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Dahme-Spreewald Polizisten zücken eher die Waffen
Lokales Dahme-Spreewald Polizisten zücken eher die Waffen
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02:19 23.08.2014
Der Extremfall: Ein Polizist übt im Cottbuser Weiterbildungszentrum die offensive Waffenhaltung bei einem fiktiven Angreifer. Quelle: ZB
Cottbus

"Stopp! Waffe runter oder ich schieße", schreit ein Polizist über seine gestreckte Dienstwaffe einem aggressiven Mann mit Samuraischwert zu. Gerade ist der Polizeibeamte in dessen Wohnung gestürmt, die Pistole vor seinen Körper haltend. Häusliche Gewalt, die aus dem Ruder gelaufen ist, lautet der Einsatz. Eingeschüchtert von der auf ihn gerichteten Pistole lässt der Mann tatsächlich widerstandslos sein Schwert auf dem Boden sinken. Die Situation ist entschärft, niemand ist zu Schaden gekommen. Zwar ist der Polizeieinsatz nur gespielt, doch spiegelt er durchaus den Berufsalltag wider. "Die Arbeit wird immer gefährlicher", sagt Markus Crüger, Leiter des Weiterbildungszentrums Süd der Fachschule der Polizei in Cottbus.

Dort und in den weiteren drei Weiterbildungszentren der Polizeidirektion Süd – eins davon befindet sich in Königs Wusterhausen – werden vier Mal im Jahr alle Beamten zum Training mit der Waffe gebeten. Sie sollen vor allem darin geschult werden, in kritischen Situationen besonnen zu reagieren. Das heißt: Zum eigenen Schutz wird die Dienstwaffe bereits vor einer lebensbedrohlichen Gefahrensituation aus dem Holster genommen und in der sogenannten Sul-Haltung vor dem Körper getragen. Sul heißt auf Portugiesisch Süden und steht symbolisch für die zum Boden gerichtete Mündung der Waffe. Durch die bloße Präsenz der Schusswaffe wird oft ein Angriff auf einen Polizisten verhindert. "Deeskalation durch Eskalation", beschreibt Markus Crüger dies. Wenn es nicht funktioniert, wendet der Beamte die sogenannte offensive Waffenhaltung an: Er richtet die Pistole auf den potentiellen Angreifer und spricht über diese mit ihm, um ihn zur Aufgabe zu überreden.

Wurde vorher die Dienstwaffe immer im Holster getragen und erst in brenzligen Situationen gezogen, wird seit dem Jahr 2010 in Brandenburg die neue Taktik gelehrt. Angewendet werden solle sie beispielweise bei Straßenkontrollen oder bei Einsätzen bei Ruhestörungen – immer dann, wenn für die beteiligten Beamten die Situation unübersichtlich sei und eine Gefährdung des eigenen Lebens bestehe. "Eigentlich sollte das mittlerweile Standard sein", sagt Markus Crüger. Doch setze sich das empfohlene Konzept erst nach und nach bei den Kollegen durch.

Steigende Gewalt

  • Als einen Grund für das Zücken der Waffe nennt Hauptkommissar Markus Crüger, Leiter des Weiterbildungszentrums Süd, die steigende Gewaltbereitschaft gegenüber Polizisten. Die Kriminalitätsstatistik zählte im vergangenen Jahr 1121 Straftaten gegen Brandenburger Polizisten. 2012 waren es 1065.
  • Zugleich gibt es immer wieder Kritik am Vorgehen von Beamten. Im vergangenen Jahr wurden laut Innenministerium 93 Verfahren gegen Polizisten wegen Körperverletzung eingeleitet.

Nötig wird dieses Vorgehen durch die erhöhte Gefährdung der Polizisten im Einsatz. "Die Redewendung ,Die Polizei, dein Freund und Helfer’ fällt heute nicht mehr so häufig", erläutert das Crüger. Vielmehr werde in der Gesellschaft ein Feindbild aufgebaut, das durch Videos in sozialen Netzwerken und Videoportalen im Internet noch befeuert werde. Dabei seien diese oft zusammengeschnitten, sodass ein völlig neuer Kontext, der Eindruck willkürlicher Polizeigewalt entstehe. "Zu sehen ist dann oft nicht mehr, dass jemand vorher Flaschen auf Polizisten geworfen hat", beschreibt er es. Auch eskalierten vermeintlich harmlose Situationen heute deutlich häufiger. Oft, weil Personen unter Drogen- oder Alkoholeinfluss stünden und deshalb gewaltbereiter seien. Zudem nehme der Waffenbesitz stetig zu. In einem Raum des Weiterbildungszentrums liegt auf einem Tisch eine eindrucksvolle Sammlung beschlagnahmter Waffen: Vom Samurai-Schwert über den Schlagring oder Pistole bis hin zur Axt ist einiges zu sehen. "Früher gab es auch manchmal Angriffe mit Messern. Aber in den letzten Jahren hat das schon sehr zugenommen", erzählt der 39-Jährige.

"Vor 30 Jahren hat es genügt, in Uniform auf die Straße zu gehen und man hatte den Respekt der Menschen", meint Crüger. "Das Wort ist die stärkste Waffe des Brandenburger Polizeibeamten", wiederholt er immer wieder. Doch mittlerweile müssten auch öfter Hilfsmittel wie Reizgas oder Pistole zum Einsatz kommen, um sich zu behaupten. "Was wir nicht wollen sind amerikanische Verhältnisse", sagt Polizeihauptkommissar Crüger. "Wir wollen aber vorbereitet sein in gefährlichen Situationen." Eine Wildwest-Pistolen-Manier soll es trotz verstärkter Waffenpräsenz bei der hiesigen Polizei nicht geben. "Die Waffe ist ein Gebrauchsgegenstand, der uns gesund wieder nach Hause bringt", sagt er. Trainiert werde nicht, auf Menschen zu schießen, sondern die Waffe gar nicht erst einsetzen zu müssen. Markus Crüger selbst hat als junger Polizist eine kritische Situation erlebt und sie durch diese Herangehensweise entspannen können. Er wurde mit seinem erfahrenen Kollegen zu einer häuslichen Ausein andersetzung gerufen. Der Ehemann hatte ein Messer. Noch im Fahrstuhl zückten beide Polizisten ihre Waffen. "Weil er uns so gesehen hat, war er sofort kooperativ", ist Crüger überzeugt.

Von Aileen Hohnstein

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