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Newtopia-Gelände wird „Kulturstadt“

Nach dem Newtopia-Aus Newtopia-Gelände wird „Kulturstadt“

Seit Freitag ist das TV-Experiment Newtopia längst Gechichte. Die Ex-Pioniere haben noch eine große Party gefeiert und ihre Einrichtung an Fans verramscht. Jetzt geht es darum, was mit dem Gelände in Zeesen bei Königs Wusterhausen passiert. Einen neuen Eigentümer gibt es bereits. Sein Plan: eine Kulturstadt. In der MAZ spricht er über seine Ideen.

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Dirk Thümmler (l.) weiß schon, wie es in Zeesen weitergehen soll. Sänger „Lover“ von der Band „Die schlechten Ideen“ gehört auch zum „Kultropolis“-Team.

Quelle: fotos: oliver Fischer (2)

Zeesen. Wie man Aufmerksamkeit bekommt, weiß Dirk Thümmler offenkundig. Eigentlich sollte sich am Mittwoch auf der früheren Zeesener Funkstation alles um Newtopia drehen, das gescheiterte TV-Experiment von Sat.1, das sechs Monate lang auf dem Gelände produziert worden war. Es war der letzte Drehtag, das große Finale mit dem Auszug der Bewohner. Aber dann prangte plötzlich dieses Schild am Eingangstor, das mit seiner selbstbewussten Aufschrift Fans, Sicherheitsleute und Passanten gleichermaßen irritierte. „Hier entsteht Kultropolis“, stand darauf. „Die Kulturstadt“. Eine Ansage. Es war Thümmlers Ansage.

Dirk Thümmler, ein umtriebiger Enddreißiger mit Bart, Glatze und einer erfolgreichen Autofirma in Mittenwalde, ist der Eigentümer der historischen Funkstation in Zeesen. Vor Jahren hat er das 28-Hektar-Gelände der Telekom abgekauft, damals noch ohne Plan, was man damit machen könnte. Den hat er inzwischen. „Kultropolis“ sei eine Vision, sagt er, als er erstmals die Presse über das Areal führt, wenngleich das, was sich dahinter verbirgt, noch etwas vage klingt.

Pilgerstätte für Kulturschaffende

Wenn Thümmler von Kultropolis redet, meint er einen Zusammenschluss von lokalen Künstlern und Musikern, der seit rund zwei Jahren existiert und der sowohl die alte Funkstation als auch das Zeesener Bahnhofsgebäude beleben will. Kultropolis bezeichnet aber auch das bewaldete Areal selbst, auf dem sich unter anderem Hallen befinden, Baracken, Schuppen, Reste der Sendeanlagen, die dort bis zum Ende der DDR ihren Dienst taten. Dies sei eine wunderbare Kulisse für Kulturveranstaltungen aller Art, findet Thümmler. Wenn alles so hergerichtet ist, wie er sich das vorstellt, sollen dort Konzerte und Partys stattfinden, Bands sollen dort für kleine und große Touren proben und ihre Musik aufnehmen können. Kultropolis soll eine Pilgerstätte für Kulturschaffende werden, die sich dort frei und ungestört ausleben können – aber natürlich auch irgendwie Geld einspielen sollen. Dafür werden noch Partner gesucht. „Das Motto muss ,Kunst trifft Wirtschaft’ lauten“, sagt Thümmler. „Anders geht es nicht.“

In den vergangenen zwei Jahren ist auch schon eine Menge getan worden, damit die Vision Wirklichkeit werden kann. Etwa zehn Mann gehören inzwischen zum festen Stamm von Kultropolis, darunter Leute wie Eric Fish, Frontmann von Subway to Sally, oder Björn-Constantin Klenke, Sänger, Hip-Hopper und Mitgründer des Königs Wusterhausener Kulturvereins Stubenrausch. Dieses Team hat schon einiges aufgebaut. Thümmler führt durch eine Baracke mit Tonstudio, in dem bereits rege Musik produziert wird. Der Nebenraum ist voll möbliert, dort können die Musiker übernachten. Bislang hat sich vor allem die Kultropolis-Hausband „Die schlechten Ideen“ dort einquartiert.

Newtopia hat ordentlich Pacht bezahlt

Ein paar Meter weiter öffnet Thümmler eine Halle, die künftig als Konzertarena dienen könnte. Dafür müsse nicht viel gemacht werden, sagt er. Das Geld für die Umbauten sei da, auch deshalb, weil Sat.1 für die Newtopia-Produktion in einer Ecke des Areal ordentlich Pacht gezahlt hat. Das sei ein schönes Beispiel für „Kunst trifft Wirtschaft“, sagt Thümmler. „Und anders als Newtopia kommen wir von Kultropolis mit kleinem Budget aus.“

Schon bald könnten in dieser Halle Konzerte stattfinden

Schon bald könnten in dieser Halle Konzerte stattfinden.

Quelle: Fischer

Dass es seine Pläne auch umsetzen kann, hat das Kollektiv am Zeesener Bahnhof gezeigt. Den ziemlich heruntergekommenen Bau haben sie inzwischen aufgehübscht und mit einem Architekten zu einem Veranstaltungsraum namens „Kultropa“ entwickelt, wo Privatpartys und -konzerte stattfinden. Der Bahnhof soll noch um einen Kulturgarten und ein Café erweitert werden. „Wir sind da dran“, sagt Thümmler. Es werde zur Zukunft des Bahnhofs und der Funkstation aber noch Gespräche mit der Stadt Königs Wusterhausen geben.

Gesprochen wird bei den Kultropolis-Leuten auch darüber, wie es mit der Newtopia-Scheune weitergeht. Eigentlich hatten sich die Vertragspartner darauf geeinigt, dass die Produktionskulisse nach dem Ende der Show zurückgebaut wird. „Wir machen uns jetzt aber Gedanken, ob es nicht vielleicht zu schade ist, das alles abzureißen“, sagt Thümmler. Es gebe viele Leute, die sich für Newtopia interessieren und das Gelände auch gerne im jetzigen Zustand sehen wollen. „Wir überlegen deshalb, ob wir nicht einen Tag der offenen Tür anbieten.“ Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen.

Von Oliver Fischer

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