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Dahme-Spreewald Opfern wieder Halt geben
Lokales Dahme-Spreewald Opfern wieder Halt geben
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00:17 09.01.2014
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Königs Wusterhausen

Kurz vor Ladenschluss betrat ein junger Mann die Kaufhalle im Königs Wuserhausener Neubaugebiet. Zielgerichtet schritt er auf die Kassiererin zu, zog eine Pistole aus seiner Jacke hervor und verlangte: „Geld her!“ Der jungen Frau, sie war Anfang 20, fuhr der Schreck durch alle Glieder. In ihrer Erregung gelang es ihr nicht, die Kasse zu öffnen. Der verhinderte Räuber zog ab.

Äußere Verletzungen trug die Kassiererin nicht davon, und trotzdem veränderte dieser Tag ihr Leben. An den Kassentisch wagte sie sich nicht mehr, musste eine Arbeit im Lager aufnehmen und kündigte schließlich.

„Sie trat dann mit uns in Kontakt und wir konnten ihr erste Hilfestellungen geben und begleiteten sie später zum Gericht“, erinnert sich Joachim Bach. Er ist einer von sechs ehrenamtlichen Helfern, die der Weiße Ring, die Organisation, die sich um Verbrechensopfer kümmert, im Landkreis Dahme-Spreewald hat. „Doch im Amtsgericht ging es weiter. Der Anwalt des Angeklagten ging auf das als Zeugin geladene Opfer los. Die Frau zitterte am ganzen Leibe.“ Weil der Fall danach noch vor dem Landgericht landete, musste sie die Prozedur ein zweites Mal durchleben.

„Das ist leider eine typische Opfer-Geschichte“, sagt Karsten Blieske, der Leiter der Königs Wusterhausener Außenstelle des Weißen Rings. „Wer einem Verbrechen zum Opfer fällt, fühlt sich meist furchtbar hilflos – und das nicht nur im Augenblick des Geschehens, sondern oftmals sogar noch sehr lange Zeit danach.“ Insbesondere Gewalttaten wie Überfälle oder sexueller Missbrauch ziehen vielfältige Ängste nach sich: Angst vor dem Täter, Angst vor dem Gerede der Nachbarn oder auch Angst vor Arbeitslosigkeit.

Deswegen bieten Blieske und seine Kollegen den Betroffenen Hilfe an, zunächst einmal in Form von Gesprächen. „Wir wirken wie ein Lotse, vermitteln juristische Beratung und psychologische Betreuung“, beschreibt es der Senziger. Denn nicht jeder kennt Anwälte, an die er sich wenden könnte, und würde er selbst nach einem Termin beim Psychologen fragen, müsste er in der Regel mit einer mehrmonatigen Wartezeit rechnen.

Manches kann von den Mitarbeitern der 1976 gegründeten bundesweit operierenden Opfer-Hilfsorganisation auch sofort geregelt werden. So ist bei ihnen zu erfahren, wie Anträge nach dem Opferentschädigungsgesetz ausgefüllt werden und welche Fristen dafür einzuhalten sind.

„Den Menschen, die sich uns anvertrauen, geben wir Halt und das Gefühl, bei uns gut aufgehoben zu sein“, sagt der 65-Jährige. „Denn wir stehen uneingeschränkt auf ihrer Seite, verfolgen keinerlei andere Interessen“, sagt er weiter.

Für dieses Anliegen arbeitet Blieske auch mit dem Präventionsbeauftragten der Polizei, Olaf Schulze, zusammen und informiert an Schulen über Verbrechensvorbeugung und Verbrechensfolgen. „Hier geht es oft um das Thema Internet. Ich weise die Schüler dann darauf hin, wie gefährlich es sein kann, in sozialen Foren zu viel von sich preiszugeben.“ Einmal monatlich ist der engagierte Ehrenamtler auch in der Jugendarrestanstalt anzutreffen. Dort versucht er den Inhaftierten klarzumachen, was sie mit ihren Taten bei den Opfern angerichtet haben.

„Jeder von uns kann schon morgen zum Verbrechensopfer werden“, betont Blieske. „Deswegen empfehle ich, sich einmal mit dem Thema zu befassen und auf unsere Internet-Seite zu sehen.“

Kontakt zum „Weißen Ring“ unter Tel. 0151/55 16 47 00 oder per E-Mail an weisserring-kw@t-online.de

Klaus Bischoff

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