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Dahme-Spreewald Schallschutz? Ja, aber...
Lokales Dahme-Spreewald Schallschutz? Ja, aber...
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07:00 28.08.2014
Ruhe vor Flugzeugen ist wichtig, wie ruhig es in den Wohnungen sein soll, ist aber Auslegungssache. Quelle: MAZ
Eichwalde

Rudolf Leutenbauer aus Eichwalde versteht die Welt nicht mehr. Zwar wurde sein Antrag auf Schallschutz in seinem Haus in der Stubenrauchstraße von der Flughafen-Gesellschaft positiv bewilligt, doch die Entscheidung lässt den Ingenieur ratlos zurück. „Im Kinderzimmer meiner Tochter wurde mir nur der Austausch eines von zwei Fenstern gestattet. Während das eine Fenster jetzt einen hohen Schallschutz aufweist, hat das andere nach wie vor nur eine Einfachverglasung. Das ist doch nicht nachvollziehbar“, meint der Eichwalder.

Rudolf Leutenbauer (r.) sprach mit Tina Fischer (SPD) und Werner Hahn über den Einbau von Schallschutzfenstern. Quelle: Uta Schmidt

Schlaf weniger geschützt

Eine Erklärung für diese Entscheidung hat auch der beauftragte Fensterbauer Werner Hahn nicht, der bisher nicht nur bei Leutenbauer den Einbau von Schallschutzfenstern vornahm. Der Eichwalder spricht von „Ungereimtheiten“ bei Bewilligungen. „Laut Gerichtsbeschluss haben die Familien doch ein Recht auf ausreichenden Schallschutz im Schlafbereich und in Kinderzimmern.“ Hahn und Leutenbauer wandten sich mit ihren Fragen an die Kreistagsabgeordnete Tina Fischer (SPD). Die Politikerin versucht nun Licht ins Dunkel zu bringen: „Das Haus liegt in der Nachtschutzzone, wo nach der aktuellen Rechtslage ein geringeres Schutzziel als beim Tagschutz gilt. Damit wird der Schlaf in der Nacht paradoxerweise nicht so sehr geschützt wie das Gespräch am Tage“, sagt die Juristin. Sie sieht ebenso Schwierigkeiten, wenn betroffene Eigentümer gegen die Entscheidungen der FBB-Ingenieurbüros in Widerspruch gehen wollen. „Eine derartige Bewilligung ist kein Bescheid. Eine Rechtsbehelfsbelehrung wird auch nicht versendet.“ Sie empfiehlt bei Unklarheiten, das Gespräch gemeinsam mit der beauftragten Fachfirma bei den Ingenieurbüros des Flughafens zu suchen. „Im Herbst planen wir eine Informationsveranstaltung für Ratsuchende in Eichwalde“, so Fischer.

Anträge und Ansprüche

Es liegen für 19000 Wohnugnen Schallschutzanträge vor. 7300 hat die Flughafen-Gesellschaft bearbeitet.

Für 4300 Wohnungen gibt es Anträge von Eigentümern im Tagschutzgebiet rund um die südliche Start- und Landebahn.

Ansprüche für 900 Wohnungen wurden ermittelt und zum Teil bereits verschickt.
Gesamtkosten von rund 730 Millionen Euro werden für den Schallschutz am neuen Flughafen Schönefeld prognostiziert.

Entscheidungen kaum nachvollziehbar

Fensterbauer Olaf Damm aus Waltersdorf bestätigt, dass die „Entscheidungen des Flughafens hinsichtlich der Schallschutzmaßnahmen ohne detailliertes Hintergrundwissen kaum nachvollziehbar sind.“ Die beauftragten Ingenieurbüros, die den nötigen Schallschutz errechnen, würden den Lärm an einem speziellen Punkt mitten im Raum bewerten. „So kann es eben vorkommen, dass der Austausch von nur einem Fenster im Schlafzimmer ausreicht, um das Nachtschutzziel zu erreichen.“ Das sei gängige Praxis. Auch er rät, bei nicht nachvollziehbaren Ermittlungen, mit der Schallschutz-Fachfirma das Gespräch mit den Gutachtern zu suchen und Widerspruch anzumelden.

Am BER läuft doch was: Mehr als 3500 Menschen sprinteten am Samstagabend über die Pisten des noch geschlossenen neuen Flughafens in Schönefeld. Auf der Nord- und Südbahn ging es auf die 10 km- und Halbmarathon-Strecke.

90 Prozenter aller fraglichen Gebäude begutachtet

Nach Angaben der Flughafengesellschaft wurden bisher über 90 Prozent aller Gebäude, für die ein vollständiger Antrag auf Schallschutz vorliegt, in den vergangenen Wochen durch Fachingenieure begutachtet. „Sind die Daten ausgewertet und die nötigen Baumaßnahmen für jedes Objekt ermittelt, gibt es Post von der Flughafengesellschaft bzw. Ingenieurbüros mit den Bewilligungen“, so ein Flughafensprecher. Dieser Prozess soll im September abgeschlossen sein.

Von Uta Schmidt

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