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Rieselfelder sollen Brutgebiet bleiben

Naturschutz bei Mittenwalde Rieselfelder sollen Brutgebiet bleiben

Bei der Sitzung der Stadtverordneten in Mittenwalde schlug Bernd Ludwig vom Nabu Brandenburg Alarm: Der Wachtelkönig ist gefährdet. Denn der brütet vor allem auf den Rieselfeldern von Ragow und Deutsch Wusterhausen. Doch die Stadtgüter Berlin wollen hier Photovoltaik-Anlagen errichten. Der Nabu wandte sich jetzt an die EU. Die Stadtverordnete wollen auch helfen.

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Bernd Ludwig referierte vor den Stadtverordneten.

Quelle: Andrea Müller

Mittenwalde. Der Wachtelkönig gehört zu den am meisten gefährdeten Brutvögeln in Deutschland und steht deswegen auf der Roten Liste. Noch kommt er auf den Rieselfeldern von Ragow/Deutsch Wusterhausen vor. Doch auch hier ist sein Bestand nicht gesichert. Die Stadtverordneten von Mittenwalde wollen helfen, dass der Wachtelkönig in der Region überleben kann. Sie wollen sich deswegen – neben dem Naturschutzbund (Nabu) Brandenburg – an die Europäische Union wenden.

Nabu hat sich direkt an die Europäische Union gewandt

Bei der jüngsten Sitzung der Stadtverordneten hielt Bernd Ludwig, der sich seit Jahrzehnten für den Naturschutz einsetzt, einen ausführlichen Vortrag über den Wachtelkönig, die Entwicklung der Population und vor allem seine Bedrohung. Der Nabu, so Ludwig, möchte durchsetzen, dass die Rieselfelder als Landschaftsschutzgebiet (LSG) ausgewiesen werden. „Das ist vom Ministerium für Umwelt und Naturschutz abgelehnt worden“, so Ludwig. Deswegen habe man sich nun in dieser Sache direkt an die Europäische Union gewandt. „Denn nach dem Odertal ist hier das wichtigste Brutrevier des Wachtelkönigs“, referierte der Experte.

Der Wachtelkönig kommt auf den Rieselfeldern vor

Der Wachtelkönig kommt auf den Rieselfeldern vor.

Quelle: Dieter Wend

Der Wachtelkönig sei im Jahre 2014 erstmals beringt worden. Volker Hastädt und Karsten Matschei vom Nabu hätten diese schwierige Aufgabe übernommen. Denn der Wachtelkönig sei nachtaktiv und könne nur wegen seines Rufs geortet werden. Während es in ganz Deutschland etwa zwischen 250 bis 400 Rufer – das sind die männlichen Tiere – gebe, seien im Jahr 2015 hier 15 Rufer gezählt worden.

Der Wachtelkönig ist ein Bodenbrüter. Er braucht offenes Gelände mit deckungsreicher Vegetation. In den Wintermonaten fliegt der Vogel nach Afrika; kehrt aber zur Brutzeit dorthin zurück, wo er selbst aus dem Ei geschlüpft ist.

Rieselfelder bei Mittenwalde gehören den Berliner Stadtgütern

Die Rieselfelder, so führte Ludwig aus, gehörten zu den Berliner Stadtgütern. Einst seien hier die Abwässer von Berlin verrieselt worden. Das passiere aber seit 1990 nicht mehr, so dass sich eine breite Artenvielfalt entwickeln konnte. Neben dem Wachtelkönig gehören auch andere bedrohte Vogelarten dazu. Unter anderem sind das Braunkehlchen, Wendehals, Sperbergrasmücke, Baumpieper, Neuntöter, Feldschwirl und Wachtel. Bis 1999 gehörten die Rieselfelder zum Landschaftsschutzgebiet Notteniederung. Dann aber sei von den Eigentümern der Stadtgüter ein Verfahrensfehler im Amt Schenkenländchen bemerkt worden. Daraufhin stellten sie den Antrag, die Rieselfelder aus dem LSG heraus zu nehmen. Man drohte sogar mit einer Klage, was zur Folge hätte haben können, dass das gesamte LSG aufgehoben hätte werden müssen. So habe man es vorgezogen, die Rieselfelder auszugliedern. „Seitdem gab es mehrere Anläufe, die Fläche zu vergolden“, führte Ludwig aus. So wollte man Windkraftanlagen aufstellen, später Kurzumtriebsanlagen – das sind Flächen mit schnell wachsenden Bäumen – errichten. Schließlich kam man jetzt auf die Idee, Photovoltaik-Anlagen aufzubauen. Zwei Bauabschnitte soll es in Deutsch Wusterhausen geben, fünf in Ragow. „Unter den Zellen kann kein Tier mehr leben“, erklärte Ludwig.

Frank Kausch, Stadtverordneter für die SPD, meinte, dass es die Berliner Stadtgüter „einen Dreck interessiere“, was dann mit der Natur passiert. Dirk Knuth (CDU): „Wir hatten keine Kenntnis, dass da Photovoltaik-Anlagen errichtet werden sollen.“ Er schlug vor, den Nabu in seiner Beschwerde bei der EU zu unterstützen. „Wir können auch selbst einen Antrag stellen, das Gebiet unter Schutz zu stellen“, so Knuth weiter. Maja Buße (CDU) bat die Verwaltung um Auskunft zum aktuellen Stand. „Es gibt keine konkreten Bauanträge seitens der Berliner Stadtgüter“, sagte Marek Kleemann aus dem Mittenwalder Bauamt. Zudem dürfe ohne B-Plan nichts errichtet werden. Allerdings habe er die Auskunft vom beauftragten Planungsbüro erhalten, dass zwei Standorte für die Photovoltaik-Anlagen vorgestellt werden sollen.

Von Andrea Müller

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