, gab es auch eine Erwähnung des Giftbuches.

Die Ausstellungstafeln geben auch Auskunft über das alte Giftbuch. Quelle: Andrea Müller

Von Andrea Müller

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