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Dahme-Spreewald Plötzlich stand die Couch im Freien
Lokales Dahme-Spreewald Plötzlich stand die Couch im Freien
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00:19 26.08.2017
Der Stahlbalken am Boden soll auf die Holzgestelle gehievt werden und so das Dach abstützen. Einsatzkräfte besprechen das Vorgehen. Quelle: Frank Pawlowski
Schulzendorf

Ein Bild wie aus einem Krisengebiet. Am Haus in der Otto-Krien-Straße in Schulzendorf klafft ein Riesenloch, nachdem Dienstagabend zwei Wände eingestürzt sind. Das Wohnzimmer liegt jetzt im Freien. Eine Eckcouch steht bedrohlich nah am Rand, ist aber nicht herunter gekippt. Am Mittwochnachmittag waren Feuerwehrleute und Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks immer noch damit beschäftigt, das Einsturz gefährdete Haus zu sichern.

Gemeindebrandmeister René Keller Mittwochnachmittag an der Unglücksstelle. Er und seine Feuerwehrleute waren seit Dienstagabend im Einsatz. Quelle: Frank Pawlowski

An der wandlose Ecke sollte das Dach mit einem Stahlbalken provisorisch abgestützt werden, der auf zwei großen Holzgestellen aufliegt. Die Arbeiten dauerten um 15 Uhr noch an. Da waren die Schulzendorfer Feuerwehrleute schon über 17 Stunden im Einsatz. Am Dienstagabend wurden sie kurz nach 21.30 Uhr alarmiert. Als sie eintrafen, trauten sie ihren Augen nicht, berichtet Einsatzleiter Jörn-Hendrik Kuinke. „Angemeldet waren zwei umgefallene Pappwände“, erzählt er.

Tochter saß in der Badewanne, als es passierte

Das Ausmaß der Zerstörung hat alle geschockt. Es ist ein Wunder, dass Menschen nicht zu Schaden kamen. Als die Wände einstürzten, befanden sich die Mutter und drei Kinder im Haus. Eine Tochter badete gerade in der Wanne, zwei Jungs saßen auf der Couch und schauten fern. Der Vater arbeitete draußen. Zur siebenköpfigen Familie gehören zwei weitere Kinder, die aber wegefahren sind.

Die Familie erwarb das Haus aus den 1930er Jahren erst vor einem halben Jahr, war immer noch dabei, sich einzurichten. Was zum Einsturz der Wände führte, muss noch untersucht werden. Erdarbeiten auf dem Grundstück kommen als eine Ursache in Frage, hieß es am Mittwoch.

Das THW hat am Abend das Haus mit Hilfe eines Statikers abstützen können und die Arbeiten vor Ort beendet. Nun räumt die Familie das Gelände auf

Fassungslos stand Schulzendorfs Bürgermeister Markus Mücke (parteilos) vor den Trümmern. „Unglaublich, dass so etwas mitten im Ort möglich ist“, sagte er. Die Gemeinde will ein Spendenkonto für die Familie einrichten. Aktuelle Informationen dazu gibt es auf www.schulzendorf.de, so Mücke.

Am Abend des 22. August 2017 stürzte die Wand eines Wohnhauses in Schulzendorf ein. Die Bewohner kamen mit dem Schrecken davon.

Die Familie ist vorerst bei den Nachbarn untergekommen. Die Gemeinde bot ihr ein Notquartier an. Rathausmitarbeiter organisierten unter anderem die Verpflegung der Einsatzkräfte. Die Eichwalder Fleischerei Hinkel brachte belegte Brötchen zum Frühstück, Bouletten, Schnitzel und Kartoffelsalat zum Mittag.

Statiker: Absolut ungewöhnliches Ereignis

Der Statiker und Prüfingenieur Olaf Mittelstaedt wurde Dienstagabend von Feuerwehrleuten aus dem Bett geklingelt. Er war die ganze Nacht und auch am Mittwoch vor Ort. „Absolut ungewöhnlich, was hier passiert ist“, sagte er. Mit seiner Hilfe entwarfen Feuerwehr und THW den Plan zum Abstützen des Hauses. Es darf bis auf weiteres nicht betreten werden. Der erfahrene Schulzendorfer Gemeindebrandmeister René Keller hat einen vergleichbaren Einsatz noch nicht erlebt. 120 Einsatzkräfte waren insgesamt beteiligt, darunter 25 Feuerwehrleute aus Schulzendorf. Einige von ihnen fuhren nach dem nächtlichen Einsatz am Mittwochmorgen direkt zur Arbeit, berichtet Keller. Vom THW waren Verbände aus mehreren Berliner Bezirken, aus Cottbus sowie aus Frankfurt (Oder) vor Ort.

Einsatzkräfte bei der Mittagspause. Es gab Kartoffelsalat mit Bouletten von der Eichwalder Fleischerei Hinkel. Quelle: Frank Pawlowski

Die Familie wollte im Verlauf des Mittwochs keine Stellungnahmen gegenüber Pressevertretern abgeben. „Sie sind völlig verzweifelt“, berichtet Markus Mücke. Vom Nachbargrundstück aus verfolgten Eltern und Kinder den Einsatz. Eine Frau saß auf einer Bank und weinte. Nach Ansicht von Experten ist das Haus nicht mehr bewohnbar. Die Otto-Krien-Straße war zwischen Freiligrath- und Herweghstraße gesperrt.

Von Frank Pawlowski

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