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Reingefallen: Der Trick mit der Gutgläubigkeit

Polizei warnt vor Enkeltrick Reingefallen: Der Trick mit der Gutgläubigkeit

Nach langer Zeit meldet sich der geliebte Enkel wieder bei seinen Großeltern. Und er braucht ein bisschen Geld. Da sagt man als Verwandter ungern Nein. Doch die Polizei warnt: Es kann sich um einen gefährlichen Trick handeln. Und in der letzten Zeit wird er zum Dauerbrenner.

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Nicht immer ruft der wahre Enkel bei seinen Großeltern an. Oftmals handelt es sich um Betrüger, die auf Hilfsbereitschaft setzen.

Quelle: Steffen Schulze

Königs Wusterhausen. Luise R. wollte geraden ihren nachmittäglichen Kaffee trinken, als das Telefon klingelte. „Hallo Omi“, meldete sich eine freundliche Stimme. Und Luise R., die sich immer freute, wenn einer der Enkel bei ihr anrief, fragte ebenso freundlich zurück: „Na, wer ist denn da?“- „Du weißt doch wer, hier ist, Oma. Ich wollte mich endlich mal wieder bei dir melden“, lautete die Antwort. Luise R. überlegte kurz, von welchem ihrer Enkel sie schon lange nichts mehr gehört hatte und fragte: „Paul?“ Ja, es war Paul, der da am anderen Ende sprach und der sich erst mal erkundigte, wie es seiner Großmutter in letzter Zeit ergangen war.

Dann entschuldigte sich Paul, dass er seine Großmutter so selten besuchen komme, denn der Weg aus Hamburg sei ja kein Katzensprung. Aber er hatte auch gute Neuigkeiten, nämlich, dass er sich nun ein Auto anschaffen wolle, um öfter zu ihr nach Königs Wusterhausen kommen zu können. Er habe ein tolles Angebot von einem Kollegen für ein Auto, nur etwas Geld brauche er noch. Ob sie ihm da aushelfen könne? Er zahle es auch ganz bestimmt zurück. Und es wäre toll, wenn seine Eltern nichts davon erführen. „Das müssen sie ja nicht wissen, Omi“, sagte Paul. Luise R. war hin- und hergerissen. Natürlich wollte sie ihrem Enkel helfen, das Geld hätte sie theoretisch auch. „Aber du weißt ja, mit meinen 90 Jahren bin ich nicht mehr so mobil“, warf sie ein. Aber auch dafür hatte Paul eine Lösung: Er versprach, dass sie in einer Stunde von einem guten Bekanntem von ihm abgeholt werde. Luise R. willigte ein. Paul bedankte sich und versprach, sie schon ganz bald zu besuchen. Eine Stunde später klingelte es an der Tür, Luise R. fuhr mit dem netten Freund ihres Enkels zur Bank, hob 10 000 Euro von ihrem Sparkonto ab, gab sie dem Bekannten, und wurde im Taxi wieder nach Hause gebracht.

Luise R. ist auf den so genannten Enkeltrick reingefallen. Olaf Schulze, Leiter der Prävention bei der Polizeiinspektion Süd, hat immer wieder mit Fällen wie dem von Luise R. zu tun. Erst einige Wochen später, als Familienmitglieder von Luise R. von dem Vorfall hörten, wurde der Betrug zur Anzeige gebracht. „Die Opfer des Enkeltricks sind in der Regel ältere Menschen“, erläutert der 49 Jahre alte Polizeihauptkommissar. Denn bei ihnen könne der Täter davon ausgehen, dass entsprechende Spareinlagen vorhanden sind und dass relativ wenig Kontakt zu Enkeln und Verwandten gehalten wird.

„Rate mal, wer hier spricht“

Der so genannte Enkeltrick ist eine besonders hinterhältige Form des Betrugs, der für Opfer oft existenzielle Folgen haben kann. Sie können dadurch hohe Geldbeträge verlieren oder sogar um Ihre Lebensersparnisse gebracht werden.

Mit den Worten „Rate mal, wer hier spricht“ oder ähnlichen Formulierungen rufen Betrüger bei meist älteren und allein lebende Personen an. Sie geben sich als Verwandte, Enkel oder auch gute Bekannte aus und bitten kurzfristig um Bargeld. Als Grund wird ein finanzieller Engpass oder eine Notlage vorgetäuscht, beispielsweise ein Unfall, ein Auto- oder Computerkauf. Die Lage wird immer äußerst dringlich dargestellt. Oft werden die Betroffenen durch wiederholte Anrufe unter Druck gesetzt.

Sobald das Opfer zahlen will, wird ein Bote angekündigt, der das Geld abholt. Hat der Betroffene die geforderte Summe nicht parat, wird er gebeten, unverzüglich zur Bank zu gehen.

„Der Täter gibt am Telefon gar nichts von sich preis“, sagt Schulze, „er verpackt sein Anliegen vielmehr in Fragen und wartet die Antwort des Opfers ab.“ Die Täter seien in der Regel sprachlich sehr gewandt und reagierten schnell auf die Äußerung des Opfers. Woher sie die Telefonnummern ihrer Opfer haben, sei der Polizei nicht bekannt, man gehe jedoch davon aus, dass sie diese im Internet gezielt suchen. Sie setzen auf die Hilfsbereitschaft innerhalb der Familie.

Die Polizei versucht, über Aufklärung vor dem gefährlichen Betrug zu warnen. Schulze ist oft im Landkreis Dahme-Spreewald unterwegs, um in Seniorenclubs oder bei Vereinsveranstaltungen vor dem Trick zu warnen. Doch nicht immer klappt das. In Berlin gab es einen Fall, bei dem ein Senior dem Anrufer klipp und klar sagte: „Das ist der Enkeltrick, rufen Sie bei mir nicht wieder an“ und auflegte. Eine halbe Stunde später klingelte das Telefon erneut, diesmal war angeblich die Polizei am anderen Ende – sie überwachten das Telefon, um den Betrügern auf die Spur zu kommen. Der Berliner wurde gebeten, beim nächsten Mal zum Schein drauf einzugehen. Das Geld erhalte er in jedem Fall zurück. Er müsse der Polizei auch nicht sagen, wann die Übergabe stattfindet, denn sie überwachen ja ohnehin sein Telefon. Tatsächlich rief wieder ein vermeintlicher Enkel an, diesmal ging der Senior auf den Deal ein. „Aber natürlich war es nicht die Polizei, die ihn angerufen hatte“, sagt Schulze.

Der Präventionspolizist rät Betroffenen, das Telefonat schnell zu beenden und dann die Polizei zu verständigen. Sollte sich die angerufene Person nicht sicher sein, ob es sich nicht doch um den Enkel handelt, einfach sagen, dass es gerade an der Tür geklingelt hat und man gleich zurückrufen will. „Der richtige Enkel hat damit kein Problem. Ein Betrüger wird versuchen, das Gespräch am Laufen zu halten oder darauf bestehen, dass er zurückruft.“

Die wenigsten Fälle würden der Polizei gemeldet, Schulze vermutet, dass die Dunkelziffer der erfolgreichen Enkeltricks weitaus höher liegt, als sie der Polizei bekannt ist. Es sei fast unmöglich, den Täter im Nachhinein zu fassen. „Wir haben ganz schlechte Karten“, sagt der Präventionspolizist, „die Täter rufen von einer falschen Nummer an.“ Schwierig gestalte sich auch die Zusammenarbeit mit den Banken, die stutzig werden könnten, wenn ein Kunde plötzlich eine größere Summe Geld abheben will. „Die Banken dürfen nicht fragen: Wofür brauchen Sie so viel Geld?“, sagt Schulze. Manche Banken haben es schon so geregelt, dass man größere Geldbeträge anmelden muss.

Schulze kennt viele Tricks, die übers Telefon laufen, auch wenn der Enkeltrick der bei weitem bekannteste ist. Es gebe Leute, die riefen an, um sich dafür zu bedanken, dass angeblich an einer Umfrage teilgenommen wurde. Dann wollen sie die Adresse des Getäuschten wissen, um ein Präsent als Dankeschön vorbeizubringen. „In Wahrheit wollen sie dem Opfer etwas verkaufen, etwa einen Staubsauger.“

In letzter Zeit trete in der Region ein weiterer Betrügertrick vermehrt auf. Dabei wird dem potenziellen Opfer am Telefon und in E-Mails suggeriert, dass es entweder eine größere Summe Geld im Ausland gewonnen oder geerbt habe. Wird dann vom Angerufenen nachgefragt, heißt es, dass es sich um eine internationale Lotterie handle, bei der man nichts einzahlen muss. Oder dass jemand so viel Geld zu vererben hatte, dass er bestimmt hatte, dass wahllos zehn Leute aus dem Telefonbuch bestimmt werden sollen, die 1,8 Millionen Euro erben. Nur müsse der Betroffene vorab eine Summe für den Notar zahlen, damit das Geld überwiesen werden kann. „Es werden Millionenbeträge versprochen, während man 3000 Euro Bearbeitungsgebühr zahlen muss“, sagt Schulze. „Durch die Telefongespräche und die E-Mails wird der Jagdinstinkt der Leute geweckt. Sie hören dann auf, logisch zu denken.“

Und wer einmal gezahlt hat, bei dem werde immer wieder angerufen. Dann heißt es, die Bank habe eine Sperre für das Geld, wenn man noch mal überweist, ginge es schneller, und das Geld erhalte man in jedem Fall zurück. Das Problem bei diesem Trick sei, dass es den Leuten schwerfällt, sich einzugestehen, dass sie über den Tisch gezogen werden. „Es stellt sich eine gewisse Scham ein, man glaubt verzweifelt daran, dass das versprochene Geld doch noch ausgezahlt wird“, weiß Schulze. Er könne sich an einen älteren Herren aus der Region erinnern, der insgesamt 50 000 Euro an die Betrüger verlor. Erst, als er anfing, sich auch bei Verwandten Geld zu leihen, um weiterhin zahlen zu können, wurden seine Verwandten stutzig.

Auch wenn die Tricks längst nicht bei jedem funktionieren – Schulze warnt davor, am Telefon zu vertrauensselig zu sein. „Viele gehen davon aus, wenn der andere es so sagt, dann muss es so ein“, weiß Schulze.

Dieser Tage warnt er vor einem weiteren gefährlichen Anruf: Der, bei dem wieder aufgelegt wird. Im Zweifelsfall versuchen Täter so herauszufinden, ob jemand zu Hause ist. Denn mit der dunklen Jahreszeit beginnt wieder die Einbruchszeit. Auffällig sei es, wenn angerufen und nach Abnehmen sofort wieder aufgelegt wird.

Von Anne-Kathrin Fischer

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