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Paul Stahlberg lehrt Grundschüler das Schachspielen

Schulzendorf Paul Stahlberg lehrt Grundschüler das Schachspielen

Paul Stahlberg bringt Grundschülern aus Schulzendorf das Schachspielen bei. Seit 15 Jahren lehrt der 85-Jährige Mädchen und Jungen damit das Konzentrieren und das logische Denken. Die Anfänger, um die er immer vor den Sommerferien in einem ausführlichen Elternbrief wirbt, lernen zunächst ein Jahr lang die Regeln des Spiels bevor sie gegeneinander antreten.

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Paul Stahlberg bringt Grundschülern das Schachspielen bei. Die ersten Stunden beginnen am 8. September.

Quelle: Dörthe Ziemer

Schulzendorf. Wie bringt man einen Haufen Grundschüler zur Ruhe? Mit so einer Frage, scheint es, kann Paul Stahlberg nicht viel anfangen. „Meine Schachkinder sind in Ordnung“, sagt der 85-Jährige, als hätten in seiner Schachstunde noch nie herumzappelnde, plappernde Kinder gesessen. Seit 15 Jahren bringt er rund 50 Kindern jährlich im Schulzendorfer Schulhort ehrenamtlich das Schachspielen bei – und ganz nebenbei das Stillsitzen, Konzentrieren und das logische Denken.

Ein Satz in tiefer Tonlage reiche aus, berichtet Stahlberg, um Ruhe in den Raum zu bringen: „Beim Schachspielen ist es leise!“ Aber der muss gar nicht so oft fallen. Während die Erstklässler, wenn die Konzentration nachlässt, zurück in den Hort gehen dürfen, spielen die Großen schon ganz selbstständig und rufen ihren Lehrer nur, wenn es strittige Züge gibt. Sie spielen jeweils ein Schulhalbjahr lang „Jeder gegen jeden“. Dafür hat Stahlberg akribisch Listen angelegt, in die sie sich eintragen.

Erst die Regeln, dann das Spiel

Die Anfänger, um die er immer vor den Sommerferien in einem ausführlichen Elternbrief wirbt, lernen zunächst ein Jahr lang die Regeln, bevor sie gegeneinander antreten: Wie heißen die Figuren? Wie dürfen sie laufen? Was ist ein „Schäferzug“ und was eine „Rochade“?

„Manche können ihren Namen noch nicht buchstabieren, wollen aber schon Schach spielen“, lobt Stahlberg den Eifer der Kinder. Manche haben zu Hause schon mit dem Opa gespielt, andere am Schachcomputer, wieder andere bringen ihre Eltern zum Schachspielen.

So sorgt Paul Stahlberg, früher Hochschullehrer für Philosophie und als Kind und Jugendlicher ebenfalls begeisterter Schachspieler, dafür, dass das Spiel mit den schwarzen und weißen Figuren ein fester Bestandteil in Schulzendorfer Klassenräumen, Wohnzimmern und sogar auf Festen ist. Beispielsweise beim Kinderfest: Da baut der Schachlehrer die Bretter draußen auf und lässt seine Schüler gegen die Festbesucher antreten.

Beim jüngsten Kinderfest hat Stahlberg gegen einen Jungen gespielt, der sogleich ankündigte, in die Schachstunde zu kommen, sobald er in der Schule sei. Stolz war der junge Mann, als er gegen den großen Lehrer gewonnen hat.

Nicht einfach so gewinnen lassen

Stahlberg streitet ab, die Kinder einfach gewinnen zu lassen, nein, er erkläre ihnen, wenn sie ungünstige Spielzüge machen, und biete ihnen die Chance, ihn zu schlagen. Erkennen müssen sie dies aber schon selbst. Es sei denn, sie denken, sie wären ohnehin die Besten – dann lässt Paul Stahlberg seine Schüler auch schon mal gnadenlos verlieren.

Was der Schulzendorfer an Arbeit in die Schachstunden steckt, bekommt er mehrfach wieder zurück. Eltern bedanken sich mit Briefen oder kleinen Geschenken bei ihm dafür, dass er so viel Geduld aufbringe, ihren Kindern das Schachspielen beizubringen. „Es ist wunderschön, wenn man durch die Straßen geht und von seinen Schülern gerufen wird“, sagt er stolz und fügt hinzu: „Wenn man also im Dorf weltberühmt ist.“

Diese Berühmtheit hat er aber auch durch seine Funktion als Vorsitzender des Seniorenbeirates erlangt. Unermüdlich ist er für seine Mitmenschen im Einsatz – und hält dies alles für selbstverständlich. Nur einmal im Jahr ist die Familie dran: Da fährt Paul Stahlberg zu seinen sechs Geschwistern, die im ganzen Land verteilt leben. Diese Zeit liegt in den Ferien, wenn seine Schachkinder nicht auf ihn warten.

Von Dörthe Ziemer

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