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Newtopia-Euphorie ist in der Region gering

TV-Experiment feiert Jubiläum Newtopia-Euphorie ist in der Region gering

Newtopia feiert am Donnerstag ein Jubiläum: Die 100. Folge des TV-Experiments wird ausgestrahlt. Die Anfangseuphorie um eine neue Gesellschaft hat in Ernüchterung gewandelt. Die Quoten sind im Sinkflug. Bürgermeister Lutz Franzke (SPD) aus Königs Wusterhausen glaubte nie an eine neue Gesellschaft in Deutschland, doch er sieht auch positive Aspekte.

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Das Newtopia-Tor in Zeesen bleibt auch bei der 100. Folge für Zuschauer geschlossen.

Quelle: Foto: dpa

Zeesen. Was waren alle euphorisch. Das hätte die Welt noch nicht gesehen, hieß es. Ein TV-Experiment, das aufregender sei als Big Brother. Eine Veranstaltung, die ganz ohne Regeln auskomme. Eine Show, die neue Maßstäbe setze und zahlreiche Zuschauer anspreche. Beim Presserundgang auf dem Newtopia-Gelände in Zeesen bei Königs Wusterhausen im Februar waren alle begeistert. Die Produzenten des Spektakels, die Mitwirkenden und Zuschauer zunächst auch.

Doch wenn am Donnerstag die 100. Episode von Newtopia auf Sat.1 ausgestrahlt wird, dann dürfte Ernüchterung vorherrschen. Die Quoten sind im Keller, die ehemalige Stammbelegschaft probte den Aufstand und die Bildung der neuen Gesellschaft kommt nicht voran – das sind nur einige Probleme, die das Camp auf dem Gelände des alten Rundfunksenders Zeesen hat.

Keine Aussicht auf neue Gesellschaft in Brandenburg

Lutz Franzke (SPD), Bürgermeister von Königs Wusterhausen, war selbst zweimal zu Gast auf der Zeesener Anlage. Er schaue gelegentlich noch in die Sendung rein, aber nicht täglich, sagt er. Er versuche, einigermaßen auf dem Laufenden zu bleiben. „Für mich ist das rückläufige Interesse eine normale Entwicklung“, sagt Franzke, der auch bei den Verhandlungen mit der Produktionsgesellschaft Talpa im vergangenen Jahr mit am Tisch saß und Newtopia von der Idee bis zur ersten Sendung begleitete. „Die Schaffung der neuen Gesellschaft kann vielleicht auf der Südsee passieren, aber nicht mitten in Deutschland“, sagt Franzke.

Froh ist das Stadtoberhaupt darüber, dass Newtopia viel Wert auf die Mitarbeit der Geschäftsleute vor Ort gelegt hat. Ob Elektriker, Techniker oder Cateringunternehmen, alles wurde aus der Region geordert. Das sei sonst selten geworden, sagt Franzke. Großartig seien auch die Funde auf dem Gelände gewesen, die die Pioniere in der vergangenen Woche an das Funkerbergmuseum übergaben. Alte Abspannseile des Senders Zeesen hatten sie gefunden.

Bürgermeister ist wenig euphorisch

Ansonsten hält sich Franzkes Euphorie in Grenzen. Dass nahezu die komplette Belegschaft nach heftigen Disputen und einer Fast-Schlägerei ausgetauscht wurde, hätte ihn gewundert. Nach und nach marschierten Pioniere wie Koch André, Landwirt Christian, Vegetarierin Karolina, Handwerker Lennert und Fitnessguru Hans aus dem Camp. Der Kandidat, der am meisten polarisierte, wurde erst rausgeworfen, dann wieder reingelassen und nach erneutem Streit endgültig hinaus katapultiert: Lebenskünstler Candy. „Von den Pionieren, die ich besucht habe, sind nur noch zwei da“, so Franzke. Derk und Steffen.

Stefanie Steinmetz geht es ähnlich. Ihr Kontakt zu Newtopia ist nicht abgebrochen, aber er war auch mal besser, sagt die Betreiberin des Zeesener Gasthofes. Auch sie schaltet nur noch gelegentlich in die Sendung rein. Das sei mal anders gewesen, sagt sie. Damals, zu Beginn der Sendung, ließ sie die Pioniere Kartoffeln für ihr Restaurant schälen, ließ Servietten falten und hatte einen Stand auf dem Ostermarkt. „Irgendwie mussten sie ja auch Geld verdienen und ich brauchte jemanden, der mir hilft“, erzählt sie. Ab und zu würden die neuen Pioniere noch bei ihr anrufen und sie um Hilfe bitten.

Regionale Milch darf Newtopia nicht verkaufen

Für Steinmetz ist es schnell klar gewesen, dass das geplante Konzept mit der Bildung einer neuen Gesellschaft, die komplett von der „alten“ Gesellschaft gegründet wird, nicht funktionieren kann. „Die Leute von außen lassen einfach nicht so viel zu“, sagt sie und verweist auf ein Beispiel. Die von den Pionieren erzeugte Milch sei einwandfrei gewesen, hätte aber nicht verkauft werden dürfen, weil es hygienetechnische Beanstandungen gab. So floss viel weniger Geld in die Kassen der Bewohner als geplant. Die 5000 Euro Startkapital, die zur Verfügung gestellt wurden, waren auch schnell aufgebraucht. Viele Ideen der Pioniere verliefen eher im Sande oder wurden zum Misserfolg.

Wie der Newtopia-Markt: 753  Euro nahmen die Pioniere ein, und mussten den Großteil auch noch an die externen Standbetreiber, die sie eingeladen hatten, abgeben. Eine Idee wurde sofort von der Produktionsfirma gecancelt. Die ersten Überlegungen der neuen Gesellschaftsmitglieder gingen dahin, ein Bordell zu eröffnen. Dies sei in Königs Wusterhausen aufgrund der Gesetzeslage gar nicht möglich gewesen, sagt Bürgermeister Franzke. Dafür hätte Sat .1 das Camp in Schönefeld aufbauen müssen. Denn Städte mit Flughäfen müssten solche Gewerbe dulden. Irgendwie kam dann doch Geld in die Kassen. Für Champagner zum Jubiläum dürfte es aber nicht reichen.

Von Marcel Jarjour

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Das größte TV-Experiment der deutschen Fernsehgeschichte ist gescheitert: Der TV-Sender Sat.1 beendet "Newtopia" vorzeitig. Die Quoten waren schon lange im Keller. Am Montag hat der Sender nun die Reißleine gezogen. Die Livestreams sind bereits abgeschaltet, die Pioniere sind informiert. Noch sind sie im Camp.

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