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Plagegeister haben keine Chance

Dahmeland-Fläming: Schädlingsbekämpfer im Einsatz Plagegeister haben keine Chance

Motten, Ratten, Milben, Wespen: Es gibt wohl kein heimisches Ungeziefer, das Frank Matschke noch nicht vergiftet, vergast oder vergrämt hat. Der Job des Kammerjägers ist durchaus ein schmutziger – aber irgendjemand muss ihn machen, damit alle anderen Schutz vor unangenehmen Plagegeistern haben.

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Die Maschine läuft. Frank Matschke vergiftet Mäuse.

Quelle: Fotos: Oliver Fischer

Königs Wusterhausen. Wenn Frank Matschke auf Mäusejagd geht, will man besser keine Maus sein. Und dieser Montag wäre so ein Tag.

Es ist früher Nachmittag, Matschke parkt sein Auto vor einem Firmengelände in Wildau und räumt sein Werkzeug aus dem Kofferraum. Das Unternehmen hat ihn hergebeten wegen eines kleinen Mäuseproblems. Zum Tête-à-Tête mit den Nagern hat Matschke einen Vorschlaghammer mitgebracht und seine Tötungsmaschine. Die besteht aus einem Motor und einem Abgasschlauch mit Rohr am Ende und sieht aus wie ein Staubsauger. Aber sie saugt nicht, sie bläst, und zwar die ungefilterten Abgase des Zweitakters.

Frank Matschke verzieht keine Miene, als er kurz darauf den Motor anwirft und das Auspuffrohr in ein Mauseloch schiebt. Während Kohlenmonoxid die Erdgänge füllt, beobachtet er, wo der Qualm wieder aus dem Boden steigt. Mit dem Hammer klopft er nach und nach die Ausgänge des Mäusebaus zu. Das verzweigte Wohnsystem wird so zu einer geschlossenen Todesfalle.

Einsatz gegen Hummeln und Hornissen

Einsatz gegen Hummeln und Hornissen

Quelle: Fischer

Nach einer halben Stunde stellt Matschke die Maschine wieder ab. Auf dem Werksgelände riecht es, als wäre eine Trabantkarawane durchgefahren. Die Nager im Bau sind mausetot: erstickt. Bis auf eine kleine Feldmaus, die sich benommen ins Freie gerettet hat. Als Matschke sie sieht, rammt er ihr einen Schürhaken in den Rücken. Auftrag erledigt. Mitleid? Nö, sagt er. „So ist der Job.“

Ein Job, der erledigt werden muss

Der Tod kleiner Tiere ist Frank Matschkes Geschäft. Es ist oft kein schönes, aber eines, das erledigt werden muss. Der 52 Jahre alte Zeesener ist Kammerjäger, einer der wenigen in der Region. Er hat die Lizenz zum Töten und Vertreiben von Schädlingen, er kümmert sich um alles, was Menschen sticht, beißt, nervt – und dabei nicht unters Jagdgesetz fällt.

Milben, Zecken, Wanzen, Tauben, Ameisen, Hornissen, Schnecken, Nager – was immer dem Auftraggeber um die Füße krabbelt und auf der Seele drückt, Matschke macht ihm den Garaus. Und Arbeit gibt es für einen wie ihn immer. Manchmal müssen nur ein paar Insekten vergiftet oder umgesiedelt, manchmal Marder oder Füchse vergrämt werden, und manchmal kommt auch alles zusammen, wenn Frank Matschke eine Wohnung säubern muss, in der wochenlang ein Toter lag.

So sieht ein Hornissennest mit Larven aus

So sieht ein Hornissennest mit Larven aus.

Quelle: Fischer

Ratten und Mäuse treiben das ganze Jahr über ihr Unwesen, und seit es wieder warm ist, hat die Hauptsaison begonnen. Denn jetzt krabbeln die Ameisen aus ihren Löchern, und die Wespen, die ollen Plagegeister, bekommen langsam Appetit auf Kuchen.

In Königs Wusterhauen kümmert sich Matschke jetzt um einen der ersten Insektennotrufe dieses Sommers. Über der Eingangstür eines Einfamilienhauses haben sich Hummeln und Hornissen eingenistet, die nicht nur lästig sind, sondern auch Schäden im Mauerwerk anrichten. Die Tiere stehen zwar unter Schutz, in Wohnhäusern aber haben sie trotzdem kein Pardon zu erwarten.

Ein Hornissennest in der Hand

Matschke zieht seine Imkerjacke an, streift die Lederhandschuhe über, nimmt ein Stück Dämmung aus der Fassade und hat auch schon das Hornissennest in der Hand. Es ist noch klein, ein paar Larven winden sich darin, die Königin ist ausgeflogen. Matschke steckt es vorsichtig in einen Behälter. Dann wendet er sich den Hummeln zu, bei denen der Fall leider ungünstiger liegt. Er würde sie gerne retten, sagt er. Aber die dicken Bienentiere haben sich so tief in den Unterbau des Daches zurückgezogen, dass er nicht an das Nest herankommt, es nicht einmal sieht. Deshalb setzt er sich die Vollschutzmaske auf, sprüht ein Gift ins Dach und verschließt den Einflug mit einem Schaum. Sechs Wochen lang kommt jetzt keine Hummel lebend rein oder raus. Das sollte genügen. Zurückkehrende Arbeiterinnen werden noch eine Weile vor dem Dach herumbrummen, erläutert Matschke der Hauseigentümerin, das sei normal. Aber ohne ihr Nest werden sie bald verenden, dann ist auch dieses Problem erledigt.

Seit zehn Jahren ist Frank Matschke Kammerjäger, er liebt den Job und die Leute schätzen ihn für das, was er macht, obwohl die meisten die Details nicht wissen wollen und auch nicht so gerne mit ihm gesehen werden. Gastronomen, Geschäftsleute oder Hausbesitzer verheimlichen gerne, dass bei ihnen Ratten oder Schaben hausen. Deshalb kann sich Matschke auch keine Werbung aufs Auto kleben. Er hätte gerne eine großes Insekt auf dem Kotflügel, eine gelbe Ameise vielleicht, aber die Kunden hätten damit ein Problem. Deshalb hat Matschke sich etwas Dezentes ausgedacht. An seinem Rückspiegel baumelt eine Schlagfalle, darin klemmt eine ziemlich tot aussehende Plüschmaus. „Selbst gebastelt“, freut er sich.

Früher einmal hat er sein Geld als Dachklempner verdient, aber mit Anfang 40 wollte er etwas anderes machen, einen Job, der Rücken und Gelenke schont. Weil er das Thema interessant fand und ihm auf dem Dach öfter Wespen begegneten, schulte er zum Schädlingsbekämpfer um. Er lernte vieles über Biologie, über Rechtsverordnungen, über Tier- und Pflanzenschutz und ihm wurden die gängigsten Methoden des Umsiedelns und des Tötens erklärt. Anfangs arbeitete er danach in beiden Berufen, inzwischen jagt Matschke Ungeziefer im Vollzeitjob.

„Ihn bringt nichts so schnell aus der Ruhe“

Den „Killer“ sieht man ihm allerdings nicht an. Er ist ein ruhiger, freundlicher Typ, Familienvater, einer, der seinen Kater streichelt, der schon mal Schildkröten rettet und sich über die Elstern freut, die zahlreich über seinen Garten flattern. „Ihn bringt so schnell nichts aus der Ruhe“, sagt seine Frau. Die Gelassenheit brauche man als Kammerjäger auch, sagt Matschke, und erzählt von einem Einsatz in Bohnsdorf, wo er sich mal einem 2,50 Meter breiten Wespennest gegenübersah. „Da sollte man die Arschruhe weghaben, sonst überträgt sich das auf die Tiere. Und wenn 3000 Wespen hektisch werden, will ich nicht mal im Schutzanzug auf der Leiter stehen.“

In den zehn Jahren hat Matschke schon einiges erlebt, was einem Unbedarften die Nerven rauben kann. Australische Schaben etwa, die eine Urlauberin im Koffer eingeschleppt hatte. Aus der Wolldämmung eines Ökohauses in Senzig flatterten ihm einst hunderte Kleidermotten entgegen. In Eichwalde rettete er mal eine verirrte Elster aus einem Friseurgeschäft. Bei einer Rattenkontrolle in einem Königs Wusterhausener Gully stieß er auf Eier einer Kornnatter, die eigentlich nur in nordamerikanischen Wäldern und in Terrarien vorkommen sollte. Und einmal, erzählt Matschke, rief ein Binnenschiffer an. Bei ihm auf dem Schiff krabbele alles. Der Mann hatte Altholz geladen und sich damit auch Rattenmilben aufs Boot geholt. „Die Dinger sind 0,05 Millimeter lang, die einzelnen Tiere sieht man nicht. Aber auf dem Schiff hat sich quadratmeterweise der Boden bewegt“, erzählt Matschke und grinst.

Er weiß, dass Geschichten wie diese bei seinen Mitmenschen meistens unwillkürlich Juckreiz erzeugen, bei ihm nicht. Er ekelt sich nicht, sagt er. Nicht mal vor einem wandernden Milbenteppich. Matschke hat damals einen Wasserschlauch genommen, das Schiff ein paar Stunden lang geflutet und die Tiere schlicht ertränkt.

Er braucht die Ameisen lebend

Beim nächsten Termin an diesem Montag sind andere Methoden gefragt. Eine Frau aus Wildau hat den Kammerjäger gerufen, weil sie Ameisen in der Küche hat. Oder besser gesagt: hatte. Als er eintrifft, sind die Ameisen spurlos verschwunden. Die Frau erzählt, dass die Viecher vor zwei Tagen noch in Scharen über die Spüle, die Arbeitsplatte und die schmutzigen Tassen gezogen sind, und dass sie selbst Gift aus dem Baumarkt gesprüht hat. Matschke runzelt die Stirn. „Tun Sie mir einen Gefallen, lassen Sie das“, sagt er. Das Spray sei gesundheitsschädlich, es behebe die Ursachen nicht und erschwere ihm nur die Arbeit. Er braucht die Ameisen lebend. Nur dann kann er ihre Spur verfolgen, nur dann kann er ihnen das Wundergift in den Weg schmieren, das nach und nach den gesamten Bau ausrottet. Totfüttern nennt Matschke das. „Was anderes funktioniert bei Ameisen nicht.“

Totfüttern erfordert allerdings zwei Dinge. Das eine sind die Köder, die nur ausgebildete Kammerjäger beziehen können. Das andere ist Geduld. Ein unterirdischer Ameisenbau kann 16 Kubikmeter fassen, darin leben zum Teil Millionen Tiere. „Die muss man erst einmal totkriegen“, sagt Matschke. Manchmal dauert es Monate, manchmal ein ganzes Jahr, bis ein Volk hinüber ist. Das den Kunden zu erklären, ist oft der schwierigste Teil. „Wenn die Leute mich rufen, dann haben sie einen Leidensdruck und hoffen, dass ich ihr Problem in ein paar Stunden erledige“, sagt Matschke. Aber das klappt halt nicht immer.

In Senzig hat er gerade einen solchen Fall, auch Ameisen. Das Haus ist aus Holz, die Tiere haben sich in einer Wand eingenistet. „Ich komme da mit totfüttern nicht weiter“, erzählt Matschke. Wahrscheinlich wird der Eigentümer die Wand öffnen müssen. Dann muss die Dämmung raus, die Tiere werden abgesaugt, alles wird verbrannt, und man kann nur hoffen, dass sie nicht auch das Holz angegriffen haben. In solchen Fällen müssen manchmal halbe Häuser ersetzt werden.

Dass Frank Matschke gar nicht mehr weiter weiß, kommt selten vor, aber es passiert auch. Ein Hundesportverein hatte ihn zuletzt gebeten, etwas gegen die portugiesischen Tausendfüßler zu unternehmen, die auf dem Vereinsgelände herumlaufen. An diesen Quälgeistern sind allerdings schon ganz andere Kammerjäger gescheitert. Ein Dorf in Oberbayern hat zuletzt eine 20 Meter hohe Blechwand bauen lassen, weil man sich nicht mehr anders gegen die Invasionen der Krabbeltiere zu helfen wusste. „Wahrscheinlich werde ich den Leuten dort sagen müssen, dass ich nichts für sie tun kann“, sagt Matschke. Das ist dann eine Niederlage. Im Spiel des Lebens, Ungeziefer gegen Frank Matschke, liegt Matschke trotzdem uneinholbar vorn.

Von Oliver Fischer

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