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Dahme-Spreewald Was Handwerker im Internet zu suchen haben
Lokales Dahme-Spreewald Was Handwerker im Internet zu suchen haben
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00:27 17.03.2018
Die Königs Wusterhausener Unternehmerin Antoinette Pawellek mit Produkten, die sie ihren Kunden demnächst online anbieten will. Quelle: Gerlinde Irmscher
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Dahmeland-Fläming

Bei Folie sechs, der Müsli-Seite, strahlt Heiko Vesper. Die Seite gehört zu seinen Lieblingsbeispielen. Man muss nicht mehr viel über Online-Shops erklären, wenn man diese Seite gezeigt hat. Sie ist ein Musterbeispiel: schlicht und übersichtlich, es gibt eine Art Müsli-Generator, auf dem sich Kunden ihr eigenes Müsli zusammenspielen können. Und am Ende überweisen sie ohne mit der Wimper zu zucken zehn Euro für ein halbes Kilo Müsli. „Das ist das Schöne am Internet“, sagt Vesper. „Der Kunde bekommt alles individuell – und ich kann dafür höhere Preise abrufen.“

Wenn es nur überall so einfach wäre.

Es Montagmorgen, Hoehnckes Altes Wirtshaus in Königs Wusterhausen. Heiko Vesper, Digitalbeauftragter der Handwerkskammer Cottbus, steht vor einer Leinwand und versucht im Schnelldurchgang zu erklären, wie Handwerker ihre Waren und Dienstleistungen besser über das Internet vermarkten können, welche Tricks und welche Fallstricke es dabei gibt.

Seit vier Jahren predigt er den Handwerksbetrieben nun schon Digitalisierung. Er hat einige solcher Veranstaltungen gemacht, aber diese hier ist ihm besonders wichtig, weil Online-Shops die Möglichkeiten des Internets so deutlich machen. Jeder kauft von Zuhause ein. Amazon ist zum Weltkonzern geworden. Da muss doch auch für die hiesigen Schreiner und Bauschlosser etwas gehen.

Die Tipps klingen logisch und simpel

Vesper ist in der Mitte seiner Präsentation angelangt, und die Tipps, die er gibt, klingen so logisch wie simpel. Die Seite übersichtlich gestalten. Fotos mit freundlichen Leuten einbauen. Nicht aggressiv verkaufen, sondern die Kunden spielen lassen. Die Produkte so ausführlich beschreiben, dass möglichst keiner mehr anrufen muss, denn Anrufe muss auch jemand entgegennehmen. Einen Konfigurator einbauen – und vor allem den Bezahlvorgang möglichst so einfach halten, dass der Kunde am Ende seinen vollen Warenkorb nicht einfach frustriert im Netz stehenlässt.

Wenn man das alles hinbekommt, dann kann das Geschäft durch die Decke gehen, so wie bei den Müsli-Leuten, sagt Vesper. Oder wie bei dieser Tischlerei aus dem süddeutschen Raum, deren Seite Vesper ebenfalls zeigt. Sie sieht ganz anders aus als die der Müsli-Leute, funktioniert aber ähnlich: ein gutes Gefühl wecken, den Kunden spielen lassen, am Ende ein Produkt verkaufen. Das sind Mechanismen, die heutzutage eigentlich jeder produzierende Betrieb verinnerlichen sollte, findet Heiko Vesper.

Die Nachfrage bei den Betrieben ist überschaubar

In Hoehnckes Wirtshaus sitzen zehn Leute. Angesichts von knapp 3000 Handwerksbetrieben, die es im Dahme-Spreewald gibt, ist das eher mau. Es ist Grippesaison. Einige Interessierte hat es niedergestreckt, andere sind eingespannt, weil viele Mitarbeiter krank geworden sind. Aber für viele Chefs ist Handwerk auch immer noch etwas, was staubt, hämmert und Funken schlägt – und nichts, was klickt. Das Handwerk zu digitalisieren, das weiß Heiko Vesper, ist eine Sisyphos-Arbeit.

Die Aufgabe ist freilich auch für die Unternehmen riesengroß. „Ohne eine Fremdfirma ist ein Online-Shop gar nicht zu stemmen“, sagt etwa Antoinette Pawellek.

Die Unternehmerin ist vor einigen Jahren als Gesellschafterin in die Siebdruckerei ihres Vaters in Königs Wusterhausen eingestiegen. Die Firma läuft gut, hat 19 Angestellte, die Baustellenschilder, Schaufensterfolien, Aufkleber, Baumwolltaschen, Feuerzeuge oder Leuchtkastenfolien herstellen.

Zig Materialien können dort bedruckt und noch mit verschiedenen Lacken veredelt werden. Das sind beste Voraussetzungen für einen Online-Shop, das ist Antoinette Pawellek und ihren Mitarbeitern bewusst.

Aber gleichzeitig mache das die Sache auch kompliziert. Seit einem Jahr arbeitet die Firma inzwischen daran, die vielen Produkte übersichtlich in einem Shop zusammenzuführen. Schon das sei technisch anspruchsvoll, sagt Antoinette Pawellek.

Auch Verpackung und Versand müssen durchdacht werden

Durchdacht werden muss aber auch, wie Verpackung und Versand organisiert werden, wie man Nachfragen effizient beantwortet und welche Bezahlmöglichkeiten man anbietet. Gar nicht zu reden von den ganzen rechtlichen Geschichten, die die Rechtsberaterin der Handwerkskammer später an diesem Vormittag noch ausführt: den Datenschutzerklärungen und den Allgemeinen Geschäftsbedingungen, die hieb- und stichfest sein müssen, um keine wettbewerbsrechtlichen Abmahnungen zu riskieren.

Unvorhersehbar sei letztlich auch, was passiert, wenn der Shop tatsächlich wie geplant in zwei Monaten an den Start gehen wird, sagt Antoinette Pawellek. Was, wenn es keine Bestellungen gibt? Und was, wenn plötzlich ganz viele auf einmal kommen?

Das Internet kennt schließlich keine Ortsgrenzen mehr. Man hat Millionen potenzieller Kunden, aber auch Millionen potenzieller Konkurrenten. Eine Blackbox. „Wir wollen deshalb lieber mit einem kleinen Angebot anfangen und uns bei Bedarf steigern“, sagt Antoinette Pawellek.

Erfolgsmodell aus Süddeutschland

Dazu rät auch Heiko Vesper. „Denn nichts ist schlimmer, als Bestellungen nicht bedienen zu können, weil die eigenen Kapazitäten dafür nicht ausreichen.“

Dann erzählt er noch einmal von der Tischlerei in Süddeutschland, auf deren Seite jeder seine Möbel individuell konfigurieren kann. So wie beim Müsli. Die Tischlerei lässt inzwischen fünf anderen Tischlereien für sich arbeiten, weil sie selbst nicht mehr hinterherkommt. „Da wundert es schon, dass in vielen Betrieben das Internet noch oft nebenbei gemacht wird“, sagt Vesper

Von Oliver Fischer

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