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Pflegebedarf in Dahmeland-Fläming wächst

Dahmeland-Fläming Pflegebedarf in Dahmeland-Fläming wächst

Wenn jemand pflegebedürftig wird, stehen ihm in den Landkreisen Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming grundsätzlich verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung – vorausgesetzt, er will sich helfen lassen. Die Zukunft der Pflegelandschaft sieht aber, wie überall im Land, düster aus.

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Pflegedienstleiterin Carola Brömmer macht ihren Job mit Herzblut. „Man braucht einen langen Atem, aber wenn die Senioren glücklich sind, ist das die Hauptsache.“

Quelle: Christina Koormann

Dahmeland-Fläming. Es ist 9 Uhr morgens, und im Senioren- und Pflegedienst „Haus Louise“ in Zeuthen sitzen sieben Senioren im Aufenthaltsraum am Tisch. Pflegedienstleiterin Carola Brömmer macht mit ihnen ein Quiz und fragt in die Runde: „Wie nennt man Geschwister, die am gleichen Tag geboren sind?“ Nach kurzem Zögern antwortet ein Mann um die 80: „Zwillinge.“ Carola Brömmer lobt und stellt gleich die nächste Frage, während sie den Gruppenmitgliedern Saft in bunte Plastikbecher gießt.

Jeden Tag betreuen sie und ihre Kolleginnen die Senioren, machen mit ihnen Gedächtnistraining, Gymnastik, gehen an die frische Luft oder singen gemeinsam. „Die Arbeit mit alten Menschen muss eine Berufung sein“, sagt die Pflegedienstleiterin, „man muss sie annehmen, wie sie sind.“

Das schafft Carola Brömmer, obwohl der Arbeitsdruck groß ist – und er wird in den nächsten Jahren nicht abnehmen: Die Pflegesituation ist in den Landkreisen Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming, wie überall im Land, angespannt. Die demografische Entwicklung schreitet voran und bringt besonders in ländlichen Regionen Schwierigkeiten mit sich. Durch die zunehmend ältere Bevölkerung wird es jedoch immer mehr Pflegebedürftige geben: Zwischen 2012 und 2030 wird die Zahl der über 80-Jährigen in Brandenburg von 120 000 auf fast 250 000 ansteigen.

Pflegeversorgung ist „hart an der Grenze“

Angesichts der deutlich steigenden Zahlen wird die Pflegeversorgung zu einer immer größeren Herausforderung. In der Region ist sie momentan noch zu bewältigen, aber „hart an der Grenze“, wie Mitarbeiter von Pflegeeinrichtungen sagen. Mit derzeit 53 niedergelassenen Pflegediensten und 18 Tagespflegeeinrichtungen mit insgesamt 269 Plätzen ist der Landkreis Dahme-Spreewald aufgestellt. In Teltow Fläming gibt es aktuell etwa 75 ambulante Pflegeinstitutionen, bestehend aus Sozialstationen, ambulanten und privaten Pflegediensten. Dazu kommen 32 Pflegeheime mit insgesamt 2000 stationären Plätzen.

„Wir sind momentan zu 95 Prozent ausgelastet“, sagt Annegret Pfundt, die ebenfalls Pflegedienstleiterin im Zeuthener „Haus Louise“ ist. Neben dem ambulanten Pflegedienst gibt es dort zwei Seniorenwohngemeinschaften und die Tagespflege mit Beschäftigungsmöglichkeiten für Senioren mit Pflegebedarf. Zu ihrer Ausbildungszeit vor 20 Jahren habe doppelt so viel Pflegepersonal zur Verfügung gestanden wie heute, sagt Pfundt.

Auch wenn vor diesem Hintergrund die Zukunft der Pflegelandschaft aktuell alles andere als rosig aussieht, könne denen geholfen werden, die Hilfe in Anspruch nehmen müssen. Kerstin Demmig arbeitet als Pflegeberaterin im Pflegestützpunkt Luckenwalde, der als neutrale Pflegeberatung und -koordination über alle Fragen rund um das Thema Pflege informiert.

Pflegestützpunkte in jedem Landkreis als erste Anlaufstelle

Um die vielen verschiedenen Möglichkeiten kennenzulernen und sich einen Überblick über die Pflegelandschaft im Landkreis Teltow-Fläming zu verschaffen, ist der Pflegestützpunkt eine erste Anlaufstelle. Betroffenen und Angehörigen wird in Beratungsgesprächen der Einstieg in das komplexe Thema Pflege erleichtert. Insgesamt 19 Pflegestützpunkte sind über ganz Brandenburg verteilt, so dass diese Hilfe in jedem Landkreis zur Verfügung steht.

Die meisten Menschen, die pflegebedürftig werden, suchen sich erst sehr spät Hilfe, sagt Demmig. „Viele denken, warum soll ich mich damit schon so lange im Voraus beschäftigen?“, sagt Antje Bauroth, Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes Luckenwalde, an das der Pflegestützpunkt angeschlossen ist. Schon innerhalb eines halben Jahres könne sich jedoch viel veränder, deshalb solle man frühzeitig anfangen, sich über einen möglichen Pflegebedarf Gedanken zu machen. „Wenn es dann brennt, wenn es nicht mehr anders geht, können wir informieren und helfen“, sagt Antje Bauroth.

Wer gepflegt werden muss, hat verschiedene Möglichkeiten. Die Pflegelandschaft muss vielfältig sein, weil die Herausforderungen anders nicht zu bewältigen sind. Auf der Suche nach der geeigneten Form der Pflege für sich selbst oder einen Angehörigen sei ein Beratungsgespräch im Pflegestützpunkt deshalb empfehlenswert. „Wir helfen bei der Entscheidungsfindung, wissen, an welchen Stellen es welche Dienste gibt, sind mit den Anbietern vernetzt und können durch Gespräche und Hausbesuche feststellen, welche Art von Pflege individuell nötig ist“, sagt Demmig.

„Dem Betroffenen nicht alle Aufgaben abnehmen“

Eine Tagespflege in einer Einrichtung biete beispielsweise eine Tagesstruktur, rege die Menschen an, neue Dinge kennenzulernen und in einer Gemeinschaft von bis zu 15 Leuten aktiv zu sein. „Die Senioren backen zusammen, ihnen wird aus der Zeitung vorgelesen, basteln – das verhindert die Verschlechterung ihres Zustandes“, sagt Kerstin Demmig. Gleichzeitig bedeute diese Art der Pflege auch eine Entlastung der Angehörigen, die während der Abwesenheit des Pflegebedürftigen andere Dinge erledigen könnten. Doch die Betreuung in einer Tagespflege sei nicht für jeden geeignet.

„Es gibt auch alltagsunterstützende Angebote durch ambulante Pflegedienste, die mehrmals in der Woche zu jemandem nach Hause kommen und die Person dort versorgen“, erläutert Antje Bauroth. Bei gesetzlich Versicherten machen Mitarbeiterinnen des Pflegestützpunktes vorab Hausbesuche, um sich ein Bild von der dortigen Situation zu machen.

„Man muss die Person, um die es geht, immer in seiner Häuslichkeit sehen“, sagt Elke Schäfer, Sozialberaterin im Pflegestützpunkt Luckenwalde. „Dabei sieht man am deutlichsten, welche Unterstützung notwendig ist.“ So ließe sich etwa feststellen, was der Betroffene noch alleine schaffe, ob Umbaumaßnahmen nötig sind, wie die hygienischen Zustände sind, ob hauswirtschaftliche Hilfe benötigt wird und wer noch im Haus lebt. „Angehörige sehen die Situation oft anders als die Betroffenen selbst, und man sollte ihm auch nicht alle Aufgaben abnehmen, sofern er sie noch schafft“, sagt Schäfer.

Das Ziel lautet „ambulant vor stationär“

Im Landkreis Teltow-Fläming gibt es derzeit 6100 Pflegebedürftige, zwei Drittel von ihnen werden ambulant versorgt. „Das Ziel lautet ambulant vor stationär“, sagt Bauroth. Es sei immer besser, wenn der Betroffene weiter zuhause in seinem gewohnten Umfeld bleiben könne, solange er dazu noch in der Lage sei. Mit Pflegekräften aus dem Ausland, die bei dem Pflegebedürftigen einziehen und 24 Stunden für ihn da sind, seien bisher vielerorts ebenfalls gute Erfahrungen gemacht worden. „Diese Art der Pflege organisiert sich allerdings über eine Agentur und muss privat finanziert werden“, sagt Demmig.

Sind die grundsätzlichen Dinge geklärt und ist ein Pflegeantrag gestellt, wird mit der Pflege zeitnah begonnen. „Jeder muss für sich selbst entscheiden, was die beste Variante ist“, sagt Bauroth. „Vor allem muss der Betroffene gewillt sein, Hilfe anzunehmen – wenn jemand sich helfen lassen will, helfen wir auch, aber wir stülpen niemandem etwas über, mit dem er nicht einverstanden ist.“

Obwohl die Anzahl der älteren Einwohner immer mehr zunehme, gebe es aber auch viele Pflegebedürftige zwischen 50 und 60 Jahren. „Schlaganfälle, Multiple Sklerose und körperliche Erkrankungen führen ebenfalls zu Pflegebedarf“, sagt Kerstin Demmig. Für akute Fälle gibt es die Kurzzeitpflege, die bis zu vier Wochen in Anspruch genommen werden kann. „Bei Bedarf kann man über die Krankenkasse sofort einen Pflegedienst bekommen.“

Besonders dort gibt es Versorgungsengpässe. Als Konsequenz müssten Betroffene andernorts die Kurzzeitpflege in Anspruch nehmen, wenn dort gerade ein Platz frei sei. Sofern auch langfristig kein ambulanter oder stationärer Anbieter in Wohnortnähe verfügbar ist, müssen die Betroffenen auf räumlich entferntere Dienste und Einrichtungen zurückgreifen. „Wenn es in Thyrow oder Trebbin eine Anfrage gibt, wird es schwierig, weil niemand so weit fahren will“, sagt Demmig. Bei der hohen Belastung der Pflegedienste gehe bei Fahrten in abgelegene Orte Zeit verloren.

Auf dem Land wird sich die Situation weiter verschlechtern

„Es ist ein Teufelskreis“, sagt Antje Bauroth. „Die Jüngeren wandern ab aus den kleinen Orten, und wenn keiner mehr da ist, schließen die Läden, die Kneipen, und wenn dort nur noch wenige Leute leben, lohnt sich die Einrichtung einer Sozialstation nicht mehr. Und dann müssen auch die alten Leute abwandern und eben dorthin gehen, wo sie die Pflege bekommen.“

In Teltow-Fläming sind 36 300 Menschen älter als 65, was 20 Prozent der dortigen Bevölkerung ausmacht. „Davon werden etwa 16 Prozent pflegebedürftig“, sagt Antje Bauroth. Wie es in den kommenden Jahren mit der Abdeckung der Pflegeversorgung weitergehen soll, ist unklar – der Nachwuchs in der Pflege fehlt und stellt die Branche damit vor ein großes Problem. „Gerade auf dem Land wird sich die Situation weiter verschlechtern“, vermutet Bauroth, „da ist auch die Politik gefragt.“

Bei regelmäßigen Sozialkonferenzen des Sozialamtes wird die Zukunft der Pflege immer wieder diskutiert. „Es geht dabei auch um die Frage, wie man die Bevölkerung für diese Thematik sensibilisiert und was die Gemeinden tun können, damit die Alten versorgt sind“, sagt Bauroth. Wie auch immer sich die Pflegesituation zukünftig gestalte – „Beratung ist alles“, sagt Kerstin Demmig.

Die Pflegestützpunkte in Lübben und Luckenwalde sind unter 0 35 46/17 5 11-10 und -11 sowie unter 0 33 71/6 08 38 50 und -92 erreichbar.

Von Christina Koormann

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