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SPD-Kandidat braucht Schützenhilfe

Königs Wusterhausen SPD-Kandidat braucht Schützenhilfe

Zur Stichwahl in Königs Wusterhausen geht SPD-Mann Georg Hanke als Außenseiter ins Rennen. So groß war der Abstand im ersten Wahlgang zum siegreichen parteilosen Kandidaten Swen Ennullat. Für die erfolgsverwöhnten Soziademokraten ist das eine ungewohnte Rolle. In anderen Parteien bitten sie nun um Unterstützung.

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SPD-Bürgermeisterkandidat Georg Hanke muss bei der Stichwahl einen Rückstand von mehreren Tausend Stimmen wettmachen.

Quelle: Die Farblichter

Königs Wusterhausen. Als am Wahlsonntag die ersten Zahlen eintrudelten, verfinsterten sich die Gesichter der Genossen im SPD-Zelt auf der Festwiese zusehends. Für die Sozialdemokraten lief es überhaupt nicht gut. Im Bund nicht, und erst recht nicht in Königs Wusterhausen. Bürgermeisterkandidat Georg Hanke lag von Beginn an aussichtslos hinter seinem größten Kontrahenten. Fassungslos schüttelte Hanke immer wieder den Kopf.

Schlechtester Wert eines SPD-Bürgermeisterkandidaten

43 zu 23 Prozent lautete schließlich das Ergebnis zugunsten von Swen Ennullat. Eigentlich hatten die SPD-Genossen, wie viele Beobachter, es andersherum erwartet. Die einzige Frage vor der Wahl war, wer von den fünf anderen Bewerbern als Zweiter nach Hanke in die Stichwahl gehen würde. Gemessen an seinem desaströsen Ergebnis, dem schlechtesten der SPD bei einer Königs Wusterhausener Bürgermeisterwahl seit der Wende, hat er am 8. Oktober bestenfalls Außenseiter-Chancen.

Dieses Foto wurde in sozialen Medien veröffentlicht und sorgt für Diskussionen

Dieses Foto wurde in sozialen Medien veröffentlicht und sorgt für Diskussionen. Der Kreischef der Linken distanzierte sich. CDU-Stadtverordneter Christian spricht von einem Alleingang seines Fraktionschefs.

Quelle: Privat

Im Entsetzen der SPD mag schon ein Grund für ihre krachende Niederlage liegen. Wer seit 1990 fast ununterbrochen den Regierungschef stellt, hält sich offenbar für unfehlbar. In einer ersten Reaktion brachte Hanke das selbst zum Ausdruck, als er davon sprach, wie unverdient das Ergebnis für die bisherige Arbeit der politisch Verantwortlichen der Stadt sei. Er meinte damit auch sich selbst, denn seit 2009 ist er Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung. Der anerkennenswerte ehrenamtliche Einsatz der Freizeitpolitiker ist unbestritten. Aber das miserable Ergebnis der Kandidaten von SPD, CDU, Linke und FDP am Sonntag dürfte Ausdruck einer großen Unzufriedenheit der Wähler mit deren Kommunalpolitik sein. Von einem parteilosen Bürgermeister erhoffen sich viele Königs Wusterhausener offenbar neuen Schwung und frische Ideen.

Dilemma im Wahlkampf

Hanke steckt im Wahlkampf in einem Dilemma. Seine Forderungen nach ausreichenden Kitaplätzen, bezahlbarem Wohnraum oder besseren ÖPNV-Angeboten stellen ihn selbst in Frage. Denn als KWer SPD-Chef und als Vorsitzender der SVV hätte er hierzu in den vergangenen Jahren längst Ergebnisse liefern können. Wie bei seiner unkritischen Bewertung des Wahlergebnisses sieht er jedoch kaum eigene Versäumnisse. Die Kitaplatz-Krise in der Stadt begründete er beispielsweise mit falschen Einwohnerprognosen des Landes. In der Debatte um mehr Bürgerbeteiligung sprach er einer Initiative von Kita-Eltern in der Stadt die Legitimation ab.

Erfolge der Stadtpolitik gingen oft unter

Dass der Kommunalpolitiker Hanke einen großen Anteil an der guten wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt und vieler anderer Fortschritte hat, ging oft unter. Eine rheinische Frohnatur ist der gebürtige Bonner auf den ersten Blick nicht. Doch der 49-jährige Vater von drei Töchtern kann ein sehr lustiger, unterhaltsamer Gesprächspartner sein. Sobald Hanke jedoch in die öffentliche Rolle des Stadtpolitikers schlüpft, wirkt er oft unnahbar. Seine ausgleichende Art wird in der Stadtpolitik hingegen allseits geschätzt. Hanke ist kein Mann des Krawalls, sondern sucht möglichst den Konsens. Beim innerparteilichen Tauziehen um die Bürgermeisterkandidatur hat er zugleich seine Durchsetzungsfähigkeit bewiesen.

Stimmauszählung am vorigen Sonntag in der Kästner-Grundschule

Stimmauszählung am vorigen Sonntag in der Kästner-Grundschule. Mit 30,5 Prozent schaffte SPD-Kandidat Georg Hanke hier sein bestes Ergebnis.

Quelle: Frank Pawlowski

Inhaltliche Unterschiede waren in den Programmen der KWer Bürgermeisterkandidaten kaum zu erkennen. Im Wahlkampf kam es daher viel auf den Eindruck an, den sie in der Öffentlichkeit hinterließen. Hanke mobilisierte den gut funktionierenden SPD-Apparat, betrieb großen Aufwand mit seinem Wahlzelt auf der Festwiese und der Bühnentour durch alle Ortsteile, holte SPD-Promis wie Dietmar Woidke und Matthias Platzeck in die Stadt. Doch ging er wenig auf die Leute zu. Sein Veranstaltungsformat war darauf ausgerichtet, dass die Leute zu ihm kamen.

Hanke sieht sich durch die Erblindung nicht beeinträchtigt

Das mag auch an seiner Erblindung gelegen haben. Er selbst hat die Frage, die viele Königs Wusterhausener Wähler womöglich umtreibt, kaum thematisiert. Kann ein Blinder Bürgermeister dieser Stadt sein? Für ihn stellt sie sich gar nicht. Weder beruflich, privat und politisch stand ihm die Erblindung bisher im Wege. Im MAZ-Forum erklärte er, dass er ohnehin auf Teamarbeit setzt und wie jeder andere in dem Amt Unterstützung brauchen werde. „Ich will allen zeigen, dass ein Blinder das kann“, rief er fast trotzig und bekam viel Beifall dafür.

Schützenhilfe von Fraktionschefs in der SVV

Chancenlos sieht er sich beim Rennen um das Bürgermeisteramt trotz der schlechten Ausgangslage nicht. Aber ohne Schützenhilfe wird es nicht gehen. Die hat Hanke sich inzwischen bei anderen Parteien gesichert. So haben die Fraktionschefs der Linken und der CDU im Stadtrat sowie der ausgeschiedene CDU-Bürgermeisterkandidat, Vizebürgermeister Jörn Perlick, zu seiner Wahl aufgerufen, ebenso wie Ex-Bürgermeister Stefan Ludwig (Linke) und Amtsinhaber Lutz Franzke (SPD).

Front der Unterstützer ist nicht geschlossen

Allerdings steht nicht die gesamte CDU-Fraktion hinter ihm. Und der Kreisverband der Linken hält sich weiter mit einer Wahlempfehlung zurück. Die Stadt-FDP sprach sich für Stichwahl-Konkurrent Swen Ennullat aus. Dem machte Hanke eine Kampfansage, die man auch als Drohung verstehen könnte: „Parteilos zu sein kann auch heißen, dass man keine Unterstützung in der SVV hat."

Von Frank Pawlowski

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