Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -5 ° wolkig

Navigation:
Ortsvorsteher zieht erste Bilanz

Ortsentwicklung Blossin Ortsvorsteher zieht erste Bilanz

Nein, ein Weltdorf will der 34-jährige Ortsvorsteher Ralph Zander aus dem kleinen Heideseer Ortsteil Blossin nicht machen. Aber den Zusammenhalt der Dorfbewohner aller Generationen will er schon stärken. Sein Rückgrat bildet dabei der Dorfverschönerungsverein, der alljährlich zahlreiche Feste organisiert. Die jüngste Errungenschaft im Ort ist der Spielplatz.

Voriger Artikel
Noch keine Handlungsgrundlage
Nächster Artikel
Kommunalpolitiker in der Bütt

Der 34-jährige Ortsvorsteher Ralph Zander zeigt stolz den neuen Spielplatz in Blossin

Quelle: Franziska Mohr

Blossin. Mehr als 20 Jahre führte der inzwischen verstorbene Joachim Koßatz als Bürgermeister beziehungsweise Ortsvorsteher Regie in Blossin. Sein Nachfolger, der Wirtschaftsingenieur Ralph Zander, gibt Auskunft über die Entwicklung im Dorf.


MAZ:
Pardon, aber mit 34 Jahren gehören Sie zu den Küken unter den Ortsvorstehern, die meist schon im reiferen Alter sind. Was reizt Sie an dieser Aufgabe?

Ralph Zander: Mich hat es erst 2012 durch meine Freundin, eine Ur-Blossinerin, in den Ort verschlagen. Davor habe ich über 30 Jahre in Wildau gelebt. Wir übernahmen damals das Haus ihrer Oma, dass wir jetzt schrittweise ausbauen. Schon damals suchte Herr Koßatz händeringend einen Nachfolger und da dachte ich mir zur letzten Kommunalwahl, warum soll ich es eigentlich nicht wagen? Es hilft schließlich nichts, wenn alle immer nur quatschen, aber nicht mit anpacken.

Am Ende gab es sogar drei Kandidaten für den Ortsbeirat. Sie als Neu-Blossiner aber haben die meisten Stimmen bekommen. Wie erklären Sie sich das?

Zander: Ich bin kein Schreibtischmensch, sondern suche das direkte Gespräch mit den Bürgern. Vor meiner Wahl habe ich im Ort an jeder Haustür geklingelt und mich persönlich vorgestellt. In so einem kleinen Dorf werden keine Parteien oder Bündnisse, sondern in erster Linie Personen gewählt. Die Unabhängige Wählergemeinschaft Heidesee (UWGH) bot mir einen Platz auf ihrer Liste an, da griff ich zu. Für die Dorfbewohner ist dies ohne Belang. Eigentlich wollte ich für Blossin noch den Sprung in das Heideseer Gemeindeparlament schaffen, aber das hat leider nicht geklappt. Vielleicht ist es auch gut so, denn inzwischen bin ich noch Papa einer kleinen Emma.

Wie würden Sie Ihre ersten Erfahrungen als Ortsvorsteher umreißen?

Zander: Meine erste Erfahrung lautet, dass die meisten Einwohner nur kommen, wenn ihnen persönlich irgendwo der Schuh drückt. Als es darum ging, dass in Blossin ein Funkmast aufgestellt werden sollte, haben wir an alle Einwohner Flyer verteilt. Zum Bauausschuss kamen letztlich aber nur fünf Bürger. Nicht selten sitzen Marko Grundmann und ich bei den Sitzungen des Ortsbeirates allein da. Und das, obwohl wir durchaus schon etwas erreicht haben.

Was können Sie denn schon auf der Habenseite verbuchen?

Zander: Den Bau des neuen Spielplatzes direkt hinter dem Gutshaus am Anger. Seit Dezember können die Kinder hier rutschen und spielen. Darüber bin ich richtig glücklich. Nach den ersten Gesprächen in der Verwaltung ging der Aufbau dann sogar relativ schnell.

Welche Wünsche sind noch offen?

Zander: Gerade für die dunkle Jahreszeit wäre ein Radweg nach Friedersdorf die Krönung. Aber dieses Vorhaben ist noch weit weg. Für den Strand benötigen wir dringend ein Konzept. Dort fehlen noch immer Toiletten. Auch der Anlegesteg am Kanal bedarf der Generalüberholung.

Und was ist mit dem Dorfgemeinschaftshaus? Mir scheint, dass der ausgebaute alte Konsum ziemlich verwaist ist oder täuscht das?

Zander: Es stimmt, die Nutzung ist nicht so, wie wir sie gern hätten. Aber wir arbeiten dran. Am 20. Februar wird dort erst einmal gezempert. Pfingsten steigt der Frühschoppen und der Verschönerungsverein Blossin lädt alljährlich zum Sommerfest sowie zur Weihnachtsfeier der Senioren ein. Einmal im Monat organisieren die Familien Pitt und Mowinski im alten Konsum ein Treffen der Senioren.

Ist der Verschönerungsverein für Sie so eine Art dörfliches Rückgrat?

Zander: In jedem Fall. Ohne ihn und besonders die Vereinsvorsitzende Beate Splettstößer wäre das Dorf weitaus ärmer. Auch Petra Wilke ist hier sehr engagiert.

Wie gestaltet sich eigentlich die Zusammenarbeit mit dem ortsansässigen Jugendbildungszentrum?

Zander: Offen gesagt, der Kontakt ist in den vergangenen Jahren ein wenig lose geworden. Hier ist ein neuer Anlauf vonnöten, um aufeinander zuzugehen.

Liegt es möglicherweise auch daran, dass das Durchschnittsalter im Dorf relativ hoch ist? Wie kommen die Senioren mit der fehlenden In-

frastruktur – kein Konsum, kein Arzt, wenig Busverkehr – klar?

Zander: Im Dorf funktioniert die gegenseitige Hilfe noch. Außerdem wohnen meist die Kinder oder Enkel in der Nähe. Viel helfen auch die mobilen Verkaufswagen für Backwaren, Fleisch und Obst.

Haben sich Ihre Erwartungen in Bezug auf den Posten des Ortsvorstehers in ihrer bisherigen Amtszeit erfüllt?

Zander: Vorher hatte ich überhaupt nichts mit Kommunalpolitik zu tun. Da ist das schon eine schöne Herausforderung. Den damit verbundenen Papierkram habe ich allerdings unterschätzt. Ich hätte nicht gedacht, was da so alles an Protokollen, Beschlüssen und Vorlagen zusammenkommt. Zumal ich auch noch sachkundiger Bürger im Finanzausschuss bin. Die monatliche Fraktionssitzung der UWGH ist ganz informativ. Hilfreich ist auch, dass Gemeindevorsteher Jörg Romberg immer ein Ansprechpartner ist.

Und was ärgert Sie?

Zander: Dass die Eigeninitiative der Dorfbewohner durch unzählige Verordnungen und Vorschriften so stark eingeschränkt ist. Wollen die Bürger im Dorf mal eine Hecke pflanzen, dann ist das gleich ein Riesenakt. Viele verstehen das nicht. Es schreckt sie ab und macht jede Initiative tot. Das ist dann sehr schade.


Von Franziska Mohr

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Dahme-Spreewald

Wie wichtig sind Ihnen Bio-Lebensmittel?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg