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Protestaktion gegen Wiesenhof

Königs Wusterhausen Protestaktion gegen Wiesenhof

Mit Flyern und einem Protestbanner über der Straße kritisierten Umweltaktivisten die bauliche Erweiterung des Schlachthofs von Wiesenhof in Niederlehme sowie die Erhöhung der Schlachtungen pro Tag. Beides sei ohne vorherige Genehmigung durch die Behörden geschehen. Befürchtet werden Nachteile für die Umwelt.

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Protestaktion gegen Wiesenhof in der Bahnhofstraße in Königs Wusterhausen.

Quelle: Oliver Becker

Königs Wusterhausen. Großeinsatz von Feuerwehr, Polizei und Ordnungsamt in Königs Wusterhausen: Mit einer Protestaktion gegen die zum Wiesenhof-Konzern gehörende Märkischen Geflügelhof-Spezialitäten GmbH in Niederlehme sorgten Umweltaktivisten von Robin Wood am Dienstagvormittag für Aufsehen. Sie verteilten Flugblätter und kletterten auf Bäume, um ein Protestbanner über die Bahnhofstraße zu hängen.

Verstoß gegen Versammlungsverbot

Mit der unangemeldeten Aktion kritisierten sie die bauliche Erweiterung der Kapazitäten sowie die Erhöhung der Schlachtungen pro Tag von bislang 120 000 auf 160 000 Hähnchen pro Tag. Der Verkehr wurde lahm gelegt. Viele Schaulustige blieben stehen. Die Polizei erteilte Platzverweise und leitete Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das Versammlungsverbot ein. Das Angebot von Feuerwehr und Rettungsdiensten zur Hilfe beim Verlassen der Bäume lehnten die Aktivisten ab. Kurz nach 12 Uhr verließen sie die Bäumen wieder.

Erweiterungen ohne Genehmigung?

„Die Anlage wird ausgebaut, um die Schlachtkapazitäten zu erhöhen. Wir brauchen einen Rückbau, eine Schließung“, sagte Peter Schwarz vom Aktionsbündnis Robin Wood, „dass man das jetzt in rechtlich fragwürdigen Formen vollzieht, zeigt, was sich Wiesenhof herausnehmen kann.“ Die „Schlachtfabrik“ sei ohne Genehmigung baulich erweitert und die Kapazitäten – wie vom Unternehmen geplant – längst aufgestockt worden. Kreis und Land schauten zu, prüften zwar, genehmigten anschließend jedoch – wie im Fall des Schwarzbaus im Nachhinein geschehen, kritisiert Robin Wood.

Umweltbelastungen befürchtet

Bereits zuvor hatte der bündnisgrüne Landtagsabgeordnete Benjamin Raschke von einer „heimlichen Erhöhung der Kapazitäten“ gesprochen, wovon er auf Anfrage an Brandenburgs Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD) erfahren habe. Er hatte den „sofortigen Stopp und Rückbau der Baumaßnahmen“ gefordert (die MAZ berichtete). Kritiker lehnen die Anlage aus ökologischen und ethischen Gründen ab. Befürchtet wird eine höhere Umweltbelastung aufgrund von mehr Verkehr, mehr Lärm und die Gefahr einer Trinkwasserverschmutzung.

„Bei der Erörterungsversammlung mit Landkreis, Wiesenhof und Einwendern im Eventcenter Ende März haben wir herausbekommen, dass die Schlachtkapazitäten bereits seit Monaten, wenn nicht schon seit einem Jahr erhöht wurden. Vom Gewicht her hat annähernd eine Verdoppelung stattgefunden“, sagte Gudrun Eichler von der Bürgerinitiative „KW stinkt’s“, die die zweistündige Aktion am Dienstag unterstützte. Aktivist Schwarz sprach gar von einer „gewissen Kumpanei der Behörden, der Regierung mit diesem Konzern, der Anwohner und Tiere schädigt, aber mit solchen Dingen durchkommt“.

Umweltauswirkungen werden geprüft

Wiesenhof teilte der MAZ mit, dass der beanstandete Neubau lange geplant und beantragt worden sowie bereits 2015 in Betrieb gegangen sei. Für die baulichen Änderungen gebe es Baugenehmigungen. Die Schlachtung von mehr Tieren erfolge aus tierschutzrechtlichen Gründen – darüber seien die zuständigen Stellen informiert. Eine Genehmigung sei beantragt. Mehr Ställe würden nicht gebaut, zusätzliche Geruchsemissionen und Wasserentnahmen erfolgten nicht.

„Es ist infolge einer Notlage – dem Brandereignis an einem anderen Standort des Unternehmens – eine Kapazitätserhöhung erfolgt“, sagte ein Sprecher des Agrarministeriums auf MAZ-Anfrage. Umweltauswirkungen würden geprüft, der Vorwurf der Kumpanei wird zurückgewiesen.

Großes Polizeiaufgebot und Reaktionen

„Ich finde die Protestaktion nicht gut, aber jeder hat das Recht, seine Meinung zu äußern“, sagte Lutz Franzke (SPD), Bürgermeister von Königs Wusterhausen. Er verteidigte das Großaufgebot an Einsatzkräften: „Lieber haben wir mehr Leute vor Ort, damit die Aktion geordnet abläuft.“ Passantin Margot Wagner (76) schüttelte nur den Kopf: „Ich halte davon gar nichts, weil ich das Fleisch esse, das dort produziert wird.“ Benjamin Barnack (20) indes sagte: „Irgendjemand muss darauf aufmerksam machen, dass die Erweiterung nicht angezeigt wurde. Eine solche Aktion muss aber vorher angemeldet werden.“ „Die Protestler haben recht. Für das riesen Aufgebot von Polizei und Feuerwehr habe ich kein Verständnis“, sagte Hilde Müller (50).

Von Oliver Becker

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