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Natürliche Schönheit: Erotikfotos mit 72 Jahren

MAZ-Fachgespräch zur Fotografie Natürliche Schönheit: Erotikfotos mit 72 Jahren

Uwe Görsch fotografiert seit er ein Jugendlicher ist. Vor fünf Jahren eröffnete er sein Fotostudio in Königs Wusterhausen. Im MAZ-Fachgespräch erzählt der Fotograf von der Faszination der Fotografie, über die wichtigste Regel der Hochzeitsfotografie und von Erotikaufnahmen mit einer 72-Jährigen.

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Fotograf aus Leidenschaft: Uwe Görsch in seinem Atelier in Königs Wusterhausen.

Quelle: Danilo Hafer

Königs Wusterhausen. Uwe Görsch (56) ist selbstständiger Fotograf in Königs Wusterhausen. Vor fünf Jahren hat er sein Hobby zum Beruf gemacht und ein Fotostudio eröffnet.

Herr Görsch, seit einigen Jahren bestimmt die Fotografie Ihren Alltag. Haben Sie heute auch schon ein Foto gemacht?

Uwe Görsch: Ja. Ich hatte heute schon ein kleines Shooting in meinem Studio. Ich habe ein vier Wochen altes Baby fotografiert, wie es mit seinem Köpfchen in den Händen des Paares lag.

Fotografieren Sie häufiger Kinder und Neugeborene?

Görsch: Einen Großteil meiner Arbeit machen Hochzeitsfotos aus und dann kommt schon der Bereich der Familien. Da biete ich dann extra kostengünstige Familienpakete an, vom Babybauch bis hin zum Kleinkind eben. Ich würde sagen, dass das gut ein Drittel der Aufträge ist. Vor allem muss man ein Babyshooting immer im Zusammenhang mit dem Babybauch sehen. Denn viele Schwangere, die sich mit ihrem runden Babybauch fotografieren lassen, kommen auch nach der Geburt noch mehrmals zu mir, um die Entwicklung des Kindes fotografisch festzuhalten.

Sie haben Ihr Studio in Königs Wusterhausen vor knapp fünf Jahren eröffnet. Wie kam es dazu?

Görsch: Seit ich 17 oder 18 Jahre alt bin, ist die Fotografie schon mein Hobby. Ich habe damals mit einer Exa-Spiegelreflexkamera auf Analogbasis angefangen. Als Knirps habe ich immer die Kamera meines Vaters geklaut und der hat sich dann gewundert, was er nach dem Entwickeln auf den Fotos sah. Es war aber immer nur ein Hobby. Meine Frau brachte mich dann irgendwann auf die Idee, mein Hobby zum Beruf zu machen. Und ich dachte mir, ich wäre ja doof, wenn ich das nicht machen würde. Denn das ganze Equipment kostet ja auch Geld. Eigentlich wollte ich nur ein paar Aufträge im Monat machen, aber es kamen dann so viele Anfragen, dass mir schnell klar wurde, dass es mehr als nur ein bisschen wird. Aber eigentlich bin ich gelernter Computertechniker.

Was fasziniert Sie so sehr an der Fotografie?

Görsch: Man kann Sachen festhalten, die man auf dem Foto noch mal ganz anders sieht als in dem Moment der Aufnahme und man kann Details herausarbeiten, die man mit dem normalen Auge so nicht sehen würde. Es gibt aber noch einen anderen Grund. Mit einem Foto kann man vor allem bestimmte Erinnerungen bewahren. Wenn ein Foto gut ist, lässt es den Betrachter die Situation noch einmal durchleben, wenn er sich das Foto nach längerer Zeit wieder anschaut. Wenn ein Foto schlecht war, bekommst du das natürlich nicht hin. Gerade in der Hochzeitsfotografie ist das ganz markant.

Wie wichtig ist die Ausrüstung?

Görsch: Die Technik ist nicht unwichtig, aber sie steht an zweiter Stelle. Der, der hinter der Technik steht, ist immer noch der Mensch. Und der ist nach wie vor das wichtigste Equipment. Aber natürlich spielt auch die Technik eine wichtige Rolle. Ein Makrofoto kann ich in der Regel nicht mit dem Handy machen, wenn es wirklich gut werden soll. Man sollte mit der Technik aber auch umgehen können. Eine teure Kamera nützt nichts, wenn man dann nur im Automatikmodus fotografiert.

Sie haben selbst noch auf Film fotografiert. Vermissen Sie die Analogfotografie?

Görsch: Nein, die vermisse ich überhaupt nicht. Mit der Digitalfotografie ist alles einfacher zu machen und besser zu handeln. Heutzutage auf Hochzeiten nach 36 Aufnahmen erstmal den Film zu wechseln, geht nicht mehr. Dafür macht man einfach zu viele Aufnahmen. Ich habe zwar noch zwei oder drei analoge Kameras zu Hause, aber die nutze ich nicht mehr.

Können Sie sich noch an Ihren ersten Auftrag erinnern?

Görsch: Ja, klar. Mein erster Auftrag war gleich ein Hochzeitsauftrag über einen ganzen Tag. Ich konnte schon drei Tage vorher nicht mehr schlafen. Denn es durfte einfach nichts schief gehen. Wenn hier im Studio etwas nicht klappt, kann ich es noch einmal machen, aber bei einer Hochzeit geht das natürlich nicht. Es war ein bisschen wie ein Wurf ins kalte Wasser. Ich hatte zwar das ganze Fachwissen, aber das erste Mal alleine eine Hochzeit fotografieren ist doch ein bisschen anders. Aber es hat damals super geklappt, das Brautpaar war sehr zufrieden und von da an ging es dann auch schlagartig nach oben.

Was muss man unbedingt beachten, wenn man eine Hochzeit fotografiert?

Görsch: Wenn du in der Hochzeitsfotografie überleben willst, musst du die Braut gut darstellen, sonst würgt sie dich, bis du lila bist. Diesen Spruch sage ich auch immer, wenn junge Kollegen um einen Rat fragen. Denn es stimmt einfach.

Sie sagten, ein Foto sollte den Betrachter die Situation noch einmal durchleben lassen. Was macht ein gutes Foto noch aus?

Görsch: Neben den Gefühlen sollte sich der Betrachter auf dem Foto selbst wiedererkennen. Das Problem: 90 Prozent der Leute sagen ja erstmal: „Foto? Icke? Nee. Ich bin nicht fotogen.“ Das hat auch etwas damit zu tun, dass wir uns in einem Spiegel ja immer spiegelverkehrt sehen und erst auf einem Foto korrekt dargestellt. Wenn der Kunde das Foto sieht und „wow“ sagt, dann ist es ein gutes Bild.

Gibt es überhaupt unfotogene Menschen?

Görsch: Mein Grundsatz lautet: Schönheit ist überall, man muss sie nur sehen. Das Problem heutzutage, vor allem bei den jungen Damen und Mädchen, ist doch, dass denen in den Hochglanzmagazinen Sachen vorgegaukelt werden, die voll an der Realität vorbeigehen. Denn die Bilder in den Magazinen sind halt meist stark bearbeitet. Dadurch entsteht aber ein Schönheitsideal, das aus meiner Sicht völlig daneben ist. Letztens kam eine 72-jährige Frau zu mir, die Erotikfotos machen wollte. Die Frau stand zu sich und ihrem Körper. Ich durfte nur einen kleinen Pickel retuschieren, den Rest, jede Falte und jeden Makel, wollte die Frau so zeigen wie es ist. Und die Fotos sind toll geworden. Am Ende hat sich der Ehemann, für den die Bilder bestimmt waren, noch mit einem Kuchen bei mir bedankt. Diese Freude eines Kunden ist für mich das Optimum und ein Zeichen, dass jeder zu seinem Körper stehen sollte. Ist der Kunde nicht mit dem Foto zufrieden, liegt es nicht am Kunden, sondern am Fotografen.

Woher nehmen Sie Ihre Ideen?

Görsch: Eigentlich aus dem Bauch heraus. Situativ. Gerade wenn Kinder dabei sind, muss ich mir keine großen Gedanken machen. Wenn man eine gewisse Erfahrung hat und mit den Kindern umgehen kann, dann bringen die die Ideen von alleine. Als Fotograf muss man die dann nur noch festhalten.

Haben Sie fotografische Vorbilder?

Görsch: Nein, ich habe eigentlich immer versucht, meinen eigenen Stil zu finden. Ich habe oft Fotos gesehen und dachte mir: Die sehen ja scheiße aus, das kannst du besser. Das klingt jetzt irre arrogant, aber es war so (lacht). Als Jugendlicher haben mich vor allem diese Langzeitbelichtungen von Hochhäusern fasziniert, auf denen die Lichter der vorbeifahrenden Autos als bunte Streifen zu sehen waren. Das ist an sich ja kein großer Hit. Aber wenn man erst 14 Jahre alt ist, denkt man natürlich „wow“. Ich habe dann auch eine ganze Weile gebraucht, bis ich das hinbekommen habe. Irgendwann hat es funktioniert. Ich bin zum Ostbahnhof gefahren und habe von den dortigen Hochhäusern herunter fotografiert. Das Dia habe ich dann sogar bei einem Fotowettbewerb eingereicht und tatsächlich gewonnen. Das war zu DDR-Zeiten. Ich glaube als Preis gab es eine Zeitschrift und 10 Mark. Irgendwo liegt das Dia zu Hause immer noch rum. Wenn ich mir das aber heute anschaue, frage ich mich, wie man so ein Foto prämieren kann.

Verteufeln Sie die Handyfotografie?

Görsch: Nein, Handyfotografie gehört inzwischen dazu. Ich selbst fotografiere auch mal mit dem Handy, wenn ich unterwegs bin und schnell einen Schnappschuss machen möchte. Was ich aber schade finde ist, dass die Leute oft auf Veranstaltungen, wie Konzerten, aber auch auf Hochzeiten, ständig das Handy in der Hand haben und Fotos machen. Denn die Fotos können meistens gar nichts werden. Dann denke ich mir, man kann doch auch einfach mal irgendwas genießen. Handy in der Tasche lassen und den Moment wahrnehmen. Irgendwie macht man sich sonst ein bisschen den Augenblick kaputt. Und das finde ich schade.

Machen Sie auch die Bilder auf den eigenen Familienfeiern?

Görsch: Das mache ich grundsätzlich nicht. Wenn ich als Gast dort bin, fotografiere ich nicht. Da bringe ich dann auch gar keine Kamera mit, sondern lasse die schön zu Hause.

Wenn Sie spazieren gehen, sehen Sie da inzwischen eigentlich ständig potenzielle Motive?

Görsch: Ich arbeite ja zu 90 Prozent in der People-Fotografie. Und da kann ich den Fotografenblick in meiner Freizeit schon abstellen. Wenn ich irgendwo im KaDeWe bin und mir kommen Leute entgegen, dann denke ich nicht: Oh die könnte ich jetzt so oder so fotografieren. Manchmal sehe ich aber einen Typ Mensch, bei dem ich denke, den würde ich gerne mal fotografieren. Sonst nutze ich das Spazierengehen oder Radfahren eigentlich zur Ablenkung. Als Fotograf muss man ja auch wieder neue Ideen entwickeln. Und dafür muss ich auch mal Abstand nehmen können.

Wie viele Fotos gibt es eigentlich, auf denen Sie selbst mal zu sehen sind?

Görsch: Ganz wenig. Darum bin ich ja Fotograf geworden. So habe ich immer eine Kamera vor dem Gesicht.


Von Danilo Hafer

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