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Dahme-Spreewald Reiten als Therapie für Körper und Seele
Lokales Dahme-Spreewald Reiten als Therapie für Körper und Seele
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00:18 22.05.2017
Irina Priemer reitet bei den Ausritten immer vorneweg. Felicitas und Manuela folgen auf Tilla und Atlantis. Quelle: Andrea Müller
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Motzen

Die Fontaneklinik in Motzen bietet in Kooperation mit dem Töpchiner Reiterhof Memoiry für ihre jugendlichen Patienten therapeutisches Reiten an. Viele der Teenager, die hier behandelt werden, leiden an Essstörungen, Depressionen, haben ein Trauma erlitten oder sind gemobbt worden. Was allen gemeinsam ist: Ihnen fehlt das Vertrauen zu anderen Menschen und zu sich selbst.

Manuela reitet auch zu Hause regelmäßig. Ihr ist die Pflege des Pferdes vertraut. Gewissenhaft striegelt sie Atlantis das Fell. Das Tier genießt die Nähe – genauso wie auch Manuela. Quelle: Andrea Müller

Hannes Bielas leitet in der Fontane-Klinik die Abteilung für Kinder- und Jugendpsychosomatik. Er ist überzeugt davon, dass der Kontakt mit Pferden diesen jungen Menschen hilft, wieder zu sich selbst zu finden, Beziehungen einzugehen und Vertrauen aufzubauen. Die Fontane-Klinik nimmt Menschen zwischen 13 und 18 Jahren in der Kinder- und Jugendpsychosomatik auf.

Seit fünf Jahren erfolgreich

Die Reittherapie ist eine Behandlungsmöglichkeit, die in der Klinik seit fünf Jahren erfolgreich angewendet wird. Bielas verweist in diesem Zusammenhang auf eine internationale Studie aus dem Jahr 2012, die genau das untersucht habe und zu einem klar positiven Ergebnis gekommen sei. Denn Pferde seien zwar einerseits leicht irritierbar, andererseits aber sehr sensibel, vermittelten Nähe und Offenheit.

Ein kleiner Zwischenstopp mitten im Wald. Zeit für ein Foto und die Möglichkeit für Reiter und Pferd, mal durchzuschnaufen. Quelle: Andrea Müller

Für Felicitas (14) aus dem Erzgebirge und Manuela (15) aus München sind die zwei Stunden Reittherapie am Freitagnachmittag kostbare Zeit. Beide sind in der Fontane-Klinik keine Neulinge mehr, haben die ersten Wochen der Behandlung bereits hinter sich und waren auch schon zweimal reiten auf dem Reiterhof Memoiry in Töpchin.

Vertraute Atmosphäre

Irina und Jan Priemer erwarten die Mädchen bereits. Manuela reitet auch zu Hause und ist im Pferdestall quasi zu Hause. Felicitas ist zurückhaltender, vorsichtig. Doch Berührungsängste hat sie wohl kaum. Das macht sicher die Atmosphäre, die geprägt ist von offener Freundlichkeit. Schnell macht sich ein Gefühl breit, als würde man schon ewig und drei Tage hierher zum Reiten kommen und alle kennen. Auch die Pferde. Atlantis und Tilla stehen für die Mädels auf der Koppel bereit, lassen sich willig das Halfter anlegen und zum Stall führen. Manuela nimmt sacht Kontakt zu Tilla auf, während Felicitas gezielt mit der Bürste beginnt zu striegeln. Sie braucht auch keine Hilfe beim Satteln. Wenige Minuten später stehen alle geschniegelt und gebügelt zum Ausritt bereit. „Wie halte ich eigentlich mein Pferd an“, will Felicitas noch wissen, bevor es losgeht. Sicher ist sicher. Sie bekommt ihre Antwort, dann geht es los.

Manuela versorgt Tilla gern nach dem Ausritt. Die Belohnung hat sich der Vierbeiner einfach verdient. Das Füttern schafft zudem zusätzliche Nähe. Quelle: Andrea Müller

Irina Priemer geht mit ihrem Pferd im Schritt vorneweg. Die Mädels folgen hoch zu Ross. Kurz danach taucht das Trio in den nahen Wald ein. Es geht über Stock und Stein. Die Tiere sind sicher im Tritt. Selbst quer liegende Stämme tun ihnen nichts an. „Selbst wenn mal eins stolpert, macht das nichts“, beruhigt Irina Priemer zusätzlich. Schließlich hätten sie ja vier Beine. Da falle man nicht so schnell wie mit zwei Beinen.

Kostbare Zeit

Sie erklärt auch, wie man am besten im Sattel sitzt, wenn es mal berghoch oder bergab geht. Felicitas hat schnell ihre Angst verloren und spricht angeregt mit der Chefin vorn. Manuela dagegen ist ruhig geworden. Ohnehin ist sie die Stillere von beiden. Der Wald, die großen Kiefern, die Schluchten, das leuchtende Grün, der Duft von Natur und Pferd wird sie an zu Hause erinnern, an das eigene Pferd, an die Freundinnen aus dem Stall, an ihren Mut, wenn sie mit ihrem Pferd über Hindernisse springt. Dennoch zieht es die junge Frau nicht in die Heimat. Sie verlängert auf sieben Wochen. Kostbare Zeit.

Von Andrea Müller

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