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Paris-Gedenkstätte von Vandalen zerstört

Reaktionen auf Terror von Paris Paris-Gedenkstätte von Vandalen zerstört

Keine Nacht lang hat der kleine Gedenkort gehalten, den Menschen aus Königs Wusterhausen am Montag in Reaktion auf den Terroranschlag von Paris gestaltet hatten. Blumen und Grablichter lagen wild zerstreut. Initiator Uwe Kretschmer ist frustriert – doch unterkriegen lässt er sich nicht.

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Uwe Kretschmar an der Gedenkstätte.

Quelle: Martin Küper

Königs Wusterhausen. Der Frust ist Uwe Kretschmar ins Gesicht geschrieben. Er steht am Fontaneplatz in Königs Wusterhausen vor der kleinen Gedenkstätte, die er und andere Anwohner am Montag spontan dort errichtet hatten. Es war ihre Reaktion auf den Anschlag von Paris am Freitag. Doch die spontane Beileidsbekundung „Für alle Terroropfer auf der Welt“ hat keine Nacht lang gehalten. Die Widmung steht auf einem Blatt Papier, das Uwe Kretschmar um den Baum gebunden hatte. Am Dienstag lagen Rosen, Nelken und andere Blumen zertrampelt im Grün rund um die Platane, auch die Grablichter wurden umgetreten.

„Nur Chaoten und Idioten“, ärgert sich Kretschmar. „Gestern Abend um elf war ich noch hier, da war alles in Ordnung“, erzählt der 58-Jährige. „Und die Jugendlichen hier auf dem Platz waren das bestimmt nicht, die waren zu der Zeit schon weg.“ Uwe Kretschmar glaubt, dass Sympathisanten der fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung hinter dem Zerstörungswerk stecken könnten.

Gerettet, was noch zu retten war

Die Idee zu der Aktion war am Montag in der Facebook-Gruppe „Du bist aus Königs Wusterhausen wenn. . .“ entstanden. Uwe Kretschmar fackelte nicht lange, besorgte einen Kranz, eine Blume und hängte den Zettel mit der Botschaft an den Baum. „Im Laufe des Tages kamen dann viele andere vorbei und legten ihre Blumen und Kerzen hier ab.“ Kretschmar hatte zuvor dem Ordnungsamt Bescheid gegeben, dass er für den Ort die Verantwortung übernimmt.

Und das hieß am Dienstag, mit einem Müllsack anzurücken und die Überreste zu entsorgen. „Nicht, weil ich vor diesen Leuten kapituliere“, erzählt Kretschmar der MAZ. „Sondern nur, damit sich das Ordnungsamt nicht beschwert.“ Aber Uwe Kretschmar bringt es nicht fertig, die Blumen und Kerzen in den Sack zu stopfen. Stattdessen bindet er einen Faden um den Baum und steckt die Blumen dazwischen, die nicht völlig zerrupft sind. Passanten bleiben stehen und schauen, was los ist.

„Wie kann man sowas mit Füßen treten?“

Die 71-jährige Anita Richter wohnt nebenan, ihre Tochter ist zu Besuch aus Berlin, sie wollten gerade gemeinsam ein Grablicht dazustellen. Als Anita Richter die Zerstörung sieht, bricht sie in Tränen aus: „Wer kann denn sowas machen, da darf man gar nicht drüber nachdenken.“ Auch ihre Tochter Anett Bähr ist fassungslos: „Wie kann man denn sowas noch mit Füßen treten?“, fragt sich die 47-Jährige. Doch anstatt zu lamentieren, hilft sie Uwe Kretschmar, die Grablichter wieder aufzustellen und anzuzünden.

„Vielleicht könnte man auch einen Gedenkstein hier aufstellen“, überlegt Uwe Kretschmer. „Aber den würden sie bestimmt auch zerstören.“ Glaubt er, dass der wiederhergestellte Ort diesmal die Nacht überstehen wird? „Ich werde jedenfalls die Polizei bitten, heute Nacht ab und an hier vorbeizuschauen“, sagt Uwe Kretschmer.

Von Martin Küper

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