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„Paul Gerhardt Stadt Mittenwalde“ gibt es nicht

Mittenwalde „Paul Gerhardt Stadt Mittenwalde“ gibt es nicht

Mittenwalde trug sich lange mit dem Gedanken, sich im Stadtnamen mit Paul Gerhardt zu schmücken. Vor zehn Jahren wurde das schon einmal beschlossen, aber nicht umgesetzt. Bei der Stadtverordnetenversammlung stand das nun erneut auf der Tagesordnung. Doch eine Zweidrittelmehrheit konnte nicht erreicht werden.

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Mosaik am Rathaus Mittenwalde: Die Stadt will sich nicht mit dem weltberühmten Kirchenlieddichter Paul Gerhardt schmücken

Quelle: Andrea Müller

Mittenwalde. Mittenwalde will sich nicht „Paul Gerhardt Stadt Mittenwalde“ nennen. So entschied es die Stadtverordnetenversammlung diese Woche. Das Ergebnis der Abstimmung führte am Ende der Sitzung eine Minute vor 22 Uhr – dann muss die Versammlung laut Geschäftsordnung beendet werden – zum Eklat. Dirk Knuth, der sich ebenso wie Carsten Clemen (beide CDU) in den vergangenen zwei Jahren stark gemacht hatte für den Beinamen der Stadt nach dem weltberühmten Kirchenlieddichter, sprang kopfschüttelnd auf, nahm seine Jacke und verließ den Sitzungssaal in der Grundschule. „Umsonst die ganze Arbeit“, meinte Clemen, der zugleich Vorsitzender des Tourismusausschusses ist. Im Zuschauerraum stand der 76-jähige Pfarrer im Ruhestand Manfred Claubert auf, der selbst in der Paul-Gerhardt-Gesellschaft vertreten ist und gerade von einer Zusammenkunft in Lübeck zurückgekommen ist, bei der sich Anhänger von Paul Gerhardt aus der ganzen Welt trafen. Er wollte seiner Entrüstung über den Entschluss Ausdruck verleihen. Doch der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung Lutz Krause (Pro Bürger) verbot ihm – laut Geschäftsordnung – das Wort. „Ich bin entrüstet über die Entscheidung“, sagte Claubert auf Anfrage der MAZ. „In der ganzen Welt werden die Lieder Paul Gerhardts gesungen, aber Mittenwalde, wo er viele Jahre gearbeitet und gewirkt hat, will seinen Namen nicht tragen“, fuhr Claubert fort. Damit beraube sich die Stadt einer großen Chance für die eigene Entwicklung.

Damit Mittenwalde seinen Namen hätte ändern können, wäre eine Zweidrittelmehrheit bei der Abstimmung notwendig gewesen. Maja Buße (CDU) hatte sich vor der namentlichen Abstimmung noch einmal bemüht darauf hinzuweisen, dass sich vier von acht Ortsbeiräten für den Beinamen ausgesprochen hatten. Zudem wurde seitens der Verwaltung und anderer Abgeordneter darauf hingewiesen, dass kein Ortsteil zwingend den Schriftzug „Paul Gerhardt Stadt Mittenwalde“ auf dem Ortsschild tragen müsse. Es bestehe lediglich die Möglichkeit dazu. Uwe Schmidt (Linke) aus Töpchin meldete sich zu Wort und sagte: „Paul Gerhardt gehört zu Mittenwalde, aber es ist nirgends erwähnt, dass er mal in Töpchin war.“ Deswegen könne er sich nicht für den Beinamen entscheiden. In der Abstimmung im Anschluss votierten fünf Abgeordnete mit Nein: Werner Hannig, Daniela Meißner, Carola Müller, Uwe Schmidt (Linke) sowie Andreas Lück (AfD). Zwölf Abgeordnete stimmten mit Ja . Dennoch scheiterte die Beschlussvorlage wegen der Zweidrittelmehrheit, nach der 14 Ja-Stimmen notwendig gewesen wären. Hannig wunderte das Ergebnis nicht: Zwar hätten vier Ortsteile im Vorhinein dafür gestimmt, vier aber auch dagegen. Nämlich Motzen, Schenkendorf-Krummensee, Telz und Töpchin. Für ihn sei es dennoch selbstverständlich, den Namen Paul Gerhardts touristisch zu nutzen. „Die Namensänderung der Stadt ist aber eine andere Sache“, meinte er.

Maja Buße findet die Entscheidung beschämend für Mittenwalde, in dem dieser berühmte Mann von 1651 bis 1657 gewirkt hatte.

Von Andrea Müller

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