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Reiterhöfe würden Marken begrüßen

Dahmeland-Fläming Reiterhöfe würden Marken begrüßen

Ross und Reiter sind kaum zu ermitteln, wenn Wege und Felder zertrampelt sind oder die Straße voll mit Pferdeäpfeln. Darum gibt die Gemeinde Nuthetal in Potsdam-Mittelmark nun Pferdemarken aus. Die Idee kommt auch bei den meisten Pferdehöfen in der Region Dahmeland-Fläming gut an.

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In Nuthetahl gibt es schon Kennmarken, hier Bürgermeisterin Ute Hustig (Linke), Peter Fröhlich, Geschäftsführer Landesverband Pferdesport Berlin-Brandenburg und Gideon Wolf (r.), Betreiber des Schäferhofes in Bergholz-Rehbrücke.

Quelle: Jens Steglich

Dahmeland-Fläming. Kaputte Waldwege, zertrampelte Feldfrüchte, Pferdeäpfel auf der Dorfstraße: In ländlichen Gemeinden sorgen rücksichtslose Reiter immer wieder für Unmut bei den Nachbarn von Reiterhöfen. In der Gemeinde Nuthetal im Landkreis Potsdam-Mittelmark setzt man daher seit Kurzem auf eine freiwillige Kennzeichnung von Pferden. Bei den meisten Reiter- und Pferdehöfen in der Region Dahmeland-Fläming kommt der Vorstoß gut an.

„Es gibt immer einige Reiter, die sich unmöglich benehmen und unseren Ruf kaputt machen“, sagt zum Beispiel Ramona Pede vom Reiterhof und Pension Pede in Liepe im Amt Dahme. „Und die sollten dann auch zur Ordnung gerufen werden.“ Insgesamt 90 Pferde stehen auf Pedes Hof, der ein Landesleistungsstützpunkt für den Reitsport ist. „Wir bringen den Kindern auch bei, dass sie nicht überall reiten dürfen“, so Ramona Pede. „Aber in Deutschland darf sich jeder ein Pferd kaufen und losreiten. Und viele private Pferdebesitzer kümmern sich halt nicht um das Drumherum.“

Kostenfrage muss geklärt sein

Dieses Problem hat man auch an der Reitschule Majelo in Trebbin erkannt: „Bei uns in der Umgebung gibt es viele private Reithöfe und es kommt immer wieder vor, dass jemand übers Feld galoppiert und wir am Ende die Schuld dafür bekommen“, erzählt die Mitbetreiberin Christiane Siebert. 42 Pferde hat der Schulbetrieb, zum Teil eigene Tiere, zum Teil von privaten Einstellern.

Hintergrund

Brandenburg hat eines der liberalsten Reitgesetze Deutschlands. Grundsätzlich darf in Brandenburg überall nach den Regeln der Straßenverkehrsordnung geritten werden.

Nicht gestattet ist das Reiten auf Fuß- und Radwegen, privaten wald- und landwirtschaftlichen Wegen sowie auf Sport- und Lehrpfaden.

Im Wald ist das Reiten nur auf zweispurigen Waldwegen gestattet. Reiter müssen am rechten Rand reiten.

Eine Kennzeichnungspflicht für Pferde gibt es im Gegensatz zu vielen anderen Bundesländern in Brandenburg nicht.

Eine Kennzeichnungspflicht findet Christiane Siebert grundsätzlich in Ordnung: „Die Frage ist nur, was das kosten soll und was mit den Pferden ist, die gar nicht ins Gelände gehen. Am sinnvollsten wäre es wohl, wenn sich jeder auf eigene Kosten so eine Marke besorgt und vor dem Austritt ins Gelände am Pferd befestigt.“

Lob vom Landesverband Pferdesport

So in etwa hat es die Gemeinde Nuthetal in Potsdam-Mittelmark nun geregelt. Pferdehöfe, die sich an der Kennzeichnung beteiligen, bekommen kleine runde Marken in unterschiedlichen Farben. Jedes Pferd bekommt seine eigene Nummer. Vom Landesverband Pferdesport gibt es großes Lob für den Vorstoß: „Es ist die einzig gute Lösung, um nach dem Verursacherprinzip vorgehen zu können“, sagt Geschäftsführer Peter Fröhlich. Nach seiner Kenntnis ist Nuthetal bislang die einzige Kommune in der Region, die auf Pferde-Kennzeichen setzt.

Grundsätzlich würde auch Ragna Michael vom Reiterhof Michael in Schenkendorf eine Kennzeichnungspflicht begrüßen. Sie sieht aber auch einige Schwierigkeiten: „Kurz nach der Wende hatten wir hier schon mal gelbe Plaketten. Es war aber irgendwann nicht mehr nachzuvollziehen, welche Plakette zu welchem Besitzer gehörte“, berichtet sie.

Kennzeichen für den Reiter, nicht für das Pferd

So hätten manche Pferde einer Weile mehrere Plaketten gehabt, weil die Besitzer es verkauft der auf einem anderen Hof einquartiert hatten. „Ich fände es daher schlauer, wenn jedem Pferdebesitzer ein Kennzeichen zugeordnet wird und nicht dem Pferd“, sagt Ragna Michael. „Das Pferd ist ja ohnehin nicht zu belangen.“

Auch auf dem Hof von Ragna Michael kommen und gehen die Pferde, zurzeit sind es 24. Michael und ihre Mitarbeiter pflegen und betreuen die Tiere für die privaten Halter, auf Wunsch gibt sie auch Reitstunden. „Ich bin sehr hinterher, dass es um den Hof herum ordentlich aussieht“, sagt Ragna Michael. „Ich weise die Reiter immer auf die Wege hin, die sie benutzen sollen und räume auch Äpfel weg, die nicht von uns kommen.“ Durch Schenkendorf und Krummensee reite man ohnehin nicht. „Das Problem ist, wenn die Straße zu verdreckt ist, schreibt das Ordnungsamt gleich alle Reiterhöfe an“, sagt Ragna Michel. „Insofern wäre es schon gut, feststellen zu können, wer sich wo daneben benommen hat.“

Gegenwind aus Boddinsfelde

Katrin Labrenz vom Reitgut Boddinsfelde kann dem Kennzeichen für Pferde nicht viel abgewinnen. „Das gab es ja schon mal und es hat sich nicht durchgesetzt. Dann kann es auch nicht so sinnvoll sein.“ Ihr Pferdehof liegt am Ende eine Stichstraße in dem Mittenwalder Ortsteil, die Pferde müssen also gar nicht durchs Dorf reiten. Für Nachbarn gibt es deshalb keinen Grund zur Klage. Dass sich andernorts Anwohner beschweren, kann Katrin Labrenz zwar nachvollziehen, findet es aber auch schade: „Früher haben sich die Leute noch gefreut über die Pferdeäpfel und sie als Dünger im Garten verteilt.“

Von Martin Küper

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