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Richtfest fürs Amtsgericht im Oktober

Königs Wusterhausen Richtfest fürs Amtsgericht im Oktober

Seit fast 20 Jahren im Gespräch nimmt die Sanierung beziehungsweise der Ausbau des Amtsgerichts in Königs Wusterhausen endlich Gestalt an. Im Oktober soll die Richtkrone aufgezogen werden. Zuvor aber steckt der Teufel im Detail, wie Architekt Walter Vielain bei einer Vor-Ort-Begehung verrät.

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Ein Blick in den Innenhof des Gerichtsensembles in Königs Wusterhausen, indem der große Erweiterungsbau entsteht.

Quelle: Walter Vielain

Königs Wusterhausen. „Selbst nach 25 Jahren Berufserfahrung bin ich immer wieder fasziniert, wenn die am Computer konzipierten Projekte Gestalt annehmen“, sagt Architekt Walter Vielain und verweist stolz auf den Fortgang der Arbeiten beim Aus- und Umbau des Amtsgerichts Königs Wusterhausen. Vom großen Erweiterungsbau, den die Bauleute von der Arbeitsagentur aus hinein in den Innenhof des Gerichts errichten, zeichnen sich zwei der drei Etagen bereits deutlich ab. Der Eingang des künftigen Schöffensaals ist freigegeben. Seitlich ist schon das Fundament des neuen Foyers, das rechtwinklig zum bisherigen Eingang entsteht, erkennbar. Seine Grundfläche einschließlich Sicherheitsschleusen erreicht mit 130 Quadratmetern die stolzen Maße eines Einfamilienhauses.

„Im Oktober wird die Richtkrone aufgezogen“, verkündet der Direktor des Amtsgerichts, Matthias Deller optimistisch. Wohlwissend, dass nicht nur „seine“ 84 Mitarbeiter, sondern auch die Königs Wusterhausener seit fast 20 Jahren darauf warten, dass der marode Schandfleck des 1914 eröffneten Gerichtsgebäudes mit den vernagelten Fenstern unweit vom Schloss endlich für das 21. Jahrhundert ertüchtigt wird. Die Eröffnung des gesamten Gerichtsensembles mit Neu- und Altbau ist für den Sommer 2018 vorgesehen. Vielain zufolge liegt das derzeit größte Innenstadtprojekt bisher sowohl zeitlich als auch finanziell mit 20,3 Millionen Euro im Plan.

Altes Gerichtsensembe wird saniert

Die Sanierung des alten Gerichtsensembles beginnt im September. Es wird nach Auflagen des Denkmalschutzes weitgehend in den Originalzustand von vor dem Ersten Weltkrieg zurückgeführt. Damit verschwinden die nachträglich eingebauten Dachgauben am Gericht ebenso wie die bereits abgebrochenen in den 30er und 50er Jahren vorgenommenen Anbauten. Auch der Turm des Amtsgerichts wird um ein Geschoss zurückgebaut. Die historische Bausubstanz aber bleibt erhalten. In den alten Fluren legen die Handwerker den wertvollen, mit hässlichen Ölfarben überstrichenen Steinputz, wieder frei. Aufgearbeitet werden auch die historischen Türen und der alte Schöffensaal mit der braunen Täfelung, in dem künftig aber keine Strafverfahren, sondern Zwangsversteigerungen stattfinden werden. Um die historische Fassade nicht zu beschädigen, dämmen die Bauleute das Gebäude von innen. Dabei wurden Struktur, Substanz und Farbigkeit der alten Fassade eingehend untersucht, sodass sie im Sichtmauerwerksgebäude des Anbaus in den Steinen Aufnahme finden. Das demonstriert Vielain an einer aufwendigen Musterwand, die unter anderem schräg gesetzte Steine und horizontale Linien, eine sogenannte Bänderung, aufweist, sodass starke Licht- und Schattenwirkungen entstehen.

Walter Vielain zeigt die Bänderung an der Musterwand

Walter Vielain zeigt die Bänderung an der Musterwand.

Quelle: Franziska Mohr

„Die größte Herausforderung dieses Projektes war die Aufnahme des großen Volumens und das architektonisch schwierige Verhältnis zwischen Alt- und Neubau“, sagt Vielain. Schließlich ist der Erweiterungsbau fast dreimal so groß wie der Altbau, sodass auf dem nur 4389 Quadratmeter großen Baugrundstück die benötigte Nutzfläche von insgesamt 3300 Quadratmetern entsteht. Das ist weit mehr als das Doppelte des alten Gerichtskomplexes.

Alt- und Neubau werden geschickt verbunden

Das zehnköpfige Team des Berliner Büros „Abelmann, Vielain, Pock“ stellt auch seine städtebauliche Kompetenz unter Beweis. Gekonnt tritt der große Neubau hinter das denkmalgeschützte Gebäude zurück und dominiert es keinesfalls. Von der Max-Werner-Straße sowie vom Schlosspark ist der Erweiterungsbau für Passanten kaum sichtbar. Hier lugt lediglich der künftige Eingang des Gerichts mit der Öffnung in Richtung Schlossplatz hervor, sodass er den Alt- und den Neubau geschickt verbindet.

Nach dem Passieren der Sicherheitsschleusen können Besucher und Mitarbeiter nach rechts in das alte Gerichtsgebäude sowie geradeaus den eingeschossigen Baukörper mit den drei neuen Sälen für strafrechtliche Verfahren aufsuchen, deren Größen zwischen 55 und 115 Quadratmetern variieren. Letztere schließen unmittelbar an die alte Haftanstalt mit den Vorführzellen an, sodass Inhaftierte ohne jeden Kontakt mit der Öffentlichkeit in die Verhandlungssäle gebracht werden können. Im alten Gerichtsgebäude mussten Gefangene direkt durch die Besucherreihen geführt werden.

Etagen sind rundum begehbar

Die Gerichtssäle für Straffälle sind im Inneren 4,50 Meter hoch und werden teilweise mit Oberlichtern versehen. Wer vom Haupteingang den Weg nach links wählt, gelangt direkt in die vier, jeweils 50 Quadratmeter großen Sitzungssäle für das Zivil- und Familienrecht. Im Keller des Neubaus entstehen mehr als 200 Quadratmeter große Archivräume, in denen unter anderem Grundbuchakten gelagert werden. Architektonisch reizvoll konzipierten die Architekten hier einen Lichthof, sodass selbst im Kellerarchiv nur teilweise mit Kunstlicht gearbeitet werden muss.

Im ersten und zweiten Obergeschoss nehmen die Planer die Idee der preußischen Bauverwaltung von 1912 auf. Sie ordnen L-förmig unter anderem Büros für Richter, Rechtspfleger und ihre Geschäftsstellen an. Für Mitarbeiter und Besucher komfortabel ist das gesamte Gerichtsensemble auf allen Etagen rundum begehbar.

Landesregierung und Architekturbüro haben aber nicht nur die Bau-, sondern auch die Unterhaltungskosten im Blick, sodass sie den Planern den Standard eines Passivhauses einschließlich der Energiegewinnung aus Abwärme abverlangen. Damit verfügt die Stadt Königs Wusterhausen künftig über ein weitgehend klimatisiertes Gerichtsgebäude.

Von Franziska Mohr

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