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Newtopia-Resterampe von Fans geplündert

Teure Erinnerungen beim TV-Ausverkauf Newtopia-Resterampe von Fans geplündert

Hand bemalte Blumenkübel, selbst gebastelter Holz Schmuck, „Vaddis“ letzte Bierflasche: Am Schlusstag des TV-Experiments Newtopia wurde wirklich alles zu Geld gemacht. Dafür mussten die Fans tief in die Tasche greifen. Nur 100 konnten überhaupt auf das Gelände. Einige mussten draußen bleiben – selbst Ex-Pionier Candy.

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Großes Souvenir: Gabi und Joachim Götze zahlten 50 Euro für einen Rahmen mit handgeschriebenen Liedtexten.

Quelle: FotoS: Oliver Fischer

Zeesen. Für Florian war es am Ende alles ein bisschen viel. Monatelang hat er Newtopia geschaut, manchmal den ganzen Tag lang. Vom Fenster seiner Königs Wusterhausener Wohnung aus habe er nachts sogar die Lichter des Camps leuchten sehen, sagt er. Er war bei Fantreffen, hat einige der Bewohner persönlich kennen gelernt, Fotos gemacht, sich Souvenirs besorgt. Und jetzt soll das alles vorbei sein? Beim Gedanken daran kamen ihm die Tränen.

Ein paar Fans warteten vor dem Newtopia-Gelände

Ein paar Fans warteten vor dem Newtopia-Gelände. Doch ohne Anmeldung gab es keine Chance in das Camp zu gelangen.

Quelle: Oliver Fischer

Dabei war Florian immerhin einer der Privilegierten, die Mittwoch, am letzten Produktionstag des just abgesetzten Fernseh-Events, noch einmal ins ansonsten streng abgeriegelte TV-Camp durften. Die Produktionsfirma Talpa und der Sender Sat.1 hatten Anhänger der Sendung nach Zeesen zu einer Auktion eingeladen, bei der alle möglichen Devotionalien und Überreste des sechsmonatigen Sende-Experiments für einen guten Zweck versteigert werden sollten. Die Auktion war der letzte Akt des drögen Schauspiels, direkt danach mussten die verbliebenen 14 Camp-Bewohner ihre Koffer packen und die Reise zurück in ihr altes Leben abseits von Kameras und Pionier-Alltag antreten.

„Der Preis war mir zu hoch“

Damit es vorher noch etwas zu filmen gab, wurde noch das halbe Camp an Fans versteigert. Rein kam allerdings nur, wer angemeldet war. So boten schließlich etwa 100 Newtopia-Begeisterte für Kerzen, T-Shirts, selbstgebastelten Schmuck, Möbel und bemalte Blumenbänke, die die „Pioniere“ eigenhändig gefertigt hatten, aber nicht mehr in ihrem Online-Shop losgeworden waren.

Diese Fische fanden für 15 Euro einen neuen Besitzer

Diese Fische fanden für 15 Euro einen neuen Besitzer.

Quelle: Oliver Fischer

Zu den Bietern zählten Petra Wanagat und ihr Mann Günther, die extra mit ihrem Wohnmobil aus Bremervörde angereist kamen. Sie steigerten auf einen Gartenstuhl, gingen aber leer aus. „Ich hätte ihn gerne gehabt, aber der Preis war mir zu hoch“, erzählte Petra Wanagat hinterher.

Manche Fans kennen kein Preislimit

Gabi und Joachim Götze hatten weniger Skrupel. Die Steglitzer sind Fans der ersten Stunde, viermal waren sie schon im Camp, bei einer anderen Gelegenheit hatten sie schon einen Newtopia-Wegweiser erworben, der jetzt in ihrer Gartenlaube steht. Diesmal wollten sie noch ein letztes Erinnerungsstück an ihre Lieblingsshow. Ein finanzielles Limit habe es nicht gegeben. „Es sollte ein sinnvolles Stück sein, das nicht jeder hat“, sagte Joachim Götze. Letztlich legte er 50 Euro für einen Bilderrahmen mit handgeschriebenen Liedtexten der Newtopianer hin. Genauso gut hätten die Steglitzer aber auch die letzte Bierflasche des häufig alkoholisierten Teilnehmers Steffen (genannt „Vaddi“) erwerben können, die für 25 Euro einen Besitzer fand.

Fans der ersten Stunde

Vor dem Produktionsgelände harrte derweil eine Handvoll Anhänger aus, die keine Akkreditierung erhalten hatten und darauf hofften, wenigstens dem Auszug der Bewohner beiwohnen zu können. Da machten es sich dann Horst Mögling und Barbara Hackel unter Bäumen gemütlich, die mit ihrer Enkelin Kira einen Ferienausflug zum Camp gemacht hatten. Da saß die Hellersdorferin Wenke Szameit, die in den vergangenen Monaten fast rund um die Uhr dabei zugeschaut hatte, wie die Newtopia-Bewohner daran scheiterten, eine Gesellschaft aufzubauen oder zumindest spannende Unterhaltung zu liefern. Und da wartete auch Helmuth Meyer, der das Innenleben des Camps besser zu kennen scheint als die Pioniere selbst. „Ich hab jeden Mist angeschaut“, gibt er zu. „Ich bin Rentner, ich hab die Zeit.“ Als echter Fan hat er sogar den kompletten Live-Stream aufgezeichnet, auf DVDs gebrannt und die Scheiben zu seinen gesammelten Big-Brother-DVDs (Staffel 1 bis 11) gestellt, für die er derzeit einen Abnehmer sucht.

Ex-Pionier Candy wollte noch ein letztes Mal auf das Gelände – ein Reinkommen gab es für ihn allerdings nicht

Ex-Pionier Candy wollte noch ein letztes Mal auf das Gelände – ein Reinkommen gab es für ihn allerdings nicht.

Quelle: Oliver Fischer

Ex-Pionier Candy muss draußen bleiben

Zu diesen Fans gesellte sich dann auch einer, der Newtopia zwischenzeitlich wenigstens etwas Würze verliehen hatte: Candy Bormann. Der 46 Jahre alte Zausel hatte zwei Monate im Camp gelebt, war dort durch Antriebsarmut, bizarre Ansichten, wildes Urinieren und Sex vor der Kamera aufgefallen und hatte das Kunststück vollbracht, gleich zweimal rauszufliegen.

Zum Abschied wollte er noch einmal durchs Camp laufen und womöglich seine Liebschaft Vicky sehen. Allerdings verwehrte ihm die Produktionsfirma den Zutritt. Man fürchte Stress mit Angehörigen und anderen Bewohnern, hieß es. Eine solche Aufregung hätte wohl auch nicht mehr zum Rest von Newtopia gepasst.

Von Oliver Fischer

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