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Nachfrage bei Tafeln lässt nicht nach

Dahmeland-Fläming Nachfrage bei Tafeln lässt nicht nach

Allein die Luckenwalder Tafel verzeichnete im vergangene Jahr rund 27 000 Besuche. Neben den Einheimischen nutzen auch immer mehr Flüchtlinge die Angebote der Tafeln. Das war anfangs nicht immer einfach für die Mitarbeiter, doch inzwischen kennt man sich. Und es ist noch immer genug für alle da.

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Angelika Böck bereitet mit Ludmilla Dobereksky und Jacqueline Bartel (v. l.) in Luckenwalde die nächste Lebensmittelausgabe vor.

Quelle: Danilo Hafer

Dahmeland-Fläming. Täglich fahren die Mitarbeiter der Luckenwalder Tafel die Supermärkte in der Umgebung an, um nicht verkaufte Lebensmittel einzusammeln. Denn die Nachfrage nach günstigen Produkten ist nach wie vor groß. Allein im vergangenen Jahr verzeichnete die Luckenwalder Tafel rund 27 000 Besuche, sagt Tafel-Leiterin Angelika Böck. Die Menge an Lebensmitteln, die die Mitarbeiter an Bedürftige herausgeben, beträgt dabei jährlich schätzungsweise 200 Tonnen. „Der Großteil ist vor allem Obst und Gemüse, das für viele Menschen leider inzwischen zu teuer geworden ist“, so Angelika Böck.

Zweimal in der Woche, immer mittwochs und freitags, hat die Ausgabestelle in Luckenwalde geöffnet. Dann haben Bedürftige die Möglichkeit, gegen einen geringen finanziellen Beitrag Lebensmittel abzuholen. 15 Jahre gibt es die Tafel in Luckenwalde schon. Der Andrang ist ungebrochen. Einige Bürger würden sogar an beiden Tagen das Angebot der Tafel nutzen, so Böck. Um zu gewährleisten, dass auch jeder Bedürftige etwas von den Lebensmitteln bekommt, gibt es in Luckenwalde ein Nummernsystem. „Wer Lebensmittel haben möchte, muss eine Marke ziehen, das ist auch telefonisch möglich“, erklärt Angelika Böck. So könne sie mit ihren ehrenamtlichen Mitarbeitern einfach besser planen und das Obst und Gemüse gerecht verteilen. Die Ausgabe der Lebensmittel beginnt dann jeweils um zwölf Uhr. Die Marken werden schon ab elf Uhr vergeben.

Von der Großfamilie bis zum alleinlebenden Rentner

Hintergrund

921 Tafeln gibt es insgesamt in Deutschland . Zusammen betreiben sie mehr als 2000 Ausgabestellen. Bei ihrer Arbeit werden die Tafeln von rund 60 000 freiwilligen Helfern unterstützt.

Die Tafeln sammeln qualitativ einwandfreie Lebensmittel, die im Wirtschaftsprozess nicht mehr verwendet werden, und verteilen diese kostenlos oder gegen einen symbolischen Betrag an sozial und wirtschaftlich benachteiligte Menschen.

1,5 Millionen Menschen nehmen laut Bundesverband die Angebote der Tafeln in Anspruch. Im Vergleich zum vergangenen Jahr stieg die Zahl der Kunden erneut um 18 Prozent.

Der Arbeitslosenverband Brandenburg betreibt neben den Ausgabestellen in Luckenwalde, Jüterbog, Zossen und Königs Wusterhausen/Bestensee noch rund 40 weitere Ausgabestellen im Land Brandenburg und mehrere mobile Tafeln.

Die Ausgabestellen in Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald haben wie folgt geöffnet: Luckenwalde (Mittwoch und Freitag von 12 bis 17 Uhr); Jüterbog (Montag und Mittwoch von 10 bis 14 Uhr und Freitag von 10 bis 13 Uhr); Zossen (Montag von 13 bis 15.30 Uhr und Dienstag bis Freitag von 10 bis 14 Uhr); Königs Wusterhausen (Montag und Mittwoch von 13 bis 15 Uhr und Donnerstag von 10 bis 12 Uhr); Bestensee (Dienstag von 11 bis 12 Uhr).

Das Spektrum der Tafelnutzer reicht von der Großfamilie bis zum alleinlebenden Rentner. Vor allem bei letzteren verzeichnet Carola Lademann, Bereichsleiterin beim Arbeitslosenverband (ALV) Brandenburg und zuständig für die Tafeln in Luckenwalde, Jüterbog und Zossen, einen Anstieg. „Es tut weh zu sehen, dass diese Menschen von ihrer Rente nicht leben können“, sagt Lademann. Im Bereich der 20- bis 40-Jährigen habe sich die Situation hingegen gebessert. Grundsätzlich sei der Kundenwechsel sehr hoch.

„Einige finden Arbeit und sind dann nicht mehr auf die Tafel angewiesen, andere kommen neu hinzu“, sagt Angelika Böck. Sie leitet bereits seit 2007 die Luckenwalder Tafel. Derzeit kann sie auf elf ehrenamtliche Helfer zurückgreifen, die sie bei der Abholung, Sortierung und Ausgabe der Lebensmittel unterstützen. „Manchmal ist es allerdings etwas schwierig, da ehrenamtliche Kräfte ja nur 12 Stunden in der Woche arbeiten dürfen“, so Böck. Daher suche sie derzeit wieder händeringend nach geeigneten Helfern. Da die Arbeit in der Tafel häufig viel von einem abverlange, müssten die Mitarbeiter mit ganzem Herzen dabei sein. „Man muss sich nur einmal mit dem Tafelvirus infizieren und dann bleibt man eigentlich dabei“, sagt Angelika Böck.

Flüchtlinge stellen Tafeln vor neue Herausforderungen

Neben Einheimischen nutzen inzwischen auch immer mehr Flüchtling die Angebote der Tafel. Der hohe Zulauf von Flüchtlingen stellte einige Tafeln im vergangenen Jahr vor eine Herausforderung. „Der tägliche Ablauf war anfangs ziemlich chaotisch“, sagt Gabriele Manthei, die beim ALV für die Tafel in Königs Wusterhausen zuständig ist. Vor allem die Verständigung und das Kennenlernen der neuen Kultur seien in der ersten Zeit nicht einfach gewesen. Zudem musste den Flüchtlingen die Verfahrensweise bei der Tafel erklärt werden, so Manthei. Das habe zunächst zu einem deutlich höheren Arbeitsaufwand für die ehrenamtlichen Mitarbeiter geführt. Von 3855 Bedürftigen, die die Tafel in Königs Wusterhausen von Januar bis August 2016 besucht haben, waren rund 1500 Flüchtlinge, 363 Rentner und 1200 Kinder unter 14 Jahren. Insgesamt sei die Zahl der betroffenen Haushalte um rund 120 auf nun 2179 Haushalte gestiegen.

Laut Angelika Böck beträgt der Anteil der Migrantenfamilien in Luckenwalde 30 bis 40 Prozent. Bereits seit ungefähr drei Jahren steige die Zahl der Flüchtlinge, die die Tafel nutzen. „Im letzten Jahr hatten wir dann einen richtigen Ansturm“, sagt sie. Doch für die anfänglichen Probleme hätten sich schnell Lösungen gefunden. „Es kam häufig vor, dass die Kinder dann schon besser Deutsch sprechen konnten und für ihre Eltern übersetzt haben“, so Böck. Auch beim Packen der Lebensmittelkisten mussten die Mitarbeiter ein wenig umdenken. „Die meisten Flüchtlinge essen zum Beispiel nur Weißbrot und kein Schweinefleisch, daran muss man denken“, sagt die Leiterin. Zwar gibt es die Lebensmittel bei der Tafel, im Gegensatz zum Supermarkt, für einen erschwinglichen Obolus, trotzdem sollte niemand etwas mitnehmen müssen, das er nicht isst, so Böck. Dabei sei es egal, ob jemand EU-Bürger ist oder nicht. Die Flüchtlingsfamilien seien indes sehr dankbar für die Lebensmittel. „Häufig kommen die ja auch nur über einen kurzen Zeitraum zu uns, weil sie dann in andere Unterkünfte ziehen“, so Böck.

Es ist genug für alle da

Trotz der steigenden Zahl von Flüchtlingen habe es nie Probleme gegeben, alle Tafelnutzer mit ausreichend Lebensmitteln zu versorgen. Sollte es in einer Tafel zu wenig Lebensmittel geben, helfe man sich gegenseitig. „Die Tafeln sind vernetzt und tauschen bei einem jeweiligen Überangebot Lebensmittel untereinander aus“, erklärt Gabriele Manthei. Sie können aber auch von Großlieferungen profitieren, die durch den Bundesverband der Tafel oder durch den Landesverband Berlin-Brandenburg organisiert werden.

Solange die Menschen nicht auf die Tafeln verzichten können, wird Angelika Böck ihrer Arbeit weiter mit so viel Engagement nachgehen. „Die Dankbarkeit der Menschen zeigt uns, dass wir hier vieles richtig machen“, sagt sie. So sei es schon mal vorgekommen, erzählt sie, dass Bedürftige einen Kuchen für das Team der Tafel gebacken haben, um sich für deren Arbeit zu bedanken. In solchen Momenten weiß Angelika Böck, warum sie in diesem Beruf arbeitet.

Von Danilo Hafer

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